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Regisseur Michael Bogdanov tot : Ein Leben für Shakespeare

  • Aktualisiert am

Er inszenierte an britischen und an deutschen Bühnen: Michael Bogdanov (1938 - 2017). Bild: dpa

Der britische Theaterregisseur Michael Bogdanov nahm sich die großen Klassiker vor und brachte sie modern auf die Bühne. Damit polarisierte er wie kaum ein Zweiter. Nun ist er im Alter von 78 Jahren gestorben.

          Der britische Theaterregisseur und Intendant Michael Bogdanov ist am Ostersonntag im Alter von 78 Jahren gestorben. Er zählte zu den prägenden Theatermachern in Großbritannien in den vergangenen dreißig Jahren. Beim Publikum feierte er zumeist Erfolge, bei den Kritikern war das Echo auf sein Wirken zumeist geteilt, so auch während seiner Zeit als Intendant des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, das er von 1990 bis 1991 führte. Bogdanov trat vor allem mit Aufführungen von Klassikern hervor, 1986 gründete er gemeinsam mit dem Schauspieler Michael Pennington „The English Shakespeare Company“.

          Geboren wurde Bogdanov am 15. Dezember 1938 in London als Sohn eines russischen Sprachwissenschaftlers, der aus Kiew nach Großbritannien eingewandert war, und einer Waliserin. Er studierte am Trinity College der Universität von Dublin, an der Sorbonne und der Universität München.

          Er verdingte sich zunächst als Kabarettist, schrieb Fernsehserien und war Manager eines Radiosenders.  1968 machte er die Regie zu seinem Beruf. 1978 fiel er am Londoner Young Vic mit ausgefallenen Klassikerinszenierungen auf. 1980-1988 fungierte er als Ko-Direktor am National Theatre London. Dort entwickelte er seine politische und moderne Shakespeare-Interpretation. Mit seiner Inszenierung des Stückes „Die Römer in Britannien“ löste er einen Skandal aus und wurde sogar vor Gericht zitiert. Zugleich erhielt er internationale Anerkennung und Preise mit seinen Versionen von „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit der Royal Shakespeare Company in Stratford, mit „Hamlet“ am Abbey Theatre Dublin, „Romeo und Julia“ am Imperial Theatre Tokio und „Maß für Maß“ in Stratford sowie Ontario. 1983 zeigte das britische Fernsehen die Liveserie „Shakespeare lebt“. Shakespeare sei „der größte lebende Theaterautor“, lautete Bogdanovs These.

          Rocker auf der Bühne

          Er ließ Shakespeare modern aussehen: In seiner „Romeo und Julia“-Inszenierung in Stratford trugen die Schauspieler schwarze Rockerkleidung und bretterten mit Motorrädern über die Bühne. Am Deutschen Schauspielhaus Hamburg wurden in der Saison 1986/1987 sein „Julius Cäsar“ und Goethes „Reineke Fuchs“ von Kritikern und Publikum begeistert gefeiert.

          Die Schauspielerinnen Uta Stammer als Meta, Dinah Hinz als Carla und Diana Körner als Lilli (von links) im August 2013 bei der Probe von „Jetzt oder nie - Zeit ist Geld“ , einem Stück  von Michael Bogdanov, bei dem er an den Hamburger Kammerspielen auch die Regie führte.
          Die Schauspielerinnen Uta Stammer als Meta, Dinah Hinz als Carla und Diana Körner als Lilli (von links) im August 2013 bei der Probe von „Jetzt oder nie - Zeit ist Geld“ , einem Stück von Michael Bogdanov, bei dem er an den Hamburger Kammerspielen auch die Regie führte. : Bild: dpa

          1986 schließlich gründete Bogdanov mit dem Schauspieler Michael Pennington „The English Shakespeare Company“ und inszenierte für dieses Tourneetheater alle sieben Rosenkriegs-Dramen, die in 23 Stunden hintereinander aufgeführt wurden. Für den „Rosenkriegs“-Zyklus bekam Bogdanov 1990 den Laurence Olivier Award. Mit der Welturaufführung von Stockhausens „Montag“ aus dem „Licht“-Zyklus in der Mailänder Scala machte sich Bogdanov als Opern-Regisseur einen Namen. Als Intendant des Deutschen Schauspielhauses, das er zur Spielzeit 1989/90 übernahm, blieb Bogdanov glücklos. Er hatte mit einem stark gekürzten Etat zu kämpfen und fand mit seinen Inszenierungen nur wenig Zuspruch.

          Hernach arbeitete Bogdanov – mit mehr Erfolg - als freier Regisseur in London und an deutschen Bühnen. Am Kölner Schauspiel setzte er 1991 John Fords „Schade, dass sie eine Hure ist“ in Szene, 1995 spielte er in Stratford Goethes „Faust“. Am Münchner Residenztheater präsentierte er Ibsens „Peer Gynt“ mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle und zwei Jahre später ebenfalls mit Tukur in der Titelrolle Shakespeares „Macbeth“. 2000 inszenierte er seine dreizehn Jahre zuvor in Hamburg gezeigte Bühnenversion von Goethes „Reineke Fuchs“ am Wiener Burgtheater. 2003 gründete Bogdanov die „Wales Theatre Company“ in Cardiff und Swansea. 2004 veröffentlichte Bogdanov den Essayband „Shakespeare. The Director's Cut“, mit dem er die Stücke seines Lieblingsdichters vorstellte und auch für Laien zugänglich machte. Bis zur Auflösung der Theatertruppe im Jahr 2009 fungierte Bogdanov als ihr künstlerischer Leiter. 2007 wurde er für seine Inszenierung von „Warten auf Godot“ an den Kammerspielen in Hamburg mit dem Rolf-Mares-Preis der Hamburger Theater geehrt.

          Quelle: FAZ.NET

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