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Neue Musik in Amsterdam : Das Glück ist mit den Furchtlosen

Volles Haus: Der Komponist Reinbert de Leeuw dirigiert sein neues Orchesterstück in der ZaterdagMatinee im Concertgebouw Amsterdam Bild: Hans van der Woerd

Wie kann das sein? Jeden Samstagnachmittag strömen zweitausend Menschen ins Amsterdamer Concertgebouw, um neue Musik zu hören. So etwas gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.

          Warum sind Ausstellungen mit Gegenwartskunst so gut besucht und Konzerte mit Gegenwartsmusik so schlecht? Wieso sind Kunstfreunde grundsätzlich eher neugierig auf das Neue, die klassischen Musikfreunde aber dem Neuen gegenüber entschieden misstrauisch? Warum muss jeder einzelne Hörer trickreich mit „Education“-Programmen für zeitgenössische Musik angeworben werden, aber vis à vis, vor den Museen, stehen die Leute aus freien Stücken Schlange? Dies fragen sich, nicht ohne Neid, Konzertagenten, Festivalintendanten, Musiker und Komponisten überall auf der Welt. Nur Kees Vlaardingerbroek, der fragt sich das nicht.

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

          Vlaardingerbroek hat den Stein des Weisen gefunden. Oder, besser gesagt, er hat ihn vorgefunden, denn der liegt in Amsterdam schon seit mehr als fünfzig Jahren am Museumsplein einfach so herum. Kees Vlaardingerbroek ist ein smarter junger Musikmanager mit offenem Blick, tiefer Fachkenntnis und klaren Gedanken, Rundfunkredakteur und künstlerischer Leiter der jungen Stichting Omroep Muziek (Stiftung Radio Musik), die erst kürzlich gegründet wurde, als Reaktion auf die massiven Sparmaßnahmen der holländischen Regierung. Außerdem ist Vlaardingerbroek verantwortlicher Kurator der legendären Amsterdamer „NTR ZaterdagMatinee“, die es seit 1961 gibt.

          Neue Musik für alle

          Diese wöchentliche Konzertreihe, vorwiegend, wenn auch nicht ausschließlich der Musik der Gegenwart gewidmet, wurde damals erfunden von sozialdemokratischen Rundfunkleuten, die der Meinung waren, die Arbeiter sollten am Wochenende nicht zuallererst in die Kneipe, sondern besser erst mal ins Konzert gehen. Sie sollten freilich keineswegs an die ewigen bildungsbürgerlichen Werte herangeführt werden. Der unsichtbare Untertitel der „ZaterdagMatinee“, damals wie heute, lautet vielmehr, so sagt es mit Stolz Kees Vlaardingerbroek: „Wir spielen hier das, was anderswo nicht gespielt wird!“

          Als Konzertidee hat das offenbar von Anfang an prächtig funktioniert. Als soziales Projekt weniger. Der Name aber erinnert immer noch an diese Anfänge, auch wenn das Wort „Matinee“ nicht mehr ganz zutreffend ist. Um 14 Uhr 15, zur Mittagszeit also, jeden Samstag, wenn die Leute ihren Wochenendeinkauf hinter sich haben und das Wochenende noch vor sich, strömen sie in hellen Haufen zur „ZaterdagMatinee“ ins altehrwürdige Concertgebouw am Museumsplein, direkt vis à vis vom Stedelijk. Die Eintrittspreise sind moderat, sie liegen um 36 Euro. Das Publikum ist gemischt, Senioren sitzen neben Schülern und Studenten.

          Applaus für bellende Hunde

          Gegenüber, im Stedelijk Museum, ist gerade die fulminante Malewitsch-Ausstellung aus- und die Marcel-Wanders-Ausstellung eingezogen. Hier, im Concertgebouw, kann man an diesem Samstag, dem 2. Februar, zum ersten Mal das neueste Orchesterstück eines großen niederländischen Meisters hören, der gerade fünfundsiebzig Jahre jung geworden ist: Reinbert de Leeuw, Komponist und Dirigent, Gründer des Asko-Ensembles.

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