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Florence and the Machine : Der diskrete Charme der Kellerstimme

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Beschwört sie Schlangen, oder versucht sie nur die Rückkopplung wegzuhexen? Florence Welch in der Frankfurter Jahrhunderthalle Bild: Michael Kretzer

Zu herb für die Welt der Popsternchen und zu viel Charme für die Grunge-Ecke: Florence Welch widmet sich bei ihrem Konzert in Frankfurt den verborgenen Gelüsten einer Gothic Novel.

          Sie ist mit Kate Bush verglichen worden, aber Florence Welch sagt, ihre Musik klinge vielleicht eher, als wären Kate Bush oder wahlweise Lily Allen in einem Käfig mit Schlangen eingesperrt im Keller eines Beerdigungsinstituts in Louisiana aufgewachsen. Sind das nicht ein paar Assoziationen zu viel in einem Satz? Nicht für Florence Welch. Die 26 Jahre alte Sängerin aus Südlondon mit dem flammenden Haar, dem gerade geschnittenen Pony über dem dunklen, feucht schimmernden Lidschatten und dem beerenrot geschminkten Mund tritt gern in bodenlangen Kleidern auf.

          Aber meistens sieht sie darin nicht wie ein fröhliches Blumenmädchen des 21. Jahrhunderts aus, sondern wie eine ihre verborgenen Gelüste mühsam unterdrückende Figur aus einer Gothic Novel. Hört man sie ihre kellertiefsten Töne mit der typischen mühelosen Schmutzigkeit ins Mikrofon röhren, laut und doch seltsam leicht vor dem soundnebelverhangenen, massiven Schlagzeuggebirge ihrer Band, dann weiß man, dass sich hier niemand vor Überzuckerung fürchten muss.

          Hoffnung und Düsternis

          In der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle jetzt sprang Florence Welch, während sie weitersang, in einem herrlich wilden Pogo-Galopp von links nach rechts über die Bühne, ohne dabei ihr Publikum aus den Augen zu lassen. Dem wollte sie nichts ersparen an diesem Abend, wie sie gleich zu Beginn ankündigte. Das sah dann so aus: Zum Warmwerden gab sie sich mit einfachem Armheben zufrieden, solange auch der Balkon mitmachte. Für „Rabbit Heart (Raise it Up!)“ verlangte sie, man solle Nebenstehende auf die Schultern heben. „Rauslassen“ als Konzept geht auch mit zeitgemäßem Make-up und in Gucci-Kleidern (“Shake it Out“).

          Das ist wahrscheinlich die Hoffnung, von der die Songwriterin immer verspricht, dass sie auf der anderen Seite der Düsternis aufschimmert. Es ist also möglich, dass jemand, den die Zuschauer der Serie „Grey’s Anatomy“ und die Verehrer der blutleeren Hauptdarsteller der „Vampire Diaries“ gleichermaßen lieben, doch nicht dafür haftbar gemacht und auf den Vergessenshaufen der Mainstream-Absaugungsanlage geworfen werden muss.

          Im Gegenteil: „Strangeness and Charm“, eines der schönsten Stücke des Albums „Ceremonials“ (2011), ist eine so knappe wie treffende Selbstbeschreibung. Florence Welch ist zu herb, um als süßes Popsternchen vom Himmel zu fallen, und sie hat zu viel Charme, um, dem düsteren Vorbild von „Nirvana“ folgend, irgendwo in der Grunge-Ecke eines mittelenglischen Festivals liegenzubleiben.

          Immer knapp unter der Übersteuerung

          Diese bleibende Stilsicherheit und unbeirrbare Sangesfreude hat sich Welch in jahrelangen Auftritten in Kneipen erarbeitet. Sie sang da noch weiter, als es längst Anfragen der Musikindustrie gab - so lange, bis sie wusste, was auf ihrem 2009 veröffentlichten Debütalbum „Lungs“ zu hören sein sollte.

          Und jetzt also die „Ceremonials Tour“. In der kalten Jahrhunderthalle konnten nur große Menschen von den Stehplätzen aus die Sängerin sehen, die anderen mussten auf jene Momente warten, in denen Welch von einem Podest sang oder auf den schönen, jugendstilhaft eingerahmten Projektionsflächen ihr Gesicht erschien. Und der monströse Sound, der zwischendurch in einer Rückkopplung entgleiste, klirrte und wummerte immer knapp unter der Übersteuerung hindurch. Wie klingt da eine Harfe? Wie aus „Dragon Age II“, dem Spiel, dem Welch den Song „I’m Not Calling You a Liar“ lieh. Florence Welch kommt doch nicht aus einem Keller in Louisiana, sondern ist eher romanhaften Ursprungs - eine sichtbar gewordene Schwester der Fee in Pooka Mac Phellimeys Tasche aus Flann O’Briens Roman „Auf Schwimmen-Zwei-Vögel“.

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