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Montag, 13. Februar 2012
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Nach der Entscheidung Schatten über Bayreuth

02.09.2008 ·  Ausgerechnet in dem Moment, da die Bayreuther Festspiele in das Eigentum der öffentlichen Hand übergehen, ist ein Leitungsteam aus dem Kreis der Nachkommen des Gründers eingesetzt worden, dem noch nicht einmal die Mehrheitsmeinung der Familie die Aufgabe zutraut.

Von Patrick Bahners
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Die Bayreuther Festspiele werden künftig eine Leiterin haben, die zugesichert hat, dass sie „gegen eine komplette Vergeistigung“ der Musikdramen Richard Wagners sei. Im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ erläuterte Katharina Wagner: „Natürlich kann man bei Wagner viel und hochkompetent philosophieren. Aber man muss auch immer sehen: Was lässt sich davon auf die Bühne bringen? Geistiges Geschwafel passt da nicht hin.“

Die für den Stiftungsrat maßgeblichen Herren haben gelegentlich angedeutet, dass Nike Wagner für Bayreuth zu intellektuell und beim Kunstfest in Weimar sehr gut aufgehoben sei. Es stimmt aber nicht, dass die Tochter Wieland Wagners auf alle Bühnenbilder verzichten und die festlichen Aufführungen durch Lesungen ersetzen wollte. Hätten die Minister in München und Berlin ästhetischen Sachverstand gezeigt oder konsultiert, hätte das Zerrbild vom verkopften Kulturtouristenschreck Nike Wagner ihnen keinen Eindruck machen können.

Der Bierzimmerdunst der Intrige

Die Abkömmlinge Richard Wagners haben von ihrem Recht keinen Gebrauch gemacht, ein Familienmitglied als Festspielleiter vorzuschlagen. Der Stiftungsrat konnte frei entscheiden und hatte die Namen der Bewerber nicht zu berücksichtigen, sondern nur ihre Fähigkeiten und Ideen. Man hat den Rat der Intendantenkommission nicht eingeholt, deren Einberufung die Satzung bei Zweifeln an Bewerbern aus der Familie vorschreibt. Offenkundig glaubten die Politiker, die Sache ohne Eintritt in eine Debatte über die Zukunft der Festspiele nach den für den öffentlichen Dienst verbindlichen Kriterien von Eignung und Leistung entscheiden zu können.

Bayreuth ist kein Privatunternehmen mehr: Gérard Mortier, Bewerber um die Festspielleitung, kritisiert das Auswahlverfahren und rät seiner Konkurrentin Katharina Wagner, noch ein paar Jahre zu warten.

In dieser Abwägung hat Katharina Wagner den Vorzug vor Nike Wagner erhalten und Eva Wagner-Pasquier vor Gérard Mortier, dem Intendanten der Pariser Oper und früheren Chef der Salzburger Festspiele. Ausgerechnet in dem Moment, da die Festspiele in das Eigentum der öffentlichen Hand übergehen, ist ein Leitungsteam aus dem Kreis der Nachkommen des Gründers eingesetzt worden, dem noch nicht einmal die Mehrheitsmeinung der Familie die Aufgabe zutraut. Zu Recht wundert sich Mortier darüber, dass eine öffentliche Ausschreibung nicht stattfand. Der Bierzimmerdunst der erfolgreichen Intrige liegt als Schatten auf dem Neuanfang nach 57 Jahren Wolfgang Wagner. Es gilt das Wort Katharina Wagners: „Bayreuth hat sich immer auch durch eine gewisse Provinzialität ausgezeichnet.“

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