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Oper Nährstätte

16.03.2004 ·  Luciano Pavarotti nimmt Abschied von der Met. Die Natur des Starkultserfordert, daß das beträchtliche Vakuum, das der Sänger hinterläßt, umgehend wieder gefüllt wird.

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Auch der Starkult ist eine Naturkraft und somit selbst in der unnatürlichsten aller Kunstformen, der Oper, Naturgesetzen unterworfen. Nachdem nun also Luciano Pavarotti endgültig seinen Abschied von der New Yorker Metropolitan Opera genommen hat, erfordert die Natur des Starkults, daß das beträchtliche Vakuum, das der Sänger hinterläßt, umgehend wieder gefüllt wird.

Nach einem vor knapp zwei Jahren fehlgeschlagenen Abschiedsversuch von dem Haus, dem er am weitaus häufigsten und wohl auch engsten verbunden war, hat Pavarotti jetzt eine respektable Miniserie von drei "Toscas" hinter sich gebracht. Es könnten, so raunte er widerspruchheischend, vielleicht sogar seine finalen Bühnenauftritte gewesen sein. Was er nicht mehr an stimmlicher Kraft und Schönheit zu bieten hatte, ergänzte die in Jahrzehnten geschulte Kultgemeinde aus der Erinnerung. Der Veteran schlug sich tapfer und kann sich zufrieden auf sein Altenteil, will heißen: in die Arenen der Welt, zurückziehen, wo die Popklassik ihm eine schöne Rente auszahlt.

Unvollkommenes Diventum

Wie aber will die Met, finanziell ohnehin ein wenig indisponiert, sich über den endgültigen Verlust des letzten wirklichen Superstars der Opernbühne hinwegtrösten? Der Kult um Pavarotti mag von dem um Debbie ersetzt werden, den die Met schon in den vergangenen Jahren nach Kräften gefördert hat. Deborah Voigt, wie die Sängerin mit vollem Namen heißt, hat gerade Schlagzeilen gemacht, weil die Königliche Oper von Covent Garden sie ihres Leibesumfangs wegen nicht haben will. In Amerika hingegen ist sie gewichtsklassenmäßig eher besserer Durchschnitt.

Aber ob sie damit das Kultvakuum zu füllen vermag? Pavarotti war, was in den letzten Jahren bisweilen in Vergessenheit geriet, ein Tenor wie kein anderer in seiner Zeit. In ihrer silbernen Brillanz, ihrer offenen Tongebung und ihrem lyrischen Schmelz war seine gleichwohl metallisch durchschlagende und vergleichsweise voluminöse Stimme unverkennbar, einzigartig. Vor allem amerikanische Kritiker wollen auch den noch nicht wirklich ins dramatische Fach gewachsenen, der säuselnden Lyrik aber längst entwachsenen Sopran der Voigt in dieser Sonderklasse unterbringen. Wie auch immer, der Londoner Rausschmiß müßte für ihr noch unvollkommenes Diventum mehr als gelegen kommen. Auch nach Pavarotti wird New York eine Zuflucht für wohlgenährte Opernsänger bleiben.

Quelle: J.M., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2004, Nr. 65 / Seite 38
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