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Die Villa Richard Wagners : Einzug der Götter nach Wahnhall

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Von Königs Gnaden: Büste Ludwigs II. vor der Bayreuther Villa Wahnfried Bild: dpa

Die Villa Wahnfried in Bayreuth ist als Museum wiedereröffnet worden. Ursprünglich Rückzugsort Richard Wagners, ist sie heute Wallfahrtsort seiner Verehrer - und war einst Villa Kunterbunt seiner Nachfahren.

          Die „Gesänge“ des expressionistischen Dichters Gottfried Benn gehörten nicht zum lyrischen Hausschatz in Wahnfried. Dennoch seien einige Zeilen daraus zitiert. Sie gingen mir früh im Leben durch den Kopf und haben mich nie verlassen: „O daß wir unsere Ururahnen wären. / Ein Klümpchen Schleim in einem warmen Moor. / Leben und Tod, Befruchten und Gebären / glitte aus unseren stummen Säften vor.“

          Die Sehnsucht zurück - vor alle Reflexion und Zeit, in ein Paradies von Wärme, Natur und Selbstreproduktion - diese totale Regression in ein Utopia ohne Schmerz ist selbstverständlich dichterisches Wunschbild. Nicht anders als der Wahn, die Wahnvorstellung, dass man in einem Haus - und sei dies eine Villa - „Frieden“ finden könne oder gar ein vorzivilisatorisches Behagen in tiefstem Es-Dur, Frieden vor Krankheiten und Gläubigern und auch den devoten Haltungen vor dem Großsponsor, vor Schuld und Schulden, vor den eigenen Obsessionen und dem Unverständnis der Welt, dem ewigen Herumjagen in den Ländern und Wohnungen Europas, immer auf der Suche nach bedingungsloser Liebe und den Aufführungsmöglichkeiten für das laufend entstehende Werk, für den viertägigen Riesen-Zyklus. Nun aber, 1874, war er, Richard Wagner, da, angekommen in der eigenen schützenden Villa, Bedingung der Möglichkeit für den Frieden innen und außen, aufgehoben im warmen Schoß einer eigenen Familie. Leben und Tod, Befruchten und Gebären, Werk um Werk entstünde nun in diesen schützenden Mauern, dem Bayernkönig sei Dank. Mit Strohhut auf dem Kopf, in einer Haltung des patriarchalischen „Enfin!“ präsentierte sich Richard Wagner mit Gattin und seiner ganzen Patchworkfamilie auf der Eingangstreppe zu Wahnfried. Noch waren, in der Tat, seine „Säfte“ nicht stumm, die „Götterdämmerung“ glitt aus seiner Feder noch hervor, der „Parsifal“, und manches Schriftwerk. Das Grab im Garten war fertig noch vor dem Einzug dieser Götter in ihr Wahnhall.

          Das Wohl der Festspiele abhängig vom Herd

          Und nach ihm standen abermals Väter und Mütter und Großmütter, Kinder und Kindeskinder, Cousins und Kusinen auf diesen Stufen. Sie stiegen und sie fielen gemäß den Gezeiten der Generationen und je nach Glück oder Unglück. Wie wir aus der Bibel wissen, sind Generationen nicht nur den historischen Wechselfällen unterworfen, sondern auch ihren eigenen biopsychologischen Aufbau- und Zersetzungsprozessen.

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          Die Villa war Gründersitz und Mitte des geselligen, geistigen und vor allem musikalischen Lebens der Familie Wagner für lange - wenn man großzügig sein will, bis 1976, bis zur Überführung in eine Stiftung und ins Eigentum der Stadt. Wahnfried war Sinnbild des Erreichten und Etablierten dieser Künstlerfamilie, Wahnfried war aber auch Arbeits- und Kommandozentrale der Wagner-Festspiele. Das geographische „Unten“ des Wohnhauses stand immer in glühendem Bezug zum „Oben“ des Festspielhauses. „Unten“ war das Kraftzentrum für „oben“, Wohl und Wehe der Festspiele waren vom „Frieden“ am Herd abhängig. Kein Zufall, dass der jeweils regierende Familienzweig die nicht Genehmen und nicht Bequemen deshalb auch ausmusterte.

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