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„Parsifal“ an der Deutschen Oper Berlin : Dann lieber gleich nach Oberammergau

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Eine „Art verdrehtes Wagner-Privat-Christentum“: Der Film- und Opernregisseur Philipp Stölzl inszeniert seinen „Parsifal“ zum hundertjährigen Bestehen der Deutschen Oper Berlin Bild: dpa

Als der Knabe Parsifal sich im Märchenwald verlief: Regisseur Philipp Stölzl kritisiert Richard Wagners „Privat-Christentum“ und ärgert das Berliner Opernpublikum.

          Die heilige Gralsgemeinschaft: eine sadomasochistische, das Blut und den Schmerz vergötzende Rotte fanatisierter Gläubiger in Kostümen, die an Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuss“ erinnern. Klingsor: ein gehörnter, mit Tierzähnen und zotteligen Schweifen geschmückter Medizinmann, der in seinem Tempelbezirk einem aztekischen Menschenopferkult anhängt. Den Film- und Opernregisseur Philipp Stölzl fasziniert am „Parsifal“ eine „Art verdrehtes Wagner-Privat-Christentum“. Und da man dieses traumgleich-surreale Netz aus biblischen Anspielungen und kunstreligiösem Erlösungs-Pathos, aus Erinnerungen und Ahnungen ohnehin nicht restlos verstehen könne, es vielmehr „fühlen“ müsse, bekundete er, in seiner Jubiläums-Inszenierung zum hundertjährigen Bestehen der Deutschen Oper Berlin keine Deutung zu liefern, sondern die Geschichte auf der Bühne „einfach nur erzählen“ zu wollen.

          Was aber dabei herauskommt, wenn man sich dem Bühnenweihfestspiel lediglich kundrygleich dienend oder in parsifalesk mitfühlender Naivität annähern möchte, das entpuppt sich szenisch als eine derart drastische Demaskierung christlicher Glaubensinhalte, dass große Teile des Publikums schockiert sind. Die fundamentale Kränkung ihrer derart brüsk aus einem mehr oder weniger tiefen Dämmerschlaf vermeintlicher Säkularisierung gerissenen religiösen Gefühle quittieren sie mit empörten Buhrufen, als sehnten sie sich zur Tröstung die Oberammergauer Passionsspiele herbei.

          Den „Parsifal“ beim Wort genommen

          Dabei ist, dass Stölzl es auf eine Provokation angelegt habe, nicht unbedingt anzunehmen. Tatsächlich nimmt sich seine Inszenierung aus wie eine Fabelstunde, in der auch all jene Vor- und Nebengeschichten als tableaux vivants szenisch getreu bebildert werden, die das eigentlich handlungsarme Libretto vor allem über die langen Erzählungen von Gurnemanz (dem Matti Salminen mit voluminösem Bass imposante Bühnenpräsenz verleiht) transportiert. Wie in einer jener altmodischen Märchenwald-Schaukästen, in denen auf Knopfdruck jeweils andere Handlungs-Stationen der Saga angeleuchtet werden, lässt Stölzl in der archaischen Felslandschaft des von ihm selbst entworfenen Bühnenbildes die Bestandsteile der Gralsrittergeschichte lebendig werden. Links oben auf einem Berg liegt die putzige Gralsritterburg, wo Titurel die heiligen Reliquien Lanze und Gral empfängt und mit ihnen das sinnstiftende Ritual seiner Männersekte begründet. Auf dem gegenüberliegenden Felsen verfolgt man den Fall des Amfortas, der in Kundrys und Klingsors Fänge geraten ist und die heilige Lanze verspielt. Später wird an diesem Fleck Parsifal - der sich als ahnungsloser Besucher in den Märchenwald verirrt hatte, wo er zunächst in seinem Anzug nur deplaziert herumstand - seinen Gegner Klingsor wenig heldenhaft hinterrücks meucheln: Als moderner Mensch erkennt und nutzt er seinen Machtvorsprung.

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