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Musik : Ist Ihre Geige erkältet?

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Was versprechen Sie sich von Ihrem "Mozart Project", von einem Jahr nur mit Mozart?

Es wird kein Jahr nur mit Mozart. Das will ich Mozart nicht antun und mir auch nicht. Die Musik ist so rein, so engelhaft. Ich muß auch andere Musik spielen, um frisch zu bleiben, um die Spannung zu halten.

Gibt es Momente bei langen Tourneen, in denen die Musik durch die Begleitumstände nicht mehr Lust, sondern nur noch Last ist? In denen die Konzentration aussetzt und man den "Autopiloten" einschaltet?

Das sind Sekunden, die kein Musiker ausschließen kann. Das hängt nicht unbedingt von langen Flügen oder Müdigkeit ab, obwohl man darauf achten muß, genug zu schlafen und gesund zu leben. Es ist schwierig, um Punkt acht immer aufs höchste konzentriert zu sein. Der "automatic pilot" wird selten gebraucht, aber es ist beruhigend zu wissen, daß es ihn gibt.

Was machen Sie, wenn Sie mal aussteigen?

Ist mir zum Glück noch nie passiert.

Und wenn ein Fehler passiert?

Liszt hat einmal über Anton Rubinstein gesagt: "Er hat nichts gegen ungebetene Gäste." Nichts also gegen falsche Noten. Man darf sich nicht beirren lassen.

Wer so lange im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht oder idolisiert wird, muß der nicht zwangsläufig zum Schauspieler werden?

Ich fürchte, daß man sich selbst nicht so genau analysieren kann. Bin ich oder spiele ich, Gott, wer sieht da immer den Unterschied. Ich halte meine Lebensweise für authentisch. Ich lebe zurückgezogen. Daß ich ungern über das Private spreche, ist eine Tatsache, von der ich möchte, daß sie respektiert wird. Für die Öffentlichkeit möchte ich nur durch meine künstlerische Arbeit interessant sein oder durch meine karitative Arbeit Anstoß geben.

Darf ich Sie mit einem Kommentar konfrontieren? "Die junge Dame, die da sicher und souverän auf der Überholspur des Erfolges vorankam, braucht ein wenig Sand in der Feinmechanik ihrer Psyche, um in der Musik alle menschlichen Spuren aufzudecken und im Menschen die musikalischen Seiten wachzurufen." Was empfinden Sie, wenn Sie so etwas lesen?

Das soll ich sein? Ich finde mich darin nicht wieder. Mich interessiert nur, so gut zu sein, wie ich sein kann. Nicht so gut wie Oistrach oder Heifetz. So gut, wie es mir möglich ist. Und ich weiß, wie ich gespielt oder ob ich gut gespielt habe.

Sie spielen sehr viele neue Werke, aber nicht immer das, was als "modern" bezeichnet wird. Stört es Sie, wenn etwa das Konzert, das Ihr Mann Andre Previn für Sie komponiert hat, als "konventionell" bezeichnet wird oder das von Korngold als old-fashioned?

Das ist eine Kritikerfrage, kein Musikerproblem. Komponisten schreiben zunächst für das Publikum, jedenfalls die meisten. Korngold, zu Beginn von der Zwölftontechnik fasziniert, hat immer seine Musik geschrieben, und selbst in Hollywood war, wie Previn über ihn gesagt hat, "immer Wien um die Ecke". Sein Konzert mag aus vielen schönen Stellen aneinandergeklebt sein: Es ist phantastisch, klangschön und irrsinnig virtuos.

Was sich kein Geiger entgehen läßt. Sie haben gesagt, daß Sie gern Paganini wären. Warum? Fasziniert Sie der "Galvanismus" des Verführers, von dem Heinrich Heine gesprochen hat?

Die Wirkung auf die Hörer. Die Magie, daß man für den Teufel gehalten wird. Er hat das Geigenspiel vorangebracht, auf einzigartige Weise. Natürlich möchte jeder Geiger als Virtuose gefordert werden.

Und wenn die Herausforderungen durch ein modernes Stück unannehmbar sind? Haben Sie bei Auftragswerken von Penderecki, Lutoslawski oder Rihm mitgearbeitet - an der Artikulation, an der Phrasierung? Oder haben Sie sich beispielsweise von Rihm in "Gesungene Zeiten" die ganz exponierten hohen Lagen gewünscht?

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