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Deutsches Jazzfestival Terroristen und andere Genies

Das Deutsche Jazzfestival ist der Methusalem unter den Festivals der Welt. Anders als früher sind bei der 43. Auflage die Vorbilder aus Amerika fast mit der Lupe suchen.

© Bode, Henning Vergrößern Auch Dave Douglas war mit seinem Keystone Sextett schon beim Deutschen Jazzfestival zu Gast

Wie sich die Zeiten geändert haben! Früher, in den fünfziger Jahren, traten heimische Musiker beim Deutschen Jazzfestival Frankfurt im Anzug mit Schlips und Kragen auf und richteten ihre Ohren demütig nach Westen, um zu hören, was sich im New Yorker Village Vanguard tat oder wer die Hollywood Bowl in Los Angeles zum Vibrieren bringen konnte. Wenn sich dann ein paar exzentrische amerikanische Jazz-Gurus unter die Europäer mischten, wurde ihnen jede Phrase von den Lippen abgelesen und sogleich zur Jazzwahrheit erklärt.

Wer das diesjährige Programm des Jazzfestivals betrachtet, des Methusalems unter den Festivals der Welt, der muss die Vorbilder aus Amerika fast mit der Lupe suchen. Nicht etwa, weil die Stars zu groß oder unbezahlbar geworden wären, sondern weil es die frühere Abhängigkeit von Leitfiguren einfach nicht mehr gibt. Der Jazz Europas hat sich schon lange emanzipiert, und bisweilen schielen die Amerikaner auf Europa, vor allem auf die deutsche Jazzszene, die für sie künstlerisch wie ökonomisch attraktiver denn je geworden ist.

Ohne Davis keinen Rockjazz

Aber ein großes Vorbild aus dem Mutterland des Jazz schwebt wenigstens als Geist über dem diesjährigen Festival. Ohne Miles Davis, ohne seine bahnbrechenden Alben wie „Bitches Brew“ hätte es jedenfalls das, was man Rockjazz nennt, nicht oder nicht auf so hohem Niveau und von letzter Instanz sanktioniert gegeben. Das Frankfurter Festival beschwört die Geister dieser Fusion und überprüft zugleich ihre Haltbarkeit für die Gegenwart und möglicherweise für die Zukunft. Dazu hat man ein paar Haudegen wie den französischen Geiger Jean-Luc Ponty engagiert, den früheren Weggefährten von John McLaughlin, und den englischen Pianisten Keith Tippett mit ehemaligen Soft-Machine-Musikern zusammengeführt. Außerdem kommt es zu einer wundersamen Begegnung des Zappa-Schlagzeugers Terry Bozzio mit dem Trio Stick Men, die das Finger-Tapping zum gigantischen Aberwitz ausgebaut haben.

Der erste Abend des Vier-Tage-Festivals, das morgen im Frankfurter Sendesaal des Hessischen Rundfunks beginnt und am Sonntag zu Ende geht, wird ganz von französischen Jazzmusikern bestritten: Neben Ponty und der hr-Bigband unter Jim McNeely bilden Michel Portal und Yaron Herman ein Duo; das Quartett um den Klarinettisten Louis Sclavis führt das mehrdimensionale Schauspiel „L’oeeil d’éléphant“ mit dem Magnum-Fotografen Guy Le Querec auf. Mehr Rock als Jazz wird es vermutlich am zweiten Tag mit dem pfeilschnellen Gitarristen Guthrie Govan und seiner Gruppe „The Aristocrats“ geben, zudem sind Keith Tippett und die Band „Mostly Other People Do the Killing“ zu hören, deren Hexengebräu aus allen möglichen Klangquellen man schon als „Terrorist Bebop“ apostrophiert hat.

Kinderkonzert zum Schluss

Am dritten Abend darf man sich auf Terry Bozzio und wiederum auf die hr-Bigband freuen, die die Klangbasis für das Duo Michael Wollny und Tamara Halperin bildet, hinzu kommt der Auftritt der abenteuerlichen Elektroniker um den Trompeter Nils Petter Molvaer aus Norwegen.

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Zum Schluss des Festivals gibt es ein Kinderkonzert am Sonntag, bei dem der Musik-Clown, Schauspieler und Regisseur Massimo Rizzi mit viel Witz demonstriert, was man aus „Bruder Jakob“, wahrlich einem Allerweltslied, in verschiedenen Ländern gemacht hat.

Das 43. Deutsche Jazzfestival beginnt morgen um 19 Uhr im Frankfurter Sendesaal des Hessischen Rundfunks und dauert bis Sonntag. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.jazzfestival.hr2-kultur.de.

Quelle: F.A.Z.

 
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