13.10.2007 · Harald Schmidt drängt es auf die Bühne, um zu zeigen, dass er immer noch der King rockender Satire ist. Im Stuttgarter Schauspielhaus erinnert er an Elvis' Tod im Deutschen Herbst und zeigt eine persönlich-sentimental, kabarettistisch und lokalhistorisch getönte Late-Night-Show.
Von Martin HalterFreitagabend. Ein ehrgeiziger „Nachwuchsschauspieler des Jahres“ kann nicht damit zufrieden sein, mit fünfzig zum Ehrenpaten der Augsburger Puppenkiste ernannt zu werden. Es drängt ihn auf die große Bühne, zu zeigen, dass er trotz aller Kreativpausen immer noch der King rockender Satire ist.
Harald Schmidt hat in Bewerbungsinterviews wissen lassen, dass er lieber heute als morgen mit dem Fernsehen aufhören und wieder an die Ursprünge seiner theatralischen Sendung zurückkehren wolle. Als 1977, mitten im Deutschen Herbst und nahe Stammheim, das Stuttgarter „Elvis-Memorial“ Premiere hatte, fürchtete der Schauspielschüler Schmidt nur, der bunte Liederabend könnte den politischen Umständen zum Opfer fallen. Grund genug, ihn jetzt im Rahmen des RAF-Memorials „Endstation Stammheim“ historisch belehrt wieder aufzunehmen.
Schmidt kann nicht tanzen
„Elvis lebt. Und Schmidt kann es beweisen“ ist zum einen, auch dank eines hinreißenden Martin Leutgeb, ein unterhaltsamer Elvis-Abend, zum andern die persönlich-sentimental, kabarettistisch, betriebs- und lokalhistorisch getönte Late-Night-Show eines gut aufgelegten Harald Schmidt.
„Man war links und irgendwo Sympathisant“ erinnert sich der Conférencier. An Schmidts Ambitionen ging das freilich so spurlos vorbei wie die Zahnspende des Intendanten. Überhaupt hat Claus Peymann, der „Reißzahn im Arsch der Mächtigen“, damals ja auch keinen Zahn, nur Geld gespendet. Schmidt kann nicht tanzen, und so wie er St. Justs Monolog aus „Dantons Tod“ vorträgt, reichte es heute nicht mal für die Schauspielschule. Aber dafür kann er Bildungsplunder und Theaterkantinentratsch zusammen bringen, Hartz IV und Hamlet, Biermann und Beethoven, Eva Herman und Stuttgart 21 („Bei der RAF war vieles schlecht, aber sie wollte nie den Hauptbahnhof unter die Erde bringen“) und natürlich auch Baader und Hitler. Am Ende liegt Andy im Bett mit Adi und liest, wie von Stefan Aust empfohlen, „Moby Dick“ vor. Waldi Hartmann, Claus Peymann und tout Stuttgart waren begeistert, und Schmidt nahm die Ovationen huldvoll gerührt entgegen.
Harald Schmidt erinnert sich in Stuttgart an Elvis’ Tod im Deutschen Herbst