Im Kampf um seinen Job hat der entlassene Würzburger Generalmusikdirektor Jin Wang einen Rückschlag erlitten. Das Arbeitsgericht Würzburg entschied am Mittwoch, dass der Dirigent nicht weiterbeschäftigt werden muss, bis sich das Bühnenschiedsgericht in München im kommenden Jahr mit der Sache befasst.
Dem 48-Jährigen war im vergangenen Monat nach diversen Problemen am städtischen Mainfranken Theater fristlos gekündigt worden. Dagegen hatte Wangs Anwältin eine einstweilige Verfügung beantragt. Ihrer Meinung nach ist die Entlassung durch die Stadt unter anderem wegen Verfahrens- und Zuständigkeitsfehlern unwirksam.
„Sie müssen doch irgendwie eine Lösung finden“
Die Stadt hatte den vierfachen Vater im November aus verschiedenen Gründen vor die Tür gesetzt. So hatte es etwa massive Diskrepanzen mit dem Theaterorchester gegeben, dessen Mitglieder Wang zum Großteil nicht mehr vertrauen und von zerrütteten Verhältnissen sprechen. Zum anderen spielte wahrscheinlich eine Rolle, dass die Staatsanwaltschaft gegen den gebürtigen Chinesen wegen versuchter Nötigung einer Studentin zu einer sexuellen Handlung ermittelte. Der 48-Jährige hat zwar immer wieder seine Unschuld beteuert, die Ermittlungen sind bislang aber nur vorläufig eingestellt.
In der Anhörung am Mittwoch hatten die Richter nur geprüft, ob eine vorläufige Wiedereinstellung Wangs möglich ist. Da die Kündigung nach Ansicht des Gerichts „nicht offensichtlich unwirksam“ ist und das Interesse des Arbeitgebers, also der Stadt, überwiegt, wurde eine Wiedereinstellung abgelehnt. Über die Wirksamkeit der Kündigung muss das Schiedsgericht befinden.
Der Vorsitzende Richter rief die Streitparteien auf, erneut zu verhandeln. „Sie müssen doch irgendwie eine Lösung finden“, appellierte Christian Steindl an die Anwälte der Stadt und die Juristin des Dirigenten. Beide Seiten sollten die Zeit über Weihnachten, „die emotional ja ohnehin besonders belastet ist“, für Gespräche nutzen. „Die müssen Sie führen, da geht kein Weg dran vorbei.“ Ansonsten würden sich die Fronten bis zur Verhandlung in München im Februar weiter verhärten, sagte Steindl.
Wangs Anwältin klagt vor dem Schiedsgericht
Wangs Anwältin Elke Hambrecht möchte nun mit einer Klage vor dem Schiedsgericht die Wiedereinstellung des Dirigenten erreichen. Am Mittwoch pochte sie erneut auf die Unwirksamkeit der Kündigung. Der Stadtrat sei für diesen Beschluss nicht zuständig gewesen. Dies stehe in der Betriebssatzung des Theaters, sagte Hambrecht. Die Vertreter der Stadt nannten diese Argumentation „an den Haaren herbeigezogen“.
Die Musiker des Orchesters müssen bis zu einer endgültigen Entscheidung nicht ohne Chef auskommen. Als Gastdirigent wurde in der vergangenen Woche Jonathan Seers verpflichtet. Seers war bereits von 1991 bis 2000 Generalmusikdirektor in Würzburg.