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Veröffentlicht: 04.08.2006, 14:33 Uhr

Julia Fischer Deutschlands jüngste Professorin

Mit neun Jahren begann sie ihr Violinstudium, mit zwölf spielte sie im Duett mit Yehudi Menuhin und bewältigte mit einundzwanzig die wohl schwersten Solosonaten der Welt. Jetzt ist Julia Fischer dreiundzwanzig - und die jüngste Professorin Deutschlands.

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© Beherrscht nicht nur ihre Geige: Julia Fischer

Man mache zuviel Aufhebens vom Alter, sagte die Geigerin Julia Fischer in einem Interview auf die Frage, ob sie für die Besteigung des Mount Everest der Musik, Bachs Solosonaten und Partiten für Violine, die sie mit einundzwanzig Jahren aufgenommen hat, nicht doch noch etwas zu jung gewesen sei. Immerhin haben große Geiger wie Isaac Stern ihr Leben lang einen Bogen um diese extrem schwierigen, viel künstlerische Erfahrung und Reife erfordernden Werke gemacht. Julia Fischer ist mit den Stücken freilich groß geworden, ihre Ausbildung wurde ganz auf Bach konzentriert, und mit vierzehn Jahren hatte sie die Solowerke alle schon studiert.

Nun ist die Münchner Geigerin dreiundzwanzig Jahre alt und gehört bereits zu den herausragenden, weltweit gefragten Solisten auf ihrem Instrument. Wenn sie in zwei Monaten ihren qualifizierten Nebenjob als dann wohl jüngste Professorin Deutschlands an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Frankfurt am Main antritt, wird man sie möglicherweise wieder fragen, ob sie dafür denn alt und reif genug sei. Und ebenso selbstsicher wird vermutlich ihre Antwort ausfallen: Sie sei die Tochter einer Klavierpädagogin, habe schon oft bei ihrer Mutter zugehört, sie sogar im Unterricht gelegentlich vertreten, so daß sie schon über entsprechende Erfahrung als Lehrerin verfüge.

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Allgemeinbildung schadet nicht

Julia Fischer ist eine bemerkenswerte Künstlerin, bei der wohl außergewöhnliches Talent in einem idealen Umfeld optimale Förderung erhalten hat. Im Vorschulalter wußte sie schon, daß sie Musikerin werden wollte, mit drei begann sie nach der Suzuki-Methode Geige zu lernen, wenig später kam Klavierunterricht hinzu, mit neun Jahren wurde sie als Studentin von Ana Chumachenko an der Musikhochschule in München aufgenommen. Zwölf Jahre war sie, als sie den Yehudi-Menuhin-Wettbewerb gewann, und ebenso alt, als sie erstmals das Violinkonzert von Beethoven gemeinsam mit Menuhin öffentlich spielte. Mit neunzehn schließlich gab sie ihr Carnegie-Hall-Debüt in New York, sozusagen der offizielle Startschuß zur Weltkarriere.

Ihre Mutter Viera Fischer, in ihrer slowakischen Heimatstadt Kosice und an der Musikakademie in Prag zur Pianistin ausgebildet, war klug genug, nicht den Fehler anderer ehrgeiziger Eltern genialer Kinder zu begehen - man denke etwa an den Fall der Geigerin Midori oder jenen des Pianisten Lazar Berman - und ihre Tochter unter einer musikalischen Glasglocke zum Virtuosen zu drillen. So machte Julia Fischer neben dem profunden Geigen- und Klavierunterricht an der Münchner Musikhochschule noch ihr Abitur an einem herkömmlichen mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium. Das Argument der Mutter: damit ihre Tochter auch etwas anderes anfangen könne, falls es mit der Musik nichts würde. Nun ist es doch etwas mit der Musik geworden, was bald wieder zu hören sein wird beim Interpretenporträt der Alten Oper Frankfurt. Die Allgemeinbildung aber wird der Karriere von Julia Fischer sicher nicht schaden.

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