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Probenbesuch in Bayreuth : Diese Welt will nicht gerettet sein

Hans Neuenfels bei der Probenarbeit in Bayreuth Bild: dpa

Erstmals inszeniert Hans Neuenfels in Bayreuth. Mit „Lohengrin“ eröffnen die Wagnerschwestern ihre erste eigene Saison. Zeit des Aufbruchs? Oder der Regression? Trotz der im Vorjahr ausgerufenen „neuen Offenheit“ gehen die Türen wieder zu.

          Eine erste Gästeliste zum „Lohengrin“ wurde vor vier Tagen im „Nordbayerischen Kurier“ veröffentlicht. Viel muss da nicht mehr nachgebessert werden bis zur Eröffnung der 99. Bayreuther Festspiele am nächsten Sonntag. Alles ist, wie es war. Merkel und Mann werden kommen, Seehofer und Frau, außerdem Westerwelle, Guttenberg, Brüderle, Ramsauer, Schröder, Neumann und der Bamberger Erzbischof, die Vertreter des BDI, der Bertelsmann Music Group und der Deutschen Post, natürlich auch Ehemalige wie Stoiber und Genscher, und, wie immer, lassen sich befreundete Staaten, Frankreich oder die Vereinigten Staaten, durch ihre Botschafter vertreten.

          Eleonore Büning

          Jahrgang 1952, Redakteurin im Feuilleton.

          Fast genauso sah es aus im vorigen Sommer, als Wolfgang Wagner noch lebte. Und ganz ähnlich schon vor zwanzig Jahren, als der Alte das Festspielhaus als Festung ausbauen ließ mit Kameras, Schleusen, Gesichtskontrollen. Und im Prinzip war es auch vor siebzig Jahren nicht anders, als Hitler zum letzten Mal die Kriegsfestspiele besuchte.

          Warum ausgerechnet Bayreuth so wichtig ist fürs Flaggezeigen der Repräsentanten aus deutscher Politik und Wirtschaft, das wissen diese Gäste selbst am allerwenigsten. Danach befragt, pflegen sie zu sagen, dass sie Wagners Musik lieben. Tun sich aber sonst übers Jahr keine Wagneroper an (die Kanzlerin und Genscher vielleicht ausgenommen), obgleich doch jedes Stadttheater mittlerweile Wagneropern en suite spielt, und zwar oft in besserer Qualität als in Bayreuth. Nike Wagner, vertriebene Kusine, die das Politikum Bayreuth ebenso alarmierend findet wie den „Überwachungsstaat Festspielhaus“, kommt trotzdem gerne, wenigstens zur Generalprobe. Die Festspielleiterinnen, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, haben viel zu viel zu tun, als dass sie ewig dieselben alten Fragen durchkämmen wollten. Zu der versprochenen Aufarbeitung der Bayreuther Nazi-Verstrickungen ist man vorerst noch nicht gekommen. Wo doch noch nicht einmal die amerikanischen Musikwissenschaftler herausgefunden haben, was genau „german music“ ist und wie sie „german identity“ beeinflusst!

          Vor ihren ersten eignen Festspielen mit einer Neuproduktion: Katharina Wagner (l.) und Eva-Wagner-Pasquier
          Vor ihren ersten eignen Festspielen mit einer Neuproduktion: Katharina Wagner (l.) und Eva-Wagner-Pasquier : Bild: dpa

          „Neue Offenheit“ in Bayreuth? Nicht mehr so wichtig

          Die Wagnerschwestern stehen jetzt vor ihren ersten eignen Festspielen mit einer Neuproduktion. Sie haben den Laden vor einem Jahr übernommen, mit harten Auflagen. Der Bau der dringend nötigen zweiten Probebühne wird blockiert von neuen Streitigkeiten in der „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e. V.“, die ja neuerdings nicht nur Mäzen ist, sondern zugleich auch Gesellschafter der Festspiele. Also wird jetzt verhandelt, genagelt, geschuftet. Interviews geben die beiden Damen keine. Gemeinsame schon gar nicht. Punkt. Das Schlagwort von der „neuen Offenheit“ Bayreuths, der „Aufbruch“, mit dem Katharina Wagner vor drei Jahren geworben hatte, als sie noch um die Erbfolge kämpfen musste, ist nicht mehr so wahnsinnig wichtig.

          „Bayreuth ist für mich wie Zuckerbrot“, raspelt Hans Neuenfels in sein zweites oder drittes Glas Weißwein hinein. Jedes Wort, das er sagt, ist druckreif, und oft erklärt er durch die Hintertür, was nicht durch die Vordertür passt: „In der Ausschließlichkeit und manischen Besessenheit, die darin besteht, dass sich alles, was hier rumläuft, für ein paar Wochen nur und ausschließlich mit einem einzigen Komponisten beschäftigt, ist Bayreuth eine konzentrierte Kraftnahrungsquelle für uns. Das ist wichtig in einer Zeit, in der wir sonst so wenig haben, an dem wir uns stärken könnten.“

          Es ist ein Vergnügen, dem Dirigenten zuzugucken

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