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Auftakt der Bayreuther Festspiele Keiner von den Wagners da?

Die Festspiele eröffnen mit dem „Fliegenden Holländer“ aus dem vergangenen Jahr. Neu ist aber, dass der Regisseur einen kleinen untertänigen Gruß an die anwesende Bundeskanzlerin eingebaut hat.

© dpa Vergrößern Die Fahrbereiten grüßen dich? Angela Merkel muss nicht alles aus dem „Fliegenden Holländer“ auf sich beziehen. Sie hört jede Oper aber mehrmals

Im Wahlsommer hat die Kanzlerin ihr halbes Kabinett mitgebracht nach Bayreuth. Es ist brüllend heiß. Frau Merkel trägt etwas Hochgeschlossenes in Mittelblau. Frau Schröder trägt etwas Langes in Knallrot, Frau Leutheusser-Schnarrenberger etwas Meliertes mit Raffung. Smoking und Lackschuhe sind obligatorisch für Innen- , Außen-, Wirtschafts-, Gesundheits- und Verkehrsminister wie auch für den Bundespräsidenten, der erstmalig dabei ist, als Letzter kommt, am längsten winkt und sich gerne fotografieren lässt.

Gauck ist, wie der „Nordbayerische Kurier“ dankbar feststellt in seinem Extrablatt - das, eine journalistische Turboleistung, druckfrisch schon viereinhalb Stunden später beim Staatsempfang verteilt wird -, derjenige, der sich am schönsten freut. Ehrliche Sorgen bereitet dagegen der Bayreuther Presse und auch dem Rest der Wagner-Welt, dass niemand verlässliche Angaben machen kann über Kleider und Frisuren von Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner.

Ausgerechnet im Jubeljahr, zum zweihundertsten Geburtstag ihres Urgroßvaters, zeigten sich die festspielleitenden Schwestern nicht winkend an der Seite der politischen Gäste in der Öffentlichkeit. „Von den Wagners ist wohl heute keiner da!?“, ruft ein Fotograf an der Absperrung enttäuscht, als sich die Türen zum Festspielhaus schließen und die Vorstellung beginnt. Man sollte ihn nicht auslachen. Hatte nicht Katharina noch am Morgen im „Kurier“-Interview verkündet: „Wir sind da, wenn wir gebraucht werden“? Wann und wo, wenn nicht hier und heute, werden die beiden gebraucht?

Hier sind die Regierenden Stammgäste

Eine Hauptaufgabe der Festspielleitung in Bayreuth besteht zweifellos darin, die Finanzierung dieses nur fünfwöchigen, auf nur einen einzigen Komponisten spezialisierten Sommerfestivals zu sichern. Sie ist deshalb ebenso dringend angewiesen auf das Wohlwollen der steuerzahlenden Öffentlichkeit, wie sie den Zuspruch der Politiker benötigt, die den Löwenanteil des Festspieletats bestreiten, teils aus dem Säckel des Bundes, teils aus dem des Freistaats Bayern. Diese Kausalität ist leicht zu begreifen, Lächeln oder Winken sind ja ebenfalls keine allzu komplexen Arbeitsvorgänge. Schwieriger ist zu erklären, was die Politiker jedes Jahr wieder am 25. Juli in die oberfränkische Provinz führt.

Die Kontinuität der Anwesenheit deutscher Regierender auf dem roten Teppich in Bayreuth reicht von Kaiser Wilhelm I. über Hitler, Lübke, Scheel und Brandt bis hin zu Gauck und Merkel. Es handelt sich um ein Phänomen, dessen Rätselhaftigkeit die Historiker schon länger beschäftigt. Ist dies nun eine Win-win-Situation? Und was wird dabei gewonnen? Liebe zur Musik kann es jedenfalls kaum sein. Adolf Hitler beispielsweise liebte eigentlich nur den „Rienzi“, der in Bayreuth gar nicht gespielt wird. Goebbels schätzte grundsätzlich den kraftvollen Beethoven mehr als den Neutöner Wagner mit seiner verminderten Harmonik am Rande der Tonalität.

Von Merkel weiß man, dass sie zum ersten Mal ihrem Ehemann zuliebe nach Bayreuth kam, der ein echter Kenner und Verehrer des Wagnerschen Œuvres ist. Die beiden bleiben deshalb auch gerne länger vor Ort, für mehrere Aufführungen, auch wenn der rote Teppich schon wieder eingerollt ist. So gucken die Merkels sich auch vieles zwei oder dreimal an, wie es alle echten Wagnerianer tun, denen dies Musikfest am authentischen Ort ihr Allerheiligstes ist.

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