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Wagners schönste Stellen (23) : Tristan und Isolde, 2. Aufzug, 3. Szene, Takte 299 ff.

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Bild: Kat Menschik

„ ... dem Land, das Tristan meint, der Sonne Licht nicht scheint“: Eine Stelle, bei deren Anhören dem Autor aufging, warum Rudolf Steiner Wagner eine Reinkarnation Merlins nannte.

          Seit je war Mozart mein Idol, Verdi war mein Held, Wagner mein Trauma. Obwohl das „Bonbonnière“-Theater in meiner Geburtsstadt Gent, gebaut von der französischsprechenden Bourgeoisie, mit einem Rezital von Franz Liszt im Jahr 1842 eröffnet worden war, wurde Wagner nie deren Anliegen. Man kümmerte sich hier eher um dessen mächtige französische Zeitgenossen: Meyerbeer, Auber, Halevy, Boëldieu, später Gounod oder Bizet.

          Daran hatte sich, als ich in meiner Studentenzeit dort in die Oper ging, nicht viel geändert. Dass meine erste Oper Mozarts „Zauberflöte“ wurde, war ein Glücksfall: alles andere von Mozart wurde gar nicht gespielt. Zwischen meinem zwölften und achtzehnten Jahr erlebte ich in Gent genau zwei Wagneropern: „Walküre“ und „Parsifal“.

          Der erste Wagner in München

          Wie das damals dort klang, daran erinnere ich mich nicht mehr, glücklicherweise. Das Spielplansystem erlaubte nicht viele Proben, zehn erste Geiger waren sowieso das Maximum. Da Georg Solti damals seinen „Ring“ noch nicht eingespielt hatte, war ich auf Schallplattenfragmente angewiesen, darunter der wunderbare erste Akt der „Walküre“ mit Bruno Walter, was ja keine schlechte Schule ist. Sobald ich mit siebzehn das Studium der Rechtswissenschaften begann, nahte Rettung: Ich finanzierte jetzt mit Studentenjobs meine Opernauslandsreisen.

          Die erste große Wagneraufführung, die ich erlebte, war eine Wiederaufnahme der „Meistersinger“ in der Bayerischen Staatsoper mit Joseph Keilberth und Jess Thomas. Das war 1965, auf der Durchreise nach Salzburg, denn die Mozartstadt ist für einen Mozartverehrer selbstverständlich das erste Ziel. Die Aufführung war umwerfend. Aber ich fand trotzdem die Lektion Davids und das Beckmesser-Ständchen geschwätzig und, für meinen direkten französischen Geschmack, zu lang. Später erst lernte ich, dass das Langatmige eine sächsische Eigenheit ist. Ich lernte aber in dieser Aufführung auch meine erste „schönste Stelle“ kennen: das Quintett am Schluss der Schusterstubenszene. Es ist eines der schönsten Ensembles der Operngeschichte überhaupt. Kurz darauf änderte sich mein Bild der Wagnerschen Musik grundsätzlich, und zwar dank Herbert von Karajans Dirigat der „Walküre“ bei den Osterfestspielen. Eine Entdeckung!

          Bayreuth musste sein

          Ich entdeckte, dass dem, was ich für deutschen Bombast gehalten hatte, eine atemraubend feine Lyrik innewohnt. Unterstützt von Karajans impressionistischer Klangmalerei und der präzisen Wortinterpretation, die er mit den Sängern erarbeitete, brachte er mir Debussy und „Pelléas et Mélisande“ näher, als ich mir das je hatte träumen lassen. Dank der besessenen Probenarbeit Karajans mit den Sängern, eine Qualität, die im Opernbetrieb heutzutage verlorengeht, verstand ich auf einmal, was das bedeutete: „ Musik und Drama“.

          Selten wurde das so perfekt realisiert wie von Marta Mödl als Isolde im „Tristan“, unter Karajans Dirigat. Jetzt wollte ich mir den ganzen „Ring des Nibelungen“ erobern, in Live-Aufführungen, erst in Köln und Düsseldorf, wo Astrid Varnay die Brünnhilde sang, dann wurde Bayreuth ein „must“. Unbedingt wollte ich „Tristan und Isolde“ mit Karl Böhm erleben, in der zweiten Bayreuther Inszenierung Wieland Wagners mit Birgit Nilsson und Wolfgang Windgassen.

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