08.11.2008 · Unruhe in der Opernwelt: Gerard Mortier will nicht mehr künstlerischer Leiter der New York City Opera werden. Schuld sind die Finanzen. In Berlin könnte der Rauswurf Peter Mussbachs aus der Lindenoper ein juristisches Nachspiel haben.
Unruhe in der Opernwelt: Gerard Mortier will nicht mehr künstlerischer Leiter der New York City Opera werden. Schuld sind die Finanzen. In Berlin könnte der Rauswurf Peter Mussbachs aus der Lindenoper ein juristisches Nachspiel haben.
Der Pariser Opernchef Gerard Mortier verweist zur Begründung seiner Absage an die New York City Opera auf die finanziellen Probleme des Hauses, die ihm schon länger bekannt sein dürften: Statt der ursprünglich zugesagten 60 Millionen Dollar stünden ihm nur 36 Millionen zur Verfügung, erklärte Mortier gegenüber der „New York Times“: „Ich kann kein Haus führen, das ein geringeres Budget hat als das kleinste Haus in Frankreich.“ Mortiers Spielplan stand fest und war vielversprechend: Unter anderem sollte Philip Glass eine Oper über Walt Disney komponieren und Charles Wuorinen eine Bühnen-Version des „Brokeback Mountain“-Films.
Der Rauswurf (vulgo: die Nichtverlängerung) von Lindenopern–Intendant Peter Mussbach soll ein Satyr-Nachspiel haben, Berlins Kultursenator Klaus Wowereit stehe vor einem „kulturpolitischen Eklat“, behauptet der „Spiegel“. Mussbach, der vor sechs Monaten aus dem Amt gedrängt worden war, protestiere gegen die für nächsten Sonntag angesetzte Uraufführung der Oper „Hölderlin/Eine Expedition“ von Peter Ruzicka, zu der er selbst das Libretto verfasst hatte. Jetzt findet Mussbach, die Inszenierung von Thorsten Fischer, der kurzfristig an seiner statt für die Regie engagiert worden war, verstoße „gegen den Geist des Werkes“. Er werde den Fall vor das Bühnenschiedsgericht bringen. Wie Ruzicka gegenüber dieser Zeitung erklärte, habe Mussbach die Klage längst zurückgezogen. An seinem Libretto sei „nicht ein Halbsatz verändert worden“, so Ruzicka, weshalb „kein Bühnenschiedsgericht der Welt“ der Sache nachgehen würde.