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David Mamet im Doppelpack : Frauen im Knast, Männer im Käfig

Da hilft nur noch Beten: Patti Lu Pone als ehemalige Terroristin Cathy (links), begutachtet von Ann (Debra Winger) Bild: Sara Krulwich/NYTimes/Laif

Zwei Stücke von David Mamet am New Yorker Broadway mit Hollywood-Begleitung: „Die Anarchistin“ ermattet im Dialog, durch „Hanglage Meerblick“ singt sich immerhin Al Pacino.

          Cathy will raus. Ann will sie nicht rauslassen. Cathy muss es darum gelingen, Ann umzustimmen. Was sie immer wieder anders versucht, bis Ann mit einem Trick alles beim Alten lassen kann. Cathy wird also auch den Rest ihres Lebens hinter Gittern verbringen. Ann, in deren Macht es lag, Cathys Begnadigung herbeizuführen, scheint nicht unzufrieden zu sein. Aber das ist für den Zuschauer schwer zu entscheiden. Eine gute Stunde hat er den beiden Frauen zwar zugehört und zugeschaut, aber wer sie sind, was sie fühlen und wie sie sich selbst begreifen, weiß er auch noch nicht, wenn das Stück zu Ende ist. Es ist sogar anzunehmen, dass es Cathy und Ann gar nicht gibt.

          Jordan Mejias

          Feuilletonkorrespondent in New York.

          Denn statt etwas über zwei Menschen zu erzählen und sie uns ganz nah oder zumindest näher zu bringen, hat David Mamet in seiner „Anarchistin“ einen Sack von Ideen ausgeschüttet. Und sie sind auf die Bühnenbretter dort am Broadway, wo das Zwiegespräch im Golden Theatre seine Uraufführung hatte, ziemlich folgenlos gepurzelt. Der Dramatiker begnügt sich mit einer anderen seiner vielen Rollen im Unterhaltungs- und Aufklärungsgeschäft, der Rolle des Essayisten.

          Mit Handlung hält er sich folglich nicht auf. Da ist Cathy, eine ehemalige Anarchistin und, wie sie selbst sagt, eine alte Frau, die sich in der jungen Frau, die vor vielen Jahrzehnten Gewalt ausübte und Menschenleben auf dem Gewissen hat, nicht mehr erkennen will. Warum sollte der Staat sie weiterhin wegsperren? Da wird Ann ins Spiel gebracht, die Vertreterin des Staates, die der Anarchistin nicht die Wandlung zur ehemaligen Anarchistin zutraut. So kommt viel Material für einen Dialog zusammen. Nichts aber drängt darin wirklich zum Theater.

          Halsbrecherisches Tempo

          Bliebe „The Anarchist“ als Hör- und Denkspiel zu entdecken oder, wie der Autor es nahegelegt hat, als Experiment in talmudischer Dialektik. Zur Auswahl stehen große und allergrößte Themen wie Freiheit, Schuld, Strafe, Scham, Reue, Buße, Erlösung, Sex, Geduld, Glaube, die Grenzen der Vernunft und des Bewusstseins, die Welt als Illusion, gespiegelt nicht zuletzt in der Amoral französischer Intellektueller, zudem Revolution und Privateigentum, die Natur des politischen Verbrechens, die Macht des Gebets, die Gnade Gottes, der Tod und das Jenseits und die Ewigkeit.

          Mit einem prüfenden Blick auf das wirkliche amerikanische Leben, in dem der Staat den Terroristinnen Kathy Boudin (nach zweiundzwanzig Jahren freigelassen) und Judith Clark (noch heute in Haft) ein höchst unterschiedliches Los bescherte, bohrt Mamet philosophische, theologische, moralische, juristische, soziologische, psychologische Quellen an, lässt sie aber nicht sprudeln. Kaum ausgesprochen, wird jeder Gedanke vom nächsten verdrängt. Zu allem Überfluss und thematischen Unmaß rast, wie immer bei ihm, der Dialog in derart halsbrecherischem Tempo über die Bühne, dass nur noch eine Stimme aus dem Zuschauerraum fehlt, die dazwischen ruft: Halt! Wie war das noch? Kann ich kurz mal darüber nachdenken?

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          Beachtlich immerhin, wie Patti LuPone als Cathy und Debra Winger als Ann den Text, der deutlich die Manierismen des verschmutzten, verknappten, obsessiv stakkatierten „Mametspeak“ entschärft, einigermaßen karambolagefrei über die Szene steuern. Schon dafür verdienten sie vielleicht nicht den Tony, aber einen anständigen Sportpokal. Zumal LuPone, Urgestein des Broadway und doch nicht wiederzuerkennen mit dem mausigen Pferdeschwanz, den sie zum verwaschenen Haftanzug trägt, redet tapfer gegen die dramatische Lähmung an.

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