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Klassiker des Balletts in Wien : Der Tanz humanoider Roboter

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Schon silikonbasiert? Wayne McGregors „Eden/Eden“. Die Angst vor der Zukunft bleibt auch im Ballett ein Thema. Bild: © Wiener Staatsballett / Ashley Taylor

Gibt es moderne Ballett-Klassiker, die nie vom Spielplan verschwinden sollten? Und, wenn ja, wie viele? Ein ausgesprochen britischer Abend am Wiener Staatsopernballett gibt Aufschluss.

          Anders als man annehmen könnte, wenn man die Schlagzahl der Musiktheaterpremieren betrachtet, halten auch die Opernspielpläne Inszenierungen vor, die älter als vierzig Jahre sind. Allein diese Inszenierungen sind oder waren bis vor kurzem an deutschen und europäischen Theatern zu sehen: Jean-Pierre Ponnelles „La Cenerentola“ (Premiere Düsseldorf 1974), „Der Barbier von Sevilla“ und „Tristan und Isolde“, inszeniert 1968 in Berlin beziehungsweise 1988 in Hamburg, beide von Ruth Berghaus, August Everdings Münchner Zauberflöten-Inszenierung von 1978 sowie seine spätere Berliner Inszenierung von 1994; in Covent Garden lief bis 2015 John Copleys vier Jahrzehnte alte „La Bohème“, und auf immerhin 33 Jahre seit der Premiere brachte es Götz Friedrichs „Der Ring des Nibelungen“ an der Deutschen Oper Berlin.

          Das heißt, ziemlich versteckt und nur an den größten Häusern gilt auch im Musiktheater, dass es Inszenierungen gibt, die so großartig ins Herz des Werkes treffen und so meisterhaft gemacht sind, dass sogar das sich selbst fressende Opernpremierenmonster Beißhemmungen hat.

          Einige Inszenierungen verschwinden nie

          Ist das nicht gut so? Ist es nicht schade, dass das Schauspiel diese Art von argumentativ und durch Kassensturz erhärtete Sentimentalität nicht kennt? Denn, so gewohnt wir sind, zweidimensional zu konsumieren, ist doch das Leben keine Mediathek, und das Erlebnis, mit den Musizierenden in einem Raum zu sein, geht unendlich viel tiefer als jedes Screening.

          Im Tanz, der deswegen oft belächelt wird, ist es unstrittig, dass es Inszenierungen gibt, die schwer zu übertreffen wären oder die selbst dann nicht von den Spielplänen verschwinden, wenn es prominente neuere gibt. Frederick Ashtons „La fille mal gardée“ ist ein Beispiel, sein und George Balanchines „Sommernachtstraum“. Das einzige Problem, das dann unter Umständen schwer wiegt, sind neue Besetzungen, die dem Vergleich zu ihren Vorgängern nicht standhalten. Ein extremes Beispiel dieser Gattung von Balletten hatte jetzt in Wien in neuer Besetzung Premiere.

          Das beste Paar der Balletgeschichte

          Manuel Legris, Etoile der Pariser Oper und Ballettdirektor der Wiener Staatsoper seit sieben Jahren, wählte für seine Solisten, den gerade einundzwanzigjährigen Österreicher Jakob Feyferlik und die Moskauerin Liudmila Konovalova, Frederick Ashtons „Marguerite and Armand“. Ashton hatte sein Ballett, das den Stoff der Kameliendame in fünf hinreißenden Pas de deux fasst, 1963 für seine Lieblingstänzerin Margot Fonteyn und den ein Jahr zuvor in den Westen geflüchteten Rudolf Nurejew geschaffen.

          Fonteyn war dreiundvierzig Jahre alt, Nurejew vierundzwanzig, und die beiden hatten eben entdeckt, dass sie als Paar besser zusammen tanzten als je ein anderes Paar der Ballettgeschichte. Als Albrecht und Giselle hatten sie erste stürmische Erfolge gefeiert. Und so warfen sie sich mit Ashton in die Kreation um die traurige Liebe zwischen der tödlich erkrankten Kurtisane und ihrem jungen Geliebten wie in einen ästhetischen Glückstaumel.

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