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Eröffnung der Elbphilharmonie : Hamburg rast vor Begeisterung

Landung der „Arche“ geglückt: Kent Nagano und Jörg Widmann Bild: dpa

Die „Arche“ fordert Platz, der Trichter bietet keinen: Bei Kompositionen von Widmann und Haas zum Eröffnungsfestival der Elbphilharmonie gibt es Platzprobleme. Chöre werden ausquartiert.

          Kein Saal, und sei er der beste und teuerste der Welt, kann ein schlechtes Konzert in ein gutes verwandeln. Umgekehrt gilt das entsprechend. Das wusste schon Leonard Bernstein, der 1985, nach der Eröffnung des Münchner Gasteig, vorschlug, man möge dieses für symphonische Musikwerke ungeeignete Gebäude gleich wieder abreißen, („burn it!“). Was nicht geschah, doch wird er bis heute immer wieder gern zitiert, zumal von den Münchnern, die seither um den Neubau eines Konzertsaales ringen. Später aber sagte Bernstein (seltener zitiert) auch: „Best acoustics is best performance.“

          Eleonore Büning

          Jahrgang 1952, Redakteurin im Feuilleton.

          Riccardo Muti, der sich damals ebenfalls geweigert haben soll, im Gasteig zu dirigieren, eröffnete jetzt souverän mit seinem Chicago Symphony Orchestra den Reigen der Gastdirigate in der neuen Philharmonie an der Elbe. Es war ein Rausch, ein Glanz. Ein wahres Festkonzert. Muti loderte, Muti lächelte. Mal grimmig, mal selig.

          Plätze im Block E

          Muti ist einer jener Kapellmeister-Dirigenten alten Schlags, die das Modulieren der Klangfarbe im kleinen Finger haben. Egal, ob die gesamte Streichertruppe im satten Choral-Unisono die Crescendogabel aufspreizt oder stakkatospitze Oboenküken in ihren Porzellaneierschalen tanzen; ob eine einsam lodernde Trompete verlischt oder das Kontrafagott im weichsten Legato versinkt (in Ravels Orchesterfassung von Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung); ob es spukt, kracht, blitzt auf Mussorgskis „Kahlem Berge“ (in der eleganten Fassung von Rimski-Korsakow) oder ob am Ende, bei Tagesanbruch, ein Harfenplinkern zwei einsame Holzbläser umschmust: Muti ist allemal Herr des zartesten Pianissimos, der reißendsten Fortissimoströme. Und jeder einzelne Solist seines Orchesters ist ein Juwel.

          Zum Glück hatte diesmal auch noch eine gute Fee dafür gesorgt, dass bei der Pressekontingent-Ausschüttung für diese Zeitung ein Platz in Block E herauskam. Das ist parkettnah, unmittelbar hinter den nunmehr sogenannten Kanzlerinnenplätzen, wohin nämlich beim Eröffnungsspektakel die Regierenden, Merkel und Gauck samt Anhang, umgesetzt worden waren, nach dem Reden-Teil. Warum? Weil man die Musik hier am besten hört.

          „Alp“-Philharmonie

          Dass die Elbphilharmonie ein hanseatisch-bürgerbewusster Saal mit demokratischem Flair sei, quasi hierarchiefrei, ist nur ein wunderfeiner Werbespruch. Sie hat auch nicht 2100 Plätze, nur immerhin 1657. Und auch der Mythos von der Weinberg-Arena, deren Tribünen sanft in die nächste übergehen, die Musik umrundend, ist genau dies – ein Mythos.

          Der kaispeicherbegrenzten Grundfläche halber hat das Wunder der Elbphilharmonie eher das Format eines Trichters mit teils steilen Wänden, worüber Licht- und Formenspiel kunstvoll hinweghelfen. Man könnte also statt „Elb“- sehr gut auch „Alp“-Philharmonie sagen, beim Rauf- und Runterkraxeln wäre ein Bergführer so manch einem Konzertbesucher nicht unwillkommen.

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