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Opernedition auf DVD Und sie bewegt sich doch!

10.10.2004 ·  Ob Verdi oder Monteverdi, ob Wagner oder Offenbach: Die DVD ist das Zukunftsmedium der klassischen Musik. Die zwanzigbändige F.A.Z.-Gesamtausgabe von Opernaufführungen auf DVD legt einen repräsentativen Querschnitt durch das Opernschaffen der Gegenwart.

Von Eleonore Büning
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Acht Widersprüche hat der Kritiker Oscar Bie 1913 in seinem einflußreichen Buch "Die Oper" diagnostiziert, Widersprüche, die das unmögliche Kunstwerk Oper prägen und zerreißen. Als Idee sei das Gesamtkunstwerk "zwingend", aber nur "unvollkommen" realisierbar.

Von diesen inneren Widersprüchen ist heute nur noch ein ernstzunehmender geblieben. Weder ist die Literaturoper ein Problem; noch sind es Verismus und Surrealismus der Darstellung; auch die Orchesterdominanz ist dank modernster Tontechnik bestens ausbalancierbar. Sogar mangelnde Textverständlichkeit ist mittlerweile durch die Praxis der Übertitelung behoben worden. Der einzige Widerspruch, an dem die Oper nach wie vor laboriert, ist der fünfte: Der Widerspruch der Aufführung, die "Regie der Bühne".

Alles konservier- und reproduzierbar

Man spricht fast über nichts anderes mehr in der Pause. Die Opernkritik befaßt sich überwiegend mit Bühnenbild und Regiekonzept. Der Opernregisseur, ein Berufsstand, den es vor hundert Jahren noch gar nicht gab, ist heute nicht nur wichtiger geworden als Dirigent und Sänger, er überspielt zuweilen Werk und Komponist. In dieser Situation kommt die Erfindung der Digital Versatile Disc wie gerufen.

Jede Aufführung ist nun auf technisch einwandfreiem Niveau konservier- und reproduzierbar. Die DVD macht Opernaufführungen von allen großen Bühnen für kleines Geld jedermann zugänglich. Es gibt keine technischen Abstriche mehr wie bei Laserdisc oder Video. Bereits jetzt ist absehbar, daß die großen Plattenlabels, die der Krise wegen dazu übergegangen sind, hauptsächlich Live-Mitschnitte aufzuzeichnen, ihre Opern-Neuproduktionen künftig nicht mehr für die CD, sondern nur noch für DVD fabrizieren werden. Die DVD wird insgesamt größere Bedeutung haben für die klassische Musik, als man es sich im Augenblick ausmalen mag.

Die zwanzigbändige F.A.Z.-Gesamtausgabe von Opernaufführungen auf DVD legt einen repräsentativen Querschnitt durch das Opernschaffen der Gegenwart. Nicht alle großen Repertoire-Opern sind vertreten. Dafür reicht der historische Bogen von Monteverdi über Verdi und Wagner bis in die jüngste Vergangenheit zu Britten und Prokofieff. Die historische Aufführungspraxis ist vertreten in Wiederentdeckungen (Paisiello, Vivaldi, Meyerbeer), auch die freche kleine Schwester Operette mit Offenbachs "Belle Helene" und das junge Pflänzchen Opernfilm mit Benoit Jacquots "Tosca". Vom Widerspruch der Aufführung berichten die verschiedensten ästhetischen Ansätze, von Wilsons Lichtkonzept bis hin zum Lustprinzip Dario Fos. Man muß das alles erst sehen und hören und kann sich dann sagen: Ja, stimmt, im Prinzip unmöglich. Aber es funktioniert.

Ein einmaliges Angebot nicht nur für Opernliebhaber: Sichern Sie sich 20 hochklassige Inszenierungen, und lassen Sie sich begeistern: Die DVD-Kollektion umfaßt die 20 wichtigsten Opernaufführungen und bietet Ihnen faszinierende Einblicke in die Welt der Oper. Von Oktober 2004 bis Februar 2005 erscheint monatlich ein Paket mit je vier Aufführungen. Sie erhalten dieses Paket zum Vorzugspreis von 69 Euro (zzgl. acht Euro Versandkosten). Eine einzelne Opern-DVD kostet 19,90 Euro (zzgl. drei Euro Versandkosten).
Die Gesamtedition ist ab Dezember in einem attraktiven Schuber erhältlich. Im Gesamtpreis von 398 Euro (zzgl. 15 Euro Versandkosten) ist zudem ein hochwertiger Philips-520-DVD-Player enthalten.
Bestellungen unter 018025252 oder FAZ.NET-Shop

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.10.2004, Nr. 41 / Seite 27
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Jahrgang 1952, Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin

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