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Kunstfest in Weimar : Stehender Kranich im Frauenbataillon

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Eine Tänzerin bei der Deutschlandpremiere des Tanzstückes „Red“ der Living Dance Studios. Bild: Thomas Müller

Von Yenan nach Jena: Das Kunstfest Weimar dekonstruiert mit Tänzerinnen aus China das Ballett von Maos Kulturrevolution. Die vier Frauen schaffen dabei monumentale Bilder.

          Zum hundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution ging das Kunstfest Weimar mit Filmen, Inszenierungen und Lesungen in diesem Jahr auf Spurensuche nach dem Kommunismus. Dabei geriet die deutsche Erstaufführung von Wen Huis Ballett „Red“ in der Nachbarstadt Jena gewiss zu einem der Höhepunkte. Die Uraufführung hatte Weihnachten 2015 in Schanghai stattgefunden. Produziert mit Unterstützung des Goethe-Instituts Peking, bot das 1994 als erste unabhängige Compagnie gegründete Living Dance Studio eine faszinierende Auseinandersetzung mit dem Ballett „Das rote Frauenbataillon“, das während der chinesischen Kulturrevolution zu den acht Modellstücken gehörte, die Maos letzte Ehefrau Jiang Qing, früher selbst Schauspielerin, ausgesucht hatte (sie hat nach damaliger, offiziell-deutscher Übersetzung, gewiss der historischen Größe entsprechend, vielleicht zugleich auf den Ballettbegriff anspielend, von „Roter Frauenkompanie“ gesprochen). Mao hatte in seiner Yenan-Rede über Kunst 1942 dekretiert, man wolle die besten Traditionen „Chinas und des Auslands übernehmen“ und sie „in den Dienst der Volksmassen stellen“. So blieben der chinesischen Revolution die Ballett-Liquidierungphantasien fremd, wie es sie in Russland nach der Oktoberrevolution gegeben hatte.

          Frauen waren an der chinesischen Revolution beteiligt. Ob es nun an den Rekrutierungsproblemen für Partisaneneinheiten, über die in Moskau die „Prawda“ im April 1930 berichtete, oder an emanzipatorischen Idealen lag, jedenfalls beschlossen die chinesischen Kommunisten Anfang 1930, dass Frauen zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Jahren ihrer Roten Armee beitreten durften; gebundene Füße waren kein Hindernis, wenn sie zum Beitritt aufgebunden wurden. Die Fraueneinheit kämpfte, bis sie Ende 1932 nach schweren Verlusten aufgelöst wurde. Ab 1961 wurde die Geschichte eines Bauernmädchens in Ketten, das aus seiner Versklavung flieht und sich den Kämpfern anschließt, mit dem Film „Das rote Frauenbataillon“ propagiert, das gleichnamige Ballett wurde 1964 uraufgeführt, 1971 wurde auch das heroische Ballett verfilmt – und einst auch im Westen herumgereicht, bis zur Kasseler Documenta.

          Monumentale Bilder einer „dokumentarischen Performance“

          Um all das zu dekonstruieren, reichten im Jenaer Theaterhaus vier Tänzerinnen, vier Stühle am Bühnenrand und zwei Vorhänge im Hintergrund. Wenn das Publikum den Saal betritt, stehen vor dem roten Samtvorhang, auf den eine heroische Kampfzeichnung projiziert wird, bereits in einer Linie vier exerzierende Tänzerinnen. Jede übt Auftaktbewegungen, die das „Frauenbataillon“-Ballett zitieren oder die Beziehung der Tänzerin zu diesem ausdrücken. Während die eine von der Last der Geschichte geradezu erdrückt wirkt, reckt eine andere immer wieder die geballte Faust empor. Das ist die Tänzerin Liu Zhuying, die noch in den siebziger Jahren das maoistische Ballett getanzt hat. Irgendwann gegen Ende der „dokumentarischen Performance“ ist sie es, die von der erst 1988 geborenen Li Xinmin geschultert und – dabei in athletischer Körperspannung mit geballter Faust steif immer noch dem Publikum zugewandt – wie ein gestürztes Denkmal von der Bühne getragen wird; eines der großartigen Bilder dieser Aufführung, die sich einprägen.

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