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Oper Hier geraten selbst die Akkorde in Sektlaune

03.04.2009 ·  Gefiederte Opernentdeckung: „Die Vögel“ von Walter Braunfels, einst als „entartet“ verpönt, starten in Berlin triumphal durch. Vielleicht gehört dieser zivilen Moderne nun doch wieder die Zukunft.

Von Jan Brachmann
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Die klassische Moderne der Musik implodiert gerade. Das Hören der Nachkriegszeit, durch Theodor W. Adorno in Deutschland schwer geschädigt, erfreut sich eines langsamen Genesungsprozesses, wie der Musikwissenschaftler Tobias Plebuch es vor wenigen Jahren in der Zeitschrift „Merkur“ metaphorisiert hatte. Zu den Begünstigten dieser Vorgänge zählt die Musik von Walter Braunfels (1882 bis 1954).

In den Jahren zwischen dem Ersten Weltkrieg und dem Beginn der Hitler-Diktatur einer der führenden Komponisten der Weimarer Republik, wurde Braunfels Opfer einer doppelten Verdrängung: zunächst der Feme durch die Nationalsozialisten, weil er aus einer jüdischen Familie stammte; dann der Häme einer vollends zur Macht gelangten Avantgarde nach 1945, die einer Musik des Weiterdenkens klassisch-romantischer Tradition im öffentlichen Diskurs die Zukunft abschneiden wollte zugunsten eines radikalen Bruchs.

Der Geist des Aufbruchs

Braunfels’ Oper „Die Vögel“ nach Aristophanes, in den zwanziger Jahren ein Erfolgsstück, hat seit der CD-Einspielung unter Lothar Zagrosek (1994 bei Decca) erneute Aufmerksamkeit gefunden. Am Berliner Konzerthaus, dessen Orchester Zagrosek seit 2006 leitet, wurden „Die Vögel“ nun in einer „Konzertanten Operninstallation“ der Regisseurin Sabrina Hölzer mit Videoprojektionen des Malers Volker März gezeigt. Noch einmal war bei dieser Produktion der Geist des Aufbruchs mit Ohren und Augen zu fassen, den Zagrosek versprühte, als er sein Amt antrat und sich vom „Kunstwollen“ des Intendanten Frank Schneider und der inzwischen aus dem Amt geschiedenen Direktorin für künstlerische Planung und Produktion, Heike Hoffmann, beflügeln ließ.

Man hatte für „Die Vögel“ das Saalparkett in eine ansteigende Sitztribüne verwandelt. Die acht Gesangssolisten standen auf unterschiedlich hohen Säulenpodien und sangen auf das Konzerthausorchester herab. Dieses war durch eine ovale Projektionswand vom hinten stehenden Ernst-Senff-Chor (einstudiert von Ralf Sochaczewsky) getrennt.

Der Zorn des Zeus

In den „Vögeln“ überreden zwei Menschen (Hoffegut und Ratefreund) den Vogelkönig Wiedehopf, eine ideale Stadt zu errichten und die Herrschaft über Menschen wie Götter anzutreten. Das erregt den Zorn des Zeus, der die Stadt zerstört und die beiden Menschen kleinlaut zurücklässt. Man kann nicht sagen, dass die Handlung durch die Installation wirklich erhellt worden wäre. Doch in freier Assoziation haben die Bilder Ansätze einer Deutung gewagt, etwa wenn zum Traum von der idealen Stadt Albert Speers Germania aufflimmerte oder wenn sich zu Ratefreunds kriegstreiberischen Reden die Visagen von Mussolini und Goebbels aus den abstrakten Ornamenten der Projektionen herausknäuelten.

Das Konzerthausorchester blühte unter Zagrosek. Man genoss eine wunderbare Balance pluraler Zielstrebigkeit und auch eine kaum unterdrückte Freude am Sinnlichen dieser Musik, die der Chor ebenfalls klangschön, jedoch wenig textverständlich mittrug. Bei den Solisten fielen Joachim Goltz als Ratefreund und Jochen Kupfer als Wiedehopf äußerst angenehm durch ihre zwar kräftigen, aber fein geführten und ausgezeichnet deklamierenden Stimmen auf.

Braunfels war in München Schüler des Strauss-Intimus Ludwig Thuille, und man hört den „Vögeln“ auch etwas sehr Münchnerisches an: Sie sind nah an Strauss’ früher Komödie „Feuersnot“ und an den Opern Humperdincks. Ausgehend vom gemütvollen Komödienton der Wagnerschen „Meistersinger“ und im Medium einer Tonalität, der wie vom Sekt die Wangen glühen, hat Braunfels hier von einer weisen Befriedung utopischer Entwürfe erzählt. Vielleicht gehört dieser zivilen Moderne, nach der Ära einer polemischen Avantgarde, nun doch wieder die Zukunft.

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