http://www.faz.net/-gqz-874zh

Missklänge um Iran : Israel kritisiert Daniel Barenboim

  • Aktualisiert am

Wird in Israel misstrauisch beäugt: Daniel Barenboim Bild: dpa

Die israelische Kulturministerin Miri Regev fordert die Bundesregierung dazu auf, einen angeblich geplanten Auftritt des Dirigent Daniel Barenboim in Iran zu verhindern.

          In Israel sieht man nach der Einigung über das Atomabkommen mit Iran nun auch kulturell die letzten Dämme brechen. Am gestrigen Mittwoch forderte die israelische Kulturministerin Miri Regev die deutsche Bundeskanzlerin auf, zu verhindern, dass der Dirigent Daniel Barenboim mit der Berliner Staatskapelle in Teheran auftritt. Ein solches Konzert, schreibt Regev auf Facebook, schade den Bemühungen Israels, das Atomabkommen mit Iran zu verhindern, und spiele den Gegnern ihres Landes in die Hände, zu denen die Ministerin auch Barenboim zählt. Der in Argentinien geborene Dirigent wuchs in Israel auf und besitzt dessen Staatsbürgerschaft, setzt sich aber für einen Ausgleich mit den Palästinensern ein. Die israelische Zeitung „Jediot Ahronot“ war zuvor noch einen Schritt weiter gegangen: Sie spekulierte darüber, ob die Bundeskanzlerin selbst nach Iran fahren wolle und erwäge, Barenboim und seine Staatskapelle zu der Reise einzuladen. Es sei eine Schande, dass Angela Merkel darüber nachdenke, „einen Israel-Hasser mitzubringen, nur um noch ein paar Punkte bei den iranischen Händlern zu gewinnen“.

          Für die angeblichen Reisepläne gibt es jedoch keine offizielle Bestätigung. Nur Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gab zu Wochenbeginn bekannt, dass er – ohne musikalische Begleitung – im Oktober nach Teheran fliegen werde. Die Staatskapelle nahm zunächst keine Stellung. Dafür gab es zwei andere Dementis: Ein Vertreter des iranischen Kulturministeriums hatte laut Agenturberichten von Verhandlungen mit den Wiener Philharmonikern gesprochen, die Anfang September während eines Besuchs des österreichischen Staatspräsidenten Heinz Fischer in Teheran auftreten könnten, und er erwähnte auch ähnliche Gespräche mit den Berliner Philharmonikern. Beide Orchester wiesen diese Berichte zurück.

          Quelle: hcr./F.A.Z.

          Weitere Themen

          Kündigt Trump das Atomabkommen? Video-Seite öffnen

          Iran-Strategie : Kündigt Trump das Atomabkommen?

          Donald Trump unterrichtet den Kongress am Nachmittag über seine Iran-Pläne. Amerikanische Medien spekulieren, dass der Präsident dem Atomabkommen die Zertifizierung verweigern könnte.

          Topmeldungen

          Krise in Katalonien : Mit harter Hand gegen die Separatisten

          Madrid greift in Katalonien härter als erwartet durch, aus Protest gehen viele Katalanen auf die Straße. Regionalpräsident Puigdemont, der entmachtet werden soll, will sich noch am Samstagabend erklären.
          Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

          Mayers Weltwirtschaft : Griechenlands Bankrott

          Es ist nicht zu erwarten, dass Griechenland seine Schulden jemals zurückzahlen wird. Europa muss aufhören, sich etwas vorzumachen.

          Parlamentswahl in Tschechien : Populist Babis klarer Sieger

          Nichts scheint Andrej Babis aufzuhalten. Trotz zahlreicher Affären gewinnt der umstrittene Milliardär die Wahl in Tschechien klar. Wohin steuert der „tschechische Donald Trump“ das Land in der Mitte Europas nun?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.