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Martin Hoffmann im F.A.Z.-Gespräch Die Exzellenz der Philharmoniker bewahren

19.06.2009 ·  Bislang war Martin Hoffmann für Shows wie „Bauer sucht Frau“ zuständig. Jetzt haben die Berliner Philharmoniker in ihm ihren neuen Intendanten gefunden. Wie kam es dazu? Was wird anders? Ein Gespräch.

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Er spielt auch Geige. Bislang war Martin Hoffmann für Shows wie „Bauer sucht Frau“ zuständig. Jetzt haben die Berliner Philharmoniker in ihm ihren neuen Intendanten gefunden. Wie kam es dazu? Was wird anders? Ein Gespräch.

Herr Hoffmann, können Sie eigentlich Noten lesen?

(Lacht.) Vielleicht wundert es Sie, aber: ja. Ich habe in meiner Jugend bis zu meinem Studium Geigenunterricht erhalten und bin dann aber zu der eindeutigen und unausweichlichen Erkenntnis gelangt, dass ich eher eine Berufung als Jurist habe denn die eines Musikers.

Ihre Berufung überrascht. Sie waren Geschäftsführer von Sat.1, sind Vorstandschef der MME Moviement AG, die Shows und Serien produziert, von „Richterin Barbara Salesch“ über „Bauer sucht Frau“ bis zum „Polizeiruf 110“. Wie kam es zu dem Angebot, Intendant der Berliner Philharmoniker zu werden?

Es gibt ein geregeltes Verfahren der Gremien der Stiftung Berliner Philharmoniker. Initiativ angesprochen hat mich die Findungskommission, mit deren Mitgliedern ich intensiv und ausführlich gesprochen habe und die mich für diese Funktion vorgeschlagen haben.

Also eine Castingshow ohne Kameras.

Diese Terminologie passt gar nicht.

Welche Vorstellung hat die Findungskommission, worin sehen Sie Ihre Aufgabe als Intendant der Philharmoniker?

Es ist eine Managementposition. Die Findungskommission ist sicherlich der Überzeugung, dass dieses musikalisch-künstlerisch in der ganzen Welt herausragende, in der deutschen Kulturlandschaft einzigartige Orchester auch von jemandem unterstützt werden kann, der in ganz unterschiedlichen Positionen Erfahrungen als Manager gesammelt hat und seine Medienkenntnis einbringen kann. Und ich kann auf der wunderbaren Arbeit von Pamela Rosenberg aufbauen.

Es geht, laut Presseerklärung, angeblich darum, das Orchester neu zu positionieren. Ist das denn nötig?

Ich bitte Sie zu verstehen, dass ich aus Respekt vor dem Orchester und vor der Aufgabe zu diesem Zeitpunkt hierzu nichts sagen kann und möchte. Ich werde mit Sir Simon Rattle, dem Orchester und seinen Gremien den Weg für die Zukunft gemeinsam definieren, das ist mir ganz wichtig. So habe ich es bei meinen bisherigen beruflichen Etappen auch gehalten. Und bitte bedenken Sie, dass ich mein Amt erst im September 2010 antreten werde.

Braucht es für ein Orchester wie die Berliner Philharmoniker neue Kooperationen, etwa bei der Vermarktung?

Das kann ein Thema sein - für gemeinsame Überlegungen darüber, wie sich ein Spitzenorchester wie die Berliner Philharmoniker in einer sich stetig verändernden Medienwelt präsentiert, die auch neue Anforderungen an die Verbreitung der Inhalte stellt. Und hier haben die Berliner Philharmoniker schon einzigartige Standards gesetzt. Denken Sie an die neu errichtete, vorbildliche und innovative Digital Concert Hall.

Sehen Sie Grenzen der Popularisierung, die man nicht überschreiten darf? Es gibt Beispiele - wie Lang Lang oder Anna Netrebko -, die zeigen, dass eine Powervermarktung den Musikern am Ende eher schadet.

Das Orchester liegt an der Spitze der Welt, Popularisierung ist daher die falsche Vokabel. Seine einmalige Position, seine Exzellenz und Akzeptanz ist über jeden Zweifel erhaben. Und die Philharmoniker haben mit Sir Simon Rattle und dem Education Zukunft @BPhil ganz neue und junge Zuschauer für Musik begeistert.

Müssen die Berliner Philharmoniker ihre Präsenz in den Medien steigern?

Meine Erfahrung in den Medien ist bei dieser Frage sicherlich nicht von Schaden. Aber auch das wollen wir gemeinsam planen und regeln.

Die Fragen stellten Julia Spinola und Michael Hanfeld.

Quelle: F.A.Z.
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