http://www.faz.net/-gqz-946jv

NewJazz-Meeting des SWR : Tanze Samba 2.0 mit mir

  • -Aktualisiert am

Genevieve Artadi beim 50. NEWJazz Meeting des SWR: Inmitten einer atonalen Klanglandschaft, voller elektronischer Verwüstungen. Bild: Günther Huesmann

Brutstätte der Unberechenbaren: Die Sängerin Genevieve Artadi macht aus dem fünfzigsten NEWJazz Meeting des SWR eine Stil-Fusion.

          Was wünscht sich ein ambitionierter Jazzmusiker? Ein gesichertes Experimentierfeld, auf dem er, frei von kommerziellen Erwägungen, mit Gleichgesinnten seinen künstlerischen Ideen nachgehen kann. Diese eigentlich utopische Sehnsucht erfüllt seit mittlerweile fünfzig Jahren das SWR NEWJazz-Meeting. Es bietet einen Luxus, den ein working musician im Alltag eigentlich nie erlebt. Im Jahr 1966 vom früheren Jazzpapst und Rundfunk-Redakteur Joachim Ernst Berendt ins Leben gerufen, hat sich das Treffen als innovationshungrige Institution bewährt, wo nicht nur sensibel auf die Herausforderungen der aktuellen Szene reagiert wird, sondern auch sich anbahnende Entwicklungen verstärkt werden: Sensor und Katalysator zugleich.

          Bereits 1969 fanden sich in einem Hörfunkstudio des SWR in Baden-Baden die „Great Black Music!-Verfechter der Chicagoer Free-Jazz-Vereinigung AACM (Association for the Advancement of Creative Musicians) erstmals mit der europäischen Avantgarde zusammen. Auch die Gründung des legendären Globe Unity Orchestra um den Pianisten Alexander von Schlippenbach enthielt hier bereits drei Jahre zuvor ihren entscheidenden Anstoß. Viele Stars der Jazzszene wie Carla Bley, John Surman, Albert Mangelsdorff oder Joachim Kühn konnten hier mit Kollegen langlebige künstlerische Verbindungen entwickeln. Auch jungen, damals noch relativ unbekannten Musikern wie 1982 Bobby McFerrin bot das Festival ein Karrieresprungbrett.

          Was zählt ist das Kollektiv

          Das Rundfunkstudio als konzentriertes Klanglabor, die anschließenden Konzerte als veritable Versuchsanordnungen: Bis heute ist es unberechenbare Brutstätte von Visionen. In Zeiten einer sich rasant globalisierenden Jazzszene, in denen Traditions- und Stilgrenzen unbeschwert übersprungen werden können, finden sich hier seit einigen Jahren internationale Kollektiv-Kombinationen zusammen, an die vorher noch niemand zu denken gewagt hätte.

          In seinem Element: Der brasilianische Gitarrist Pedro Martins, Kurator des Jubiläums-SWR NEWJazz Meetings 2017.

          Die fünfzigste Ausgabe versammelte jetzt ein Ensemble, dessen Mitglieder aus Belo Horizonte, Los Angeles, New York, Brighton und Köln angereist waren. Nach fünf Probentagen im Studio präsentierte das neu gegründete Quintett um den diesjährigen Kurator, den brasilianischen Gitarristen Pedro Martín, seine Ergebnisse in der Mannheimer Alten Feuerwache. Schnell wurde klar, das der sprudelnde kreative Quell kein Ego-Produkt eines Einzelnen ist: Das Kollektiv ist hier alles, der Einzelne erfährt sich erst in den Reibungen und Konflikten der Gemeinschaft.

          Intimität und Komplexität: zwei scheinbare Gegensätze in der Musik, die der hierzulande noch wenig bekannte Martín leichthändig versöhnt. Natürlich erinnern die betörenden Akkord-Rückungen auf seiner Gibson-Les-Paul-Gitarre noch immer an den entspannten Groove seiner brasilianischen Herkunft. Sein wolkig-verhangener Ton verströmt eine sanfte Lässigkeit. „Ich mag keine Musik, die Menschen agitiert, Musik sollte freundlich wirken, das ist mein Konzept.“ Deshalb erzählen Martíns Improvisationen auch Geschichten und versuchen nicht vordergründig durch technische Brillanz zu blenden. Wie atmende Organismen entfalten sich die Stücke.

          Weitere Themen

          Hauptsache, Mensch

          Herbert Grönemeyer im Gespräch : Hauptsache, Mensch

          Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Sänger: Herbert Grönemeyer spricht über sein neues Album „Tumult“, über die Fehler von Mesut Özil und Angela Merkel sowie über vergebliche Anrufe bei dem legendären Produzenten Rick Rubin.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz bei der CDU-Regionalkonferenz in Lübeck vergangenen Donnerstag.

          Friedrich Merz : „Ich verdiene eine Million Euro“

          Was kaum jemand anzweifelte, bestätigt der Blackrock-Deutschland-Aufsichtsratschef und Kandidat um den CDU-Vorsitz nun selbst: Friedrich Merz gehört zu den Großverdienern im Land. Zur Oberschicht will er sich allerdings nicht zählen lassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.