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Nachruf auf Peter Herbolzheimer : Schwergewichtsklasse des Jazz

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Der Jazzmusiker und Posaunist Peter Herbolzheimer, geboren am 31. Dezember 1935, ist am 27. März 2010 in Köln gestorben Bild: dpa

Er war einer der besten Jazzpädagogen, die es in Deutschland je gab. Der Big Band galt seine große Liebe. Als Posaunist, Arrangeur und Komponist prägte er viele Orchester. Spielwitz und Lust am musikalischen Palaver zeichneten ihn aus. Jetzt ist Peter Herbolzheimer im Alter von 74 Jahren gestorben.

          „Danke, Lehrer.“ Zwei lakonische Worte des erfolgreichen Jazztrompeters Till Brönner drücken aus, was das größte Verdienst von Peter Herbolzheimer gewesen ist: Er war einer der besten Jazzpädagogen, die es je in Deutschland gab. Ende 1987 übernahm er die Leitung des neugegründeten Bundesjugendjazzorchesters (Bujazzo), das er fast zwanzig Jahre führte und bei vielen Auslandstourneen begleitete.

          Als Durchlauferhitzer ist die Big Band einmal bezeichnet worden, was ihre Funktion für den begabten Jazznachwuchs hierzulande auf den Punkt bringt. Etwa alle zwei Jahre erneuert sich die Besetzung des Orchesters. Wer geht, hat viel gelernt, selbst etwas zum Glanz des Orchesters beigetragen und befindet sich auf dem Sprung zur Solistenkarriere.

          Annähernd fünfhundert jungen Musiker hat Herbolzheimer den letzten Schliff verpasst. Mit den besten von ihnen ließe sich eine Big Band gründen, die jeder Konkurrenz Paroli bieten könnte: mit Till Brönner, Roger Cicero, Christopher Dell, Hubert Nuss, Axel Schlosser, Marc Secara, Peter Weniger, Martin Wind, Nils Wogram, Michael Wollny und sicherlich noch zwei Dutzend anderen mittlerweile international renommierten Jazzmusikern.

          Elefanten zum Tanzen bringen

          Big-Band-Jazz war Peter Herbolzheimers große Liebe. Bevor er das Bujazzo übernahm, war er schon für viele Jazzorchester als Posaunist, Arrangeur und Komponist tätig gewesen, unter anderem für Bert Kaempfert, Kurt Edelhagen und Udo Lindenbergs Panik-Orchester. 1969 gründete er die „Rhythm Combination & Brass“, eine mit zwei Keyboards, sieben Blechbläsern, einem Holzbläser und Rhythmusgruppe unkonventionell besetzte Big Band, die eine der erfolgreichsten Jazzrock-Formationen gewesen ist.

          Mit ihr trat er häufig bei populären Fernsehsendungen auf – „Bio’s Bahnhof“ etwa. Was die Band immer auszeichnete, hat ein englischer Journalist anschaulich beschrieben: Die Rhythmusgruppe der Band könne Elefanten zum Tanzen bringen. Es gibt aber noch einen anderen Erfolgsgrund: Es ist immer anspruchsvolle Musik gewesen, die Herbolzheimers Bands zu bieten hatten, doch der Anspruch wurde nicht auf einem silbernen Tablett serviert. Spielwitz und Lust am musikalischen Palaver haben jeden Anflug von avantgardistischem Bierernst stets vertrieben.

          Peter Herbolzheimer stammte aus Bukarest, kam als Halbwüchsiger 1951 in die Bundesrepublik, wo er sich allerdings nicht lange aufhielt, sondern nach Amerika weiterreiste und in Detroit auch seinen Schulabschluss machte. Ein paar Jahre später kam er zurück, studierte Musik und wechselte – mit vierundzwanzig Jahren – von der Gitarre zur Posaune. Er ist vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem 1997 mit dem Frankfurter Musikpreis, und hat mit großen Jazzmusikern zusammen gespielt, mit Nancy Wilson, Gerry Mulligan, Stan Getz, Nat Adderley, Art Farmer, Al Jarreau, Eartha Kitt, Clark Terry, Gary Burton, Dianne Reeves und zahllosen europäischen Künstlern. Herbolzheimer schrieb auch die Filmmusik zu Ulrich Schamonis „Traumhaus“ und Helmut Dietls „Schtonk“ sowie vielen Fernsehproduktionen. Am vergangenen Freitag ist er in Köln im Alter von vierundsiebzig Jahren gestorben.

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