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Katharina Wagner flieht Argentinien Aus Bayreuth kommt keine Schützenhilfe mehr

 ·  Sie kam, sah - und flog gleich wieder ab: Katharina Wagner wirft den geplanten Kompakt-„Ring“ am Teatro Colón in Buenos Aires hin. So gewinnt sie auch mehr Zeit für ihre „Audi“-Gala.

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© dapd Ganz Ohr im Ohrensessel: Katharina Wagner

Sie war am Teatro Colón in Buenos Aires schon sehnlichst erwartet worden. Als Regisseurin sollte Katharina Wagner mit den Proben zu dem von sechzehn auf sieben Stunden eingedampften „Ring des Nibelungen“ beginnen. Und sie kam auch; nach einem dreizehnstündigen Flug aus Deutschland begab sie sich offenbar sogleich ins Colón.

Dort nahm die Wagner-Urenkelin die bisher fertiggestellte Ausstattung in Augenschein, bemängelte deren Qualität und stellte fest, dass sie damit nicht arbeiten könne. Außerdem fehlten vier oder fünf der verpflichteten Sänger. Noch am selben Tag ließ sich Katharina zum internationalen Flughafen Ezeiza chauffieren und flog mit der Maschine, mit der sie am Morgen gekommen war, am frühen Abend nach Deutschland zurück.

Der von allerlei Widrigkeiten begleitete Colón-„Ring“ schien damit zunächst endgültig gestorben. Die vier ursprünglich vorgesehenen Aufführungen waren, vermutlich wegen mangelnden Publikumsinteresses, zuvor schon auf zwei reduziert worden. Auf Anfrage kam von der Opernbühne indes die lapidare Mitteilung, auf jeden Fall werde die Premiere wie geplant am 27. November „ohne jedes Hindernis“ stattfinden.

Dirigentenwechsel mit Pointe

So wird es wahrscheinlich auch sein. Ein Ersatzregisseur für Katharina Wagner ist angeblich schon gefunden. Allerdings hatte es auch mit dem Dirigenten neuen Ärger gegeben. Julien Salemkour hatte sich abfällig über die Arbeitsbedingungen am Teatro Colón geäußert und offenbar auch sonst durch sein Verhalten derart Aufsehen erregt, dass er durch den österreichischen Dirigenten Roberto Paternostro ersetzt wurde.

Die Pointe dabei: Paternostro war schon einmal für den Colón-„Ring“ kurzfristig als Ersatz für Salemkour engagiert worden. Weil aber auch er sich angeblich nicht mit Kritik an den Zuständen am Teatro Colón zurückhielt, war der jetzt wohl endgültig abservierte Salemkour abermals engagiert worden.

Wie hat es überhaupt sechs Wochen vor der Premiere zu dem Eklat kommen können? Offenbar gab es Missverständnisse auf allen Seiten. Sowohl das Teatro Colón als auch Katharina Wagner hatten unterschiedliche Vorstellungen von dem ehrgeizigen Projekt, Richard Wagners Tetralogie an nur einem Tag in der kuriosen Version des Pianisten und Arrangeurs Cord Garben herauszubringen.

Man ließ die Dinge einfach laufen

Es heißt, dass man über Ausstattung, Probenbedingungen und viele andere Details nicht rechtzeitig geredet habe, sondern die Dinge einfach laufen ließ. Auch sei Katharina Wagner von argentinischer Seite über die Verhältnisse am Colón unzulänglich beraten worden.

Das Teatro Colón will nun auf Biegen und Brechen, auch ohne Schützenhilfe aus Bayreuth, seinen Kompakt-„Ring“ herausbringen. Mit dem Ausscheiden Katharina Wagners und dem Wechsel am Dirigentenpult ist das Konfliktpotential allerdings noch lange nicht ausgeschöpft. Das Orchester etwa ist bisher noch gar nicht gefragt worden, wie es die sieben Stunden Dienst an Wagner bewältigen will. Katharina Wagner mag nicht unglücklich, vielleicht sogar erleichtert darüber sein, dass sie den Job in Buenos Aires hat hinwerfen können. Sie hat schon längst für November ein anderes, möglicherweise lukrativeres Projekt an der Angel.

Am 11.November soll sie in Ingolstadt „50 Jahre Kultur bei Audi“ inszenieren. Das wäre, wenn sie sich weiterhin dem Colón-„Ring“ hätte widmen müssen, mitten in die Probenzeit gefallen. Da sie diese Last nun los ist, kann sie sich voll der Aufgabe widmen, zusammen mit hundertfünfzig Künstlern „zum ersten Mal Kunst im faszinierenden Technik-Ambiente“ - nämlich im Presswerk N58 des Autounternehmens - „erlebbar“ zu machen.

„Als Audi mich bat, ein Jubiläumsprogramm zu inszenieren, habe ich keine Sekunde gezögert“, teilte sie dem wichtigen Bayreuth-Sponsor voller Freude mit. „Denn selten genug hat man die Gelegenheit, mit Künstlern aus allen Bereichen in solch ungewöhnlicher Umgebung zu arbeiten.“ Ein ehrliches Bekenntnis: Eine Werkshalle ist für sie offenbar eine weit gedeihlichere Umgebung für die Kunst als die Schlangengrube eines Opernhauses.

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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in Buenos Aires.

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