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Egon Madsen zum Siebzigsten Größe und Gegenwärtigkeit

 ·  Er beherrscht immer noch jede Bühne, die er betritt. Wie Baryshnikov gebietet er über eine Macht, eine Ausstrahlung, die mit ihrer Gegenwärtigkeit bannt: An diesem Freitag wird der dänische Tänzer Egon Madsen siebzig Jahre alt.

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In mehr als einer Hinsicht muss man Egon Madsen mit Mikhail Baryshnikov vergleichen. Wie jener kommt Madsen aus einem Land mit einer starken, tief verwurzelten klassischen Tradition ganz eigener Ausprägung. Es verwundert daher kaum, dass der dänische Tänzer bereits als Kind auftrat - mit dem Aarhus Kinderballett. Sein schauspielerisches Talent entwickelte sich, der dänischen romantischen Schule entsprechend, phantastisch, obwohl die Schule des Königlich Dänischen Balletts in Kopenhagen ihn nie akzeptiert hatte. Eine Zeitlang war der junge Madsen am Pantomimentheater im Kopenhagener Tivoli engagiert. Ein dänischer Tänzer wird immer, das ist der Überlieferung und dem Kanon an Werken Auguste Bournonvilles aus dem neunzehnten Jahrhundert geschuldet, im komischen wie im tragischen Fach brillieren. Und er wird für jedes Lebensalter faszinierende Bühnenpersönlichkeiten in sich erschaffen können, denn schließlich tanzen in den Bournonville-Werken seit jeher alle Generationen miteinander.

Da kommt der zweite Berührungspunkt mit Baryshnikov. Niemand, der diese beiden Männer heute tanzen sieht, kann Wehmut oder Melancholie empfinden oder Schlimmeres - sich peinlich berührt fühlen etwa. Denn Madsen versteht es wie Baryshnikov, die Bühne mit einer ganz und gar leidenschaftlichen und intelligenten Präsenz zu erfüllen, die nicht an akademisch-technische Virtuosität gebunden ist. Vielmehr gebietet Madsen wie Baryshnikov über eine Macht, eine Ausstrahlung, die das Publikum nicht nur bannt mit den Erinnerungen an eine große Tänzerkarriere, sondern mit ihrer Gegenwärtigkeit. Es ist eine Kunst, sich in Rollen zu versenken, Stücken, Ensembles zu dienen, anstatt der Vorstellung hinterherzulaufen, was es bedeuten mag, ein Star zu werden oder ein Star gewesen zu sein.

Ein weltweit geschätzter Ballettmeister

Bis hinein in seine Zeit beim Nederlands Dans Theater III, die 1999 begann, spielte und tanzte Madsen, als sei es das Selbstverständlichste, die denkbar unterschiedlichsten Rollen. Jiri Kyliàn nutzte in seinem Ensemble für Tänzer von mehr als vierzig Jahren Madsens schlohweiß behauptete, aufrechte Gestalt ebenso vielfältig wie das John Cranko und auch Kenneth MacMillan mit dem jungen Madsen so begeistert getan hatten. Niemand, der ihn als Mercutio hat sterben sehen in Crankos Stuttgarter Ballettversion von Shakespeares „Romeo und Julia“, wird das je vergessen. Jeder, der ihn als Lenski in Crankos „Onegin“ erlebte, dem besten Handlungsballett des zwanzigsten Jahrhunderts, wird alle anderen nachfolgenden Tänzer in dieser Rolle mit Madsen vergleichen.

Geboren am 24. August 1942 in Ringe auf der Insel Fünen, kam Madsen sehr jung 1961 nach Stuttgart.. Ein Jahr später ernannte ihn John Cranko zum Solisten. Er wurde das „E“ in dem berühmten Pas de quatre von John Cranko, „Initialen R.B.M.E.“, geschaffen für diese in der Arbeit zusammengewachsenen Starpersönlichkeiten Richard Cragun, Birgit Keil, Marcia Haydée und Egon Madsen. Neben diesen beiden Ballerinen trat er auch mit Eva Evdokimova, Lynn Seymour und Margot Fonteyn auf, ein geschätzter Pas-de-deux-Partner.

Im Jahr 1980 heiratete Madsen seine Freundin Lucia Eisenring. Nachdem er seine aktive Tänzerkarriere - vorerst, wie sich herausstellen sollte - beendet hatte, durchlief er verschiedene Stationen als Ballettdirektor in Frankfurt, Stockholm und Florenz. Marcia Haydée freute sich 1990, ihn als ihren Stellvertreter nach Stuttgart zurückgewinnen zu können. Er entwickelte sich zu einem weltweit geschätzten Ballettmeister, dessen effektives und zugewandtes Training alle Tänzer mögen. Seine Laufbahn als Tänzer-Darsteller indes war auch nicht mit dem Ende des Nederlands Dans Theater III vorbei. Der Tänzer und Choreograph Eric Gauthier kreiert Hauptrollen für ihn und lässt seine Tänzer von ihm unterrichten, wieder in Stuttgart. Und so ist er noch lange unentbehrlich in der Stadt, in der er als Neunzehnjähriger mit nur einem Koffer und einem Teddybär-Maskottchen ankam. An diesem Freitag wird Egon Madsen siebzig Jahre alt.

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