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Peter Stein zum Achtzigsten : General der Gefühle

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Aber ich konnte damals gar nicht anders, als leise zu sprechen. Nicht weil ich Angst gehabt hätte, sondern weil ich es auf der Schauspielschule so gelernt hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg und den groß deklamierenden Darstellern, die ja oft auch Nazis waren, wurde uns nahegelegt, ganz und gar wahrhaftig und ja nicht übertrieben groß aufzuspielen. Wir wurden gewissermaßen auf die äußerste Wahrheit verpflichtet – und die ist ja bekanntlich innerlich und dadurch enorm leise. Steins Regieführung folgte diesem Ansatz. Er fragte uns bei jedem Wort, jedem Satz, den wir etwas lauter sprachen: Ist das wahr? Oder behauptet es nur, wahr zu sein?

Die Frage, ob Peters Art zu inszenieren „altmodischer“ war als das, was Zadek machte, stellte sich damals übrigens nicht. Er war ja auch jung, und wir alle waren Anfänger. Im Gegensatz zu den heutigen Schauspielern waren wir aber auch „rückwärts geschult“ – gingen zu Gründgens, fuhren nach Wien, um alte Schauspieler zu sehen. Die konnten einfach Dinge, die wir nicht konnten, und das interessierte uns.

In meiner Erinnerung haben wir das Stück dann einfach aufgeführt, indem wir den Text und die Situationen ernst genommen und dabei nichts und niemanden ironisiert haben. Mir kommt es rückblickend vor, als wäre es einfach so gewesen, wie es sein muss. Wenn ich heute das Stück lese, habe ich gleich wieder alles vor Augen. Besonders die Geschichte mit dem Giftmord, wie ich da langsam anfange, das Gift zu spüren und immer noch dabei rede, dann dabei zucken muss und immer noch etwas sage. Das spüre ich noch heute, dieses Zucken im Körper und meine leisen, letzten Sätze dazu.

Der Bühnenbildner. In seiner Münchener Jugendstilvilla in der Cuvilliéstraße sitzt Jürgen Rose, der Bühnenbildner von damals. Vor kurzem ist auch er achtzig Jahre alt geworden. Peter Stein hat er als blutjunger Anfänger kennengelernt, aber nach der „Kabale“-Inszenierung nur noch einmal mit ihm zusammengearbeitet. Zeit seines Lebens war Rose dann Dieter Dorn, einem anderen Regieheroen, verpflichtet. Während er über Stein spricht, merkt man: Er hätte gern öfter mit ihm zu tun gehabt.

Jürgen Rose: Auf den jungen Stein ist als Erste die alte Therese Giehse aufmerksam geworden. Sie hat angefangen, sich für ihn zu interessieren, als er 1967 auf der Werkraumbühne der Münchner Kammerspiele für „Gerettet“ probierte, und hat dann überall am Haus rumerzählt: „Das wird was!“ Und dann ging das ja auch wirklich durch die Decke, „Gerettet“ wurde ein Riesenerfolg. Zu uns, also Stein und mir, kam dann der etwas verrückte Kurt Hübner und sagte: „Euch will ich haben“, und so kamen wir nach Bremen. Damals war noch völlig selbstverständlich, dass man als Verantwortlicher für das Bühnenbild auch die Kostüme macht. Heute ist das anders – warum man sich die Möglichkeit aus der Hand nehmen lässt, die Farben der Kleider auf das Bühnenbild abzustimmen, habe ich nie verstanden.

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