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Berliner Staatsoper : Das Geldausgeben hat sich gelohnt

Das allzu Längliche, hier wird’s Ereignis: Roman Trekel (als Faust, im Boot) schwebt mit dem Staatsopernchor seiner Verklärung entgegen. Bild: Marcus Lieberenz

Die wiedereröffnete Staatsoper Unter den Linden in Berlin klingt fabelhaft. Zudem ist mit dem Großen Saal ein wichtiger Erinnerungsraum erhalten geblieben.

          Quietschvergnügt grinst die ferkelfarbene Fassade der Berliner Staatsoper Unter den Linden nun durch Wind und Wetter. Ob der koloristische Witz nicht doch zu schweinisch geraten sei, wird schon seit März auf diversen Foren im Internet diskutiert. Doch Experten versichern, dass der Anstrich historisch korrekt sei. Im Rokoko – Friedrich II. war ja ganz vernarrt in den galanten Flirt auf den Bildern von Antoine Watteau – machte man das so. Und irgendwie verträgt sich der kräftige Eisbeinton auch mit den Noten von Erbspüree und Sauerkraut auf den umgebenden Mauern. Zudem korrespondiert er geschwisterlich mit dem fast gleichfarbigen Zeughaus schräg gegenüber. Waffenarsenal und Oper – eine rosa Achse machtgeschützter Innerlichkeit, das ist recht friderizianisch und auch gut so.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Vor dem Zeughaus spielt ein Leierkastenmann Hildegard-Knef-Lieder: „Berlin, deine Stirn hat Dackelfalten, und dein Mund ist viel zu groß.“ Er trägt preußisch-blaue Uniform und Pickelhaube; das ist die Berliner Version von k.u.k.: Knef und Kaiser. Unter den Ehrengästen, die über den roten Teppich defilieren, findet man den Bundespräsidenten, die Kanzlerin, diverse Minister, man findet den Fußballer Otto Rehhagel und die Fernsehsalonnière Sandra Maischberger. Nur Georg Friedrich Prinz von Preußen und seine Gattin Prinzessin Sophie findet man nicht. Schade eigentlich, denn ohne das Haus Hohenzollern würde dieses Opernhaus nicht existieren. Zudem ist der Prinz kunstsinnig, ehrenamtlich tätig für die Stiftung Denkmalschutz und über eine eigene Stiftung bemüht um die israelisch-palästinensische Verständigung unter Jugendlichen – „ein Engagement, von dem man nicht genug haben kann“, wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller wenig später in seiner Eröffnungsrede sagen wird, mit Blick auf den Generalmusikdirektor Daniel Barenboim.

          Renovierter Apollo-Saal verspricht bessere Akustik

          Vielleicht wird man den Chef des Hauses Hohenzollern dann am 7. Dezember sehen, wenn die Oper richtig eröffnet werden wird, 275 Jahre nach ihrer ersten Inbetriebnahme am 7. Dezember 1742. Jetzt ist der Bau nämlich noch nicht fertig. Ein Ticketcontainer ersetzt die fehlenden Kassenboxen im Eingangsbereich. Vor den Toiletten fehlen noch die Wandverkleidungen vor den weißen Spanplatten. Aber der Apollo-Saal mit seinen perlgrauen Wänden, dem Marmorfußboden, der hohen weiß-goldenen Decke und dem Licht, das zwischen den korinthisch gekrönten Pilastern hinauf- und über die Kristalllüster wieder herabsprudelt, ist eine Augenweide. Er soll, versichert man uns, auch besser klingen als vorher.

          Letzteres stimmt auf jeden Fall für den Großen Saal, in dem man während der siebenjährigen Sanierungszeit die Decke angehoben und durch ein dekoratives, vom Büro HG Merz gestaltetes Keramiknetz über dem dritten Rang die Nachhallzeit auf 1,6 Sekunden verlängert hat. Als Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin mit der Ouvertüre zu Robert Schumanns „Szenen aus Goethes Faust“ beginnen, merkt man schon nach wenigen Sekunden: Der Saal ist fabelhaft! Alles richtig gemacht. Das Geldausgeben hat sich gelohnt. Der Orchesterklang atmet frei. Bläsersoli werden von einem gut verschmelzenden Streicherklang vorzüglich getragen. Aber einzelne Register können trennscharf hervortreten wie die ächzenden Bratschen in Gretchens Gesang „Ach neige, du Schmerzensreiche, dein Antlitz gnädig meiner Not!“.

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