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Rheinoper setzt Tannhäuser ab Erste Hilfe

 ·  Die Düsseldorfer Rheinoper hat ihren umstrittenen „Tannhäuser“ abgesetzt. Im Publikum hatten provokante NS-Szenen empörte Reaktionen ausgelöst. Der Regisseur spricht von einer Art Zensur.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (18)
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Heinrich Seneca

Wahnsinn, den 200.Geburtstag Richard Wagner's so zu verhuntzen !

Das wird nicht der letzte Skandal im Wagner-Jahr in Deutschland bleiben.
Schuld haben wahrscheinlich die geschichtlos agierenden Intendanten der Opernszene Deutschlands.
Aber wer will eine Wagner-Oper ohne Sänger, Opernchor und Bühnenbild erleben und das bei den hochsubventionierten Häusern in Deutschland ??
Schande !

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Andreas Pretsch

Erste Hilfe,für was ???

Als Hans Neuenfels im Jahr 1981 die " AIDA " ( Städtische Bühnen Frankfurt/Main )
Inszenierte,
rief dies einen Europaweiten Skandal hervor.
Heute wird diese " AIDA " als Anfang einer neuen Zeit Epoche am Musiktheater gesehen.
Seit geraumer Zeit in der Umgangssprache als sogenannte " Moderne Opern Inszenierung " Involviert.
Damals obwohl völlig neues,wurde sie (AIDA) nicht abgesetzt.
Es ist schon sehr bedenklich,das Intendant Christoph Meyer dies beim Tannhäuser tat.
So das man den Worten von Regisseur Kosminski,der von einer Art Zensur spricht,
schon Beachtung geben sollte.
Den die Begründung des Intendanten Meyer,dies getan zum Schutz des Opern Publikums,
erscheint recht merkwürdig.
Fakt ist,das bei der Premiere 48 Zuschauer die Vorstellung verließen,und oder 12 sich danach in Ärztliche Behandlung begaben.
So das von rund 1200 anwesenden Zuschauern, ca. 5% den Schutz von
Herrn Intendant Christoph Meyer nötig hatten und benötigen.





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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 14.05.2013 21:08 Uhr
Konrad Schemer
Konrad Schemer (JLSorel) - 14.05.2013 21:08 Uhr

Verstaubt

Nun, was 1981 revolutionär war, kann gut 30 später schon einmal leicht abgestanden wirken. Möglicherweise wurden den 12 Betroffenen auch einfach nur deshalb übel, weil die Inszenierung so unfassbar schlecht war.

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Gerhard Storm

Wenn Dummheit bzw. Pietätlosigkeit als „Kunst“ verkauft werden, erleidet die wahre Kunst keinen

Schaden wenn ein zu wenig einfühlsamer Regisseur daran gehindert wird, mit Nazi-Grauen zu beeindrucken.

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Jens Dono
Jens Dono (jensdono) - 11.05.2013 17:13 Uhr

Wagnerliebhaber...

... haben ja nun mal (hoffentlich) gelernt, die große Kunst eines charakterlich nicht ganz so großen Künstlers zu verehren. Da sollte es doch eigentlich nicht schwerfallen, auch eine unglückliche Inszenierung zu verzeihen und sich auf Musik und Gesang zu konzentrieren ohne gänzlich aus der Rolle zu fallen.

Ich erlebe jedoch zumeist ein Publikum, dass sich weder mit Werk noch Inszenierung auseinandergesetzt hat und einzig an einem Ereignis teilhaben will. Dies hat auch keine Probleme damit, hat aus Kleingeistigkeit und/oder Ahnungslosigkeit einen Theaterabend auch für andere zu zerstören.

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Roger Yeomans

Und das ist alles nur simuliert

Schade, dass die wirklichen Untaten einen aehnlichen Ekel bei den Taetern nicht hervorgerufen haben.

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Florian Caron
Florian Caron (H2Ox) - 10.05.2013 17:34 Uhr

1861

...wollte Wagner seinen Thannhäuser in Paris, der damaligen Welthauptstadt der Oper, herausbringen. Zu diesem Zweck fügte Wagner, was dem französischen Gepflogenheiten entsprach, seiner Oper eine Balletteinlage hinzu. Allerdings nicht wie üblich im zweiten, sondern schon im ersten Akt. Den Mitglieders des sogenannten Jockey Club, die die Oper nur zum Ballett besuchten und während des gewöhnlich dinierten, missfiel dies derart, dass sie die Aufführungen immer wieder störten. Nach der dritten Aufführung gab Wagner auf und kehrte Paris den Rücken. Nichts Neues, also...

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Thomas Lindenmeyer

Verlogen

Diese Inszenierung ist ein wildes Politspektakel, aber sie steht völlig unvermittelt neben der Oper Tannhäuser. Deren untergründige Motive freizulegen und zu befragen als Mensch des 21. Jahrhunderts ist legitim. Doch diese Inszenierung arbeitet sich ausschließlich an den Schriften Richard Wagners und der Geschichte nach 1933 ab. Das kann man dann mit allen Wagner-Opern so machen, es ist platt und nutzt die Nazi Symbolik als Aufmacher und als eine Art 'Propaganda' in eigener Sache. Das finde ich das Verlogene dabei und die Reaktion des Hauses nur noch armselig.

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Torsten Milsch

Intendant Prof. Meyer vergrault Publikum - Freiheit meiner Meinung und meiner Gefühle

Bei einem Opernbesuch geht es mir um einen Abend, an dem ich mich unterm Strich wohl fühlen möchte. Diese Freiheit, das für mich selbst zu entscheiden und ggfs. zu gehen, nehme ich mir.

Schon bei SehnsuchtMeer war die Premiere schwach besucht, in der Pause flüchteten Besucher wie ich u. a. vor der ermüdenden rezitatorischer Gebärden-Sprache.

Weil für mich eine Richtung hin zu noch mehr Experimenten sichtbar wurde, habe ich mein Premieren-Abo gekündigt, weil ich mit einem für mich gelungenen Opernabend etwas anderes verknüpfe, z. B. "Carmen" oder "Lohengrin".

"Tannhäuser" habe ich mir daher erspart - es wundert mich aber nicht, denn der Intendant Prof. Meyer scheint den Kontakt zum Publikum verloren zu haben, sonst hätte er den Regisseur im Vorfeld gestoppt. Mit meiner Kündigung habe ich mir also einen guten Dienst erwiesen.

Ich bleibe der Rheinoper auch weiterhin positiv verbunden, nehme mir aber die Freiheit, mir die Vorstellungen selbst und sorgfältig auszusuchen.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 11.05.2013 17:31 Uhr
Jens Dono
Jens Dono (jensdono) - 11.05.2013 17:31 Uhr

Sich wohlfühlen...

... aber auch schon mal gerne die kleine Schwester von Einschlafen... ;-)

Ich habe unerträgliche Inszenierungen gesehen wie den Tristan von Marthaler, schlaue und kurzweilige wie fast alles von Herheim und grenzwertige wie den Serail von Bieito. Ich habe bisher aber noch nie einen Maßstab finden können, der mir geholfen hätte VOR dem Opernbesuch zu wissen, ob man hingehen sollte oder nicht. Und ich habe noch keine Inszenierung als Körperverletzung empfunden. (Im Gegensatz zu einigen Hustorgien im Publikum). Kritiken sind ja ganz nett - zur Nachlese. Aber lässt man sich vor dem Essen sagen, wie es zu schmecken hat?

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Wolfgang Kreuter

der eigentliche skandal

die düsseldorfer anti-tannhäuser-entscheidung ist mehr als ein unverschämter angriff auf die kunst. wenn es nach der logik der begründung für diese entscheidung ginge, hätten in deutschland die filme spielbergs und tarantinos niemals aufgeführt werden dürfen. sie hätten ja blutdruck und herzrhythmus der überwiegend 80jährigen kinobesucher ausser rand und band gebracht. nein, die gesundheit ihrer besucher ist der düsseldorfer intendanz nicht so wichtig wie sie behauptet. viel mehr hat sie der anschwellende politische druck geängstigt, der sich schon durch die einlassungen des israelischen botschafters ("nazi-symbole haben in diesem rahmen nichts zu suchen") angedeutet hatte. dass sie aber nicht die traute hat, dies offen zu sagen, ist der eigentliche skandal. auch die jüdische gemeinde hat mit ihrer kritik das gegenteil ihres ziels erreicht. denn nicht nur die kunstfreiheit, auch die erinnerungskultur (eine schuld, die nicht vergehen will) ist jetzt nachhaltig beschädigt worden.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.05.2013 13:24 Uhr
Jörg Huemer

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass der von Ihnen gewählte Begriff "Erinnerungskultur" nicht

nur das "Erinnern", sondern eben auch "Kultur" enthält? Mit Grausen erinnere ich mich noch heute daran, wie meine Chemielehrerin versuchte, "Erinnerungskultur" im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu betreiben, indem Sie uns beim Thema "Veresterung" anhand von Aufzeichnungen an der Tafel erklärte, wie es möglich war, die Körper ermordeter Juden zu Seife zu verarbeiten. - Für alles gibt es den geeigneten und richtigen Ort; für die von Ihnen eingeforderte "Erinnerungskultur" wurden überdies Räume geschaffen. Niemand hat vor, diese zu demontieren; sie werden mit Würde gepflegt. Zusätzliche "Inszenierung" wird nicht benötigt, auch wenn mancher Künstler noch immer glaubt, auf diese Weise schneller ins Scheinwerferlicht gelangen zu können...

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Tyler Durden Volland

Das ist richtig, aber....

Natürlich ist das zensur, da hat er Recht.

was er ignoriert ist, dass es Zensur in unserem Lande etwas völlig Normales ist. Auch wenn eine derartige Feststellung immer ganz schnell selber zensiert wird.

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Bernhard Nienaber

Künstlerische Freiheit

Was sich heutige Theaterregisseure im Umgang mit ihren literarischen Vorlagen herausnehmen kann man zum Teil nur noch als künstlerische Vergewaltigung ansehen.
Und wenn dann das moderne, abgestumpfte Publikum tatsächlich noch so etwas wie eine Ekelreaktion empfindet, sind Schauspieler, Regisseur und Intendant plötzlich peinlich berührt und fühlen sich in ihrer künstlerischen Freiheit beeinträchtigt. Mehr Werktreue würde auch gleichzeitig mehr Respekt vor dem Autor ausdrücken. Aber scheinbar ist es wichtiger, irgendwelche verquasten eigenen Gedankengänge und Alt-68er-Phantasien immer und immer wieder dem Publikum aufzuoktroyieren.

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H. H.  Albrecht

Zurück zur Inszenierung von 1845

Oper und Schauspiel sollten jeweils in der ursprünglichen Fassung gezeigt werden. Die Requisiten wandern dann eben von einer Bühne zur anderen, werden gelegentlich etwas aufgefrischt. Jeder Bürger muß alle Standardwerke einmal im Leben gesehen haben, der Besuch wird auf einem Kulturbonusheft eingetragen. Eigene Gedanken über Musik und Text sind den Regisseuren, Dirigenten, Bühnenbildnern nicht erlaubt. Wer versucht das Publikum aus seiner verdienten Lethargie zu reißen, wird mit lebenslangem Anhören der Hitparaden von Dieter Thomas Heck bestraft.

In Düsseldorf soll ein Premierenbesucher sogar erhöhten Puls gehabt haben. Shocking!

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Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.05.2013 14:35 Uhr
Jörg Huemer

Sie haben nicht einmal verstanden,

was Oper ist; jedenfalls nicht der Ort für abgedroschene Provokation, wie sie schon zahllose Male in allen nur denkbaren Variationen exerziert wurde. Staatliche Subventionen werden übrigens nicht für Geschmacklosigkeiten bereitgestellt...

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H. H.  Albrecht

Waren Sie in der Aufführung, sehr geehrter Herr Huemer?

Oder haben Sie zumindest das Gegeifer der führenden Lokalpresse gelesen? Wenn nicht, dann ist Ihr Beitrag nicht recht verständlich. Was heißt "ahnungsloses Publikum"? Wozu noch Oper oder Theater auf staatlich subventionierten Bühnen, wenn die Besucher nur irgendwie unterhalten werden wollen. Bischen Musik von dem berühmmten Richard Wagner und richtig teure Sänger dabei. Aber bloß keine Provokation! Wenn von Schuld und Sühne die Rede ist, was erwartet das Publikum dann?

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Jörg Huemer

dieses Statement ist zu dümmlich, um als Zynismus durchzugehen. Es ist immer wieder

wohltuend, welch einfache, welch zeitlos zutreffende Bewertungen derart gequälte Effekthaschereien von jüdischer Seite erhalten: "Geschmacklos" ja, das bringt es auf den Punkt! - Der Begriff "Geschmack" sollte überhaupt wieder eine größere Rolle erhalten! Es ist viel einfacher, ahnungsloses (dafür auch noch zahlendes!) Opernpublikum mit (nicht einmal originellen!) Perversionen zu schikanieren, als tiefgründig, aber eben "mit Geschmack" zu inszenieren.

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09.05.2013, 18:28 Uhr

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