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Volodos und Kissin in Salzburg : Träumereien unter vier Augen

  • -Aktualisiert am

Schwermütiger Bote: Jewgeni Kissin in Salzburg Bild: Salzburger Festspiele/Marco Borrelli

Die Zeiten der Pianistenschlachten sind vorüber, aber die Solistenkonzerte zählen noch immer zu den Höhepunkten der Salzburger Festspiele. Das zeigt sich in diesem Jahr bei Arcadi Volodos und Jewgeni Kissin.

          „Le concert, c’est moi (Das Konzert bin ich)“, schrieb Franz Liszt an die italienische Prinzessin Belgioioso. Mit der Anspielung auf den Sonnenkönig – „L’état, c’est moi“ (Der Staat bin ich) – nahm er für sich eine epochale Rolle in einer neuen Gattung des Konzertlebens in Anspruch: des allein auf einen einzigen Solisten zugeschnittenen Ereignisses.

          Mit dem ersten Konzert dieser Art hatte er 1840 in London einen neuen Typus geschaffen: des Künstlers als Helden. Mag die Zeit der pianistischen Schlachten auch vorüber sein, so gehören Solistenkonzerte weiterhin zu den Schwerpunkten der Salzburger Festspiele: Altmeister wie Maurizio Pollini, Grigori Sokolow und András Schiff geben sich die Ehre, dazu Arcadi Volodos, Jewgeni Kissin und die seit der letzten Dekade am Pianisten-Firmament aufleuchtenden Igor Levit, Daniil Trifonov und Khatia Buniatishvili.

          Aber warum nur stammt ihr Repertoire fast ausschließlich aus dem ausgehenden achtzehnten und dem neunzehnten Jahrhundert? Warum nicht Olivier Messiaens „Vingt regards sur l’enfant Jésus“? Oder die Etüden von György Ligeti?

          Mehr als ein Virtuose

          Zum Auftakt der aus Leningrad gebürtige Arcadi Volodos, der sich vor zwanzig Jahren mit den „Carmen“-Variationen – von ihm nach Gehör rekonstruiert – als Horowitz redivivus vorstellte. In den letzten Jahren ist er Wladimir Horowitz’ Forderung nachgekommen, dass man, um mehr zu sein als ein Virtuose, zuerst einmal ein Virtuose sein müsse. Als Robert Schumann seiner Frau Clara die „Kinderszenen“ ankündigte – dreizehn Miniaturen, ausgewählt aus „dreißig putzigen Dingern“ und motivisch kunstvoll verklammert, legte er ihr nahe, sich als „Virtuosin zu vergessen“. Ein Motto auch für Volodos.

          Schon mit „Von fremden Ländern und Menschen“ deutet er an, dass die Stücke nicht für Kinder, sondern über Kinder geschrieben sind und nach einer vom Bewusstsein hergestellten Einfachheit verlangen. Das den Zyklus in fließender Erscheinung durchziehende Grundmotiv bringt er immer wieder behutsam in Erinnerung. In der „Träumerei“ wie in „Der Dichter spricht“ folgt er dem Gebot, dass man hellwach sein muss, wenn man von seinen Träumen spricht. Die Brillanz des Virtuosen blitzt auf im hurtig eilenden „Haschemann“.

          Kinderszenen der anderen Art

          Volodos ist wohl der erste prominente Pianist, der die früher gelegentlich von Artur Rubinstein gespielte Musik von Federico Mompou (1893 bis 1987) entdeckt hat. Der Sohn eines katalanischen Vaters und einer französischen Mutter ging 1911 auf Rat von Enrique Granados nach Paris, gab, von Auftrittsangst geplagt, seine Pianistenkarriere auf und begann zu komponieren. Als sein Hauptwerk gilt der zwischen 1959 und 1967 entstandene vierteilige Zyklus „Música callada“. Der Titel geht zurück auf den „Cántico espiritual“ des Kirchenlehrers Juan de la Cruz, in dem von einer „verschwiegenen Musik“ und „klangvoller Einsamkeit“ die Rede ist.

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