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Oper „Agnes von Hohenstaufen“ : Gewagt, gestemmt, gewonnen

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Das Verhängnis hört nimmer auf: Claudia Sorokina als Agnes von Hohenstaufen, Kakhaber Shavidze als Kardinal und Bernhard Berchthold als Welfe Heinrich. Bild: Lutz Edelhoff

Erstmals seit 180 Jahren ungekürzt und in deutscher Originalfassung: Erfurt zeigt die romantisch-historische Oper „Agnes von Hohenstaufen“. Herausgekommen ist ein Extremwerk mit furiosem Finale.

          Erhebet die Fahnen, bald rufen die Klänge der Kriegesdromete zum blutigen Tanz!“ Damit beginnt der martialische Schlusschor von Gaspare Spontinis großer historisch-romantischer Oper Agnes von Hohenstaufen, deren Beginn zum selben Geschwindmarsch im Zweivierteltakt den „Adler des heiligen Reiches“ beschworen hatte, der in „Welschlands Gefild“ für Ordnung sorgen soll. Hämmernd werden beide Zählzeiten betont, die zweite mit Pauke, Militärtrommel und großer Trommel noch stärker als die erste. Es geht um den Aufbruch von Kaiser Heinrich VI.* nach Sizilien, der dort sein legitimes Erbe sichern will. Am Ende der Oper stehen sie wieder am Anfang. Dazwischen entfaltet sich in vierundzwanzig erzählten Stunden eine Romeo-und-Julia-Geschichte auf dem Konflikt-Terrain der verfeindeten Welfen und Staufer: Kaiser Heinrichs Cousine Agnes, dem Sohn Heinrichs des Löwen früh versprochen, soll aus Staatsräson mit dem französischen König verheiratet werden, aber die Kavallerie in Form des welfischen Löwen-Vaters kommt noch rechtzeitig.

          Was soll man am Beginn des 21. Jahrhunderts mit einer solchen Geschichte und zudem mit einem schwer erträglichen Libretto-Deutsch, das ein Italiener in Musik gesetzt hat, anfangen? Das Theater Erfurt hat es dank des Engagements seines Chefdramaturgen Arne Langer gewagt, Spontinis letztes Werk, an dem dieser von 1827 bis 1837 gearbeitet hatte und das er für sein opus summum hielt, nach einer Pause von hundertachtzig Jahren in seiner Originalgestalt und in deutscher Sprache wieder auf die Bühne zu bringen. Vier extrem gekürzte italienische Produktionen zwischen 1954 und 1986 waren vorangegangen.

          Kraftakt und Überbietung

          Alles bei Spontini ist hier Kraftakt und Überbietung in gleich mehrere Richtungen. Widrigen Umständen an seiner Wirkungsstätte, der preußischen Hofoper in Berlin, sollte ein letzter Achtungserfolg entgegengesetzt werden. Eine früh schon, in „La Vestale“ und „Fernand Cortez“, gefundene hochexpressive Verbindung von Gesang und einem sprechenden Orchester sollte in eine letzte Konsequenz bis zur Grenze der Implosion getrieben werden. Der preußische Generalmusikdirektor Spontini verlangte den äußersten Einsatz von Menschen und Material: ein Riesenorchester plus achtzehnköpfiges Bläser-Fernorchester zur Imitation einer Orgel, eine große Banda und ein gewaltiges Choraufgebot. Alle Kräfte fasste er im doppelchörigen zweiten Finale, einer Sturmszene mit Blitzeinschlag, zu einem nie gehörten riesenhaften Crescendo zusammen. Wir stehen vor einem Extremwerk in der Liga von Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“ und Hector Berlioz’ „Trojanern“. Erfurt hat es gewagt – und gewonnen.

          Dass das Ende zugleich der Anfang ist und der Anfang schon das Ende, hat der Regisseur Marc Adam zur Leitidee gemacht: Der martialische Marsch umklammert mit eiserner Faust ein Geschehen, das in eine tief gestaffelte historische Perspektive gestellt ist: von den Schützengräben des Ersten Weltkriegs bis ins zwölfte Jahrhundert und wieder zurück bis zur Reichsgründung. Evoziert wird das durch ein in der Folge der Akte nur wenig modifiziertes zentralperspektivisches Bühnenbild, das in seiner Anlage die legendären Schinkelschen Bühnenbilder zitiert – und durch Kostümwechsel von der Weltkriegsuniform zum Mittelalter-Mummenschanz und zurück bis zur Pickelhaube (Monika Gora). Das ist mit leichter Hand gemacht. Aber die Gleichzeitigkeit verschiedener Zeitschichten signalisiert zugleich Unentrinnbarkeit.

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