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Gregory Porter : Ein sanfter Riese an der Jazzbar

  • -Aktualisiert am

Coole Wärme: Gregory Porter samt Band und Orchester Bild: Wonge Bergmann

Musikalischer Geschichtenerzähler und Nat-King-Cole-Double: Gregory Porter brilliert mit Balladen von Nat King Cole in der Alten Oper.

          Nat King Cole (1919-1965) war eine Ikone des amerikanischen Entertainments. Die Geschichte des Jazz-Trios hat er wie kaum ein anderer geprägt. Und wer in der Kriegs- und Nachkriegszeit als Barpianist etwas auf sich hielt, der versuchte, die rauchige Stimme und den melodiösen Pianostil Coles zu imitieren. Dass man mit ihm eine bestimmte Atmosphäre heraufbeschwören konnte, haben sehr schnell auch Regisseure erkannt, und den Mann am Klavier wie ein stilsicheres Requisit in ihre Filme eingebaut – von Orson Welles’ „Citizen Kane“ bis zur Westernkomödie „Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming“ von Elliot Silverstein.

          Jetzt kam Gregory Porter, rein äußerlich nicht gerade ein Nat-King-Cole-Double, zum Auftakt seiner neuen Deutschland-Tournee mit einer Hommage an den allzu früh verstorbenen Sänger und Pianisten in die Alte Oper nach Frankfurt. Und man kann es nicht anders beschreiben: Es war eine Offenbarung. Der Hüne, der eigentlich ein Football-Star werden wollte, dann wegen einer Verletzung an der Schulter umsattelte und sein früh in Kirchenchören erprobtes musikalisches Talent zu einer bemerkenswerten Gesangskarriere ausbaute, ist ein lupenreiner Cole-Nachschöpfer, ein fantastischer Sänger und ein grandioser Entertainer obendrein. Dass er letzteres aus der musikalischen Gestaltung seiner Songs entwickelt, ohne das ganze Flitterrepertoire von Hollywood über Las Vegas bis zum Broadway zu bemühen, macht ihn zum Phänomen.

          Saal verstummt beim markanten Bariton

          Gregory Porter, notorisch mit Schlauchschal und Ballonmütze bis über beide Ohren vermummt, so dass nur noch der konzentrierte Ausschnitt seines Gesichts frei bleibt, kann sich ganz auf seine Stimmbänder verlassen. Er muss keinen Hüftschwung riskieren und keine pathetischen Armbewegungen vollführen, die Hand nicht zum Herzen führen und den Blick nicht gen Himmel wenden, um göttlichen Beistand zu erflehen. Aber wenn er körperlich nahezu regungslos seinen unbeschreiblich markanten Bariton erhebt, wird es bis in die hinterste Reihe des vollbesetzten Saals ganz still.

          Nur wenigen Sängern gelingt es, allein mit dramatischen Gesangsgesten, dynamischen Abstufungen, mit Betonungen und Klangfärbungen, aber auch mit sprachlich einwandfreier Diktion einen Song so zu beleben, dass eine Story daraus wird. Wenn es einen musikalischen Geschichtenerzähler gibt, dann ist es Gregory Porter mit all den schon oft gehörten Songs wie „Mona Lisa“ und „Smile“, „Nature Boy“ oder „Quizas, quizas, quizas“, die einem vorkommen, als hätte man sie nie richtig verstanden, weil sie nie richtig vorgetragen wurden und ihre emotionale Substanz immer hinter der sentimentalen Oberfläche verborgen geblieben ist.

          Dazu trugen aber auch die unaufdringlich raffinierten Arrangements und die Begleitung durch ein Jazztrio von Gregory Porter bei, das sich nahtlos in die Neue Philharmonie Frankfurt einfügte, ein Orchester, das mit seinem großen Streicherapparat und einer Bläserbesetzung, die sich auch in eine Jazz-Bigband verwandeln kann, wie geschaffen scheint für Projekte zwischen den Stühlen von Jazz, Entertainment und Klassik light.

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