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Griechische Nationaloper : Es ist doch ihre Stunde, da alle Wände schallen

  • -Aktualisiert am

Agnes Baltsa (Bildmitte, mit rotem Umhang) debütiert in Athen als Klytämnestra. Bild: A. Simopoulos

Renzo Piano hat ein neues Kulturzentrum für Athen gebaut. Es beherbergt auch Griechenlands Nationaloper. Jetzt wird sie mit „Elektra“ von Richard Strauss eröffnet.

          Wie eine gute Fee stellt eine private Organisation quasi über Nacht ein gewaltiges Kulturzentrum hin und schenkt es dem Staat. Von solcher Mär können deutsche Städte nur träumen, die sich mit Bau und Renovierung ihrer Opern und Theater unter oft genug skandalösen Umständen und ins Unermessliche steigenden Kosten herumquälen. Aber es ist kein Märchen, was sich in einem europäischen Land zugetragen hat, das durch eine finanzielle Dauerkrise von sich reden macht. Seit einigen Monaten ist in der griechischen Hauptstadt Athen auf einem zuvor vernachlässigten, nun attraktiv herausgeputzten Park- und Sportgelände ein hochkarätiger Kulturkomplex in Betrieb, der sogleich zu einem beliebten Ausflugsziel wurde.

          In seinem Inneren birgt das „Stavros Niarchos Foundation Cultural Center“ (SNFCC) nicht nur die Nationalbibliothek und diverse Bildungseinrichtungen, sondern auch ein Opernhaus. Der Griechischen Nationaloper (GNO) wurde ihre neue Heimstätte schlüsselfertig übergeben. Alles vom Feinsten: Das warme Rot der Sitze und der Holzverkleidung aus amerikanischem Kirschbaum verleiht dem Zuschauerraum mit seinen 1400 Sitzen in reizvollem Gegensatz zu der luftig-transparenten, aus viel Glas vom Architekten Renzo Piano hingezauberten Außenfassade eine wohlige Atmosphäre. Die Bühnentechnik ist auf dem allerneuesten Stand. Das alte Athener Opernhaus war für einen modernen Aufführungsbetrieb zu klein geworden, etliche Abteilungen mussten ausquartiert werden.

          Auftrittspremiere in der neuen Oper mit 73 Jahren

          Jetzt ist alles unter einem Dach, es gibt außerdem einen kleineren Saal und ausreichend Probenräume, die Verwaltung ist auch untergekommen. Im früheren Gebäude konnten keine groß besetzten Werke gespielt werden, doch nun wurde zur offiziellen Weihe des neuen Hauses mit Richard Strauss’ „Elektra“ auch gleich – und überhaupt zum ersten Mal in der Geschichte der Athener Oper – ein Stück aufgeführt, das nicht besser zum Ort und zur Gelegenheit hätte passen können. Und es gab noch eine Überraschung. Agnes Baltsa, die große, auf allen Bühnen der Welt gefeierte griechische Diva, hatte im stolzen Alter von 73 Jahren ihre Auftrittspremiere in der Griechischen Nationaloper.

          Baltsas Stimme hat einiges von ihrer einstigen Farbenpracht verloren, der schrille, keifende Dauerton passte zwar zur Rolle der brutalen Gattenmörderin Klytämnestra, strengte aber auf Dauer auch etwas an. Mit ihrer immer noch imponierenden Präsenz verlieh Baltsa der Figur indes Kraft und kantige Kontur. Sabine Hogrefe stand die mörderische Titelpartie dank kluger Einteilung ihrer Reserven problemlos durch, auch wenn es an manchen Stellen an Feinabstimmung in ihrer Stimmführung fehlte. Blass gerieten die beiden Männerfiguren des Orest (Dimitris Tiliakos) und Aegisth (Frank van Aken). Beeindruckend hingegen war die Chrysothemis von Gun-Brit Barkmin mit ihrem herrlich vollen, farbenreich blühenden Sopran. Der Elektra-Schwester hat Strauss nun einmal die dankbarere, weil lebensbejahende Rolle zugedacht, während sich die Titelfigur mit ihrer Vergangenheit und ihrem Rachewahn abquält.

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