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Rene Kollo zum 80. : Immer verlässlich, manchmal auch flott

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Später war er enttäuscht vom Betrieb: René Kollo, Sohn des Operettenkomponisten Walter Kollo, in Bad Oeynhausen. Bild: dpa

Als Heldentenor in Wagners Diensten: Der Opernsänger René Kollo, der als auch Unterhaltungskünstler im Fernsehen Erfolge feierte, wird heute achtzig Jahre alt.

          Nachdem René Kollo während einer Aufnahme von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“ in Dresden (1971) als Walther von Stolzing den Parnass des Preislieds erklommen hatte, erhielt er von Herbert von Karajan den Ritterschlag: „Sie sind der Tenor, auf den ich vierzig Jahre gewartet habe.“ Schon kurz davor hatte der Dirigent Georg Solti den 34-Jährigen in der Aufnahme des „Tannhäuser“ eingesetzt, die bis heute hochgeschätzt wird. Kollo bekam sogleich jene Schlagzeilen, die ihn auf die Straße zum Weltruhm führten – allerdings nach mancherlei Umwegen.

          Der Enkel des in den zwanziger und dreißiger Jahren sehr erfolgreichen Operettenkomponisten Walter Kollo begann als musikalischer Autodidakt mit einer kleinen Amateur-Truppe. 1961 wurde er mit dem Ricky-Nelson-Hit „Hello, Mary Lou“ bekannt. Doch dann entschloss er sich zu einem gründlichen Gesangsstudium bei Elsa Varena in Berlin. 1965 debütierte er als lyrischer Tenor in Braunschweig, wechselte zwei Jahre später an die Düsseldorf-Duisburger Rheinoper, wo er in der Titelpartie von Mozarts „La clemenza di Tito“ oder als Pinkerton („Madama Butterfly“) erfolgreich war.

          Mit Wolfgang Wagner (rechts) studierte er den „Jahrhundert-Ring“ ein. Bilderstrecke

          Ein Monopolist im verwaisten Fach

          1969 debütierte er bei den Bayreuther Festspielen als Steuermann in „Der Fliegende Holländer“, mit außerordentlichem Erfolg, wie Oswald Georg Bauer es in der Chronik der Festspiele dokumentiert. Danach folgten Partien wie Erik, Lohengrin, Stolzing, Parsifal, Siegfried im sogenannten Jahrhundert-Ring (1976–78) und Tristan.

          Im damals weitgehend verwaisten Fach des Wagnerschen Heldentenors wurde er auf der Bühne zu einem Rollen-Monopolisten, so wie er auch in den Plattenstudios unverzichtbar war. Er ist in Aufnahmen von Richard Wagners „Rienzi“, „Der fliegende Holländer“, „Tannhäuser“, „Lohengrin“ (Karajan), „Der Ring des Nibelungen“ (Pierre Boulez, Marek Janowski), „Tristan und Isolde“ (Carlos Kleiber), „Die Meistersinger von Nürnberg“ (Karajan und Solti) und „Parsifal“ (Solti) vertreten. Zwar behauptete er sich durch seine Verlässlichkeit, doch wandten etliche Kritiker ein, dass er mit seiner hellen, weißlichen Stimme und seiner deklamatorischen Manier nicht dem Ideal eines vaterländischen Belcanto gerecht werde. Gleichwohl sind seine Darstellungen – etwa als Tannhäuser oder als Kaiser in „Die Frau ohne Schatten“ – dramatisch überzeugender als die eines spanischen Kollegen, der wohllautend über den Sinn des Textes hinwegsingt.

          Technokraten ohne mystisches Verhältnis zur Kunst

          Kollo selbst hat über die Zwänge des Betriebs geklagt, darüber, dass er – „Spezialisierung zerstört die Stimme“ – einseitig als Wagner-Sänger eingesetzt wurde. Ebenso bitter – und blind vor Zorn – hat er den Opernbetrieb angeprangert: Intendanten, die „jegliche Professionalität vermissen lassen“; Regisseure und deren „Optik-Mache“; oder Dirigenten, die zu „Technokraten ohne mystisches Verhältnis zur Kunst“ heruntergekommen seien. Ende der achtziger Jahre bekam er die Gelegenheit, Otello, Peter Grimes, Hermann („Pique Dame“) und Schuisky („Boris Godunow“) zu singen.

          In der Spätphase seiner Karriere errang er bedeutende Erfolge als Palestrina und Herodes. Durchaus andere Erfolge hatte er als flotter Allzwecktenor im Fernsehen mit tenoraler Software: ob „Ave Maria“ über schluchzenden Geigen oder „Tritomba“. Heute wird René Kollo achtzig Jahre alt.

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