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Bowie-Musical feiert Premiere : Nur für einen Tag

André Kaczmarczyk, Hans Petter Melø Dahl und Lieke Hoppe in der deutschen Erstaufführung von „Lazarus“ im Düsseldorfer Schauspielhaus Bild: dpa

Kaltromantisch die Musik, heiter die Szene: Matthias Hartmann bringt in Düsseldorf die deutsche Erstaufführung von David Bowies Musical „Lazarus“ auf die Bühne.

          Der Zeitpunkt war genau gewählt: Am Tag seiner Düsseldorfer Bowie-Premiere erschien im österreichischen „Standard“ ein offener Brief, in dem sechzig Ensemblemitglieder des Burgtheaters Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Intendanten Matthias Hartmann erhoben. Es habe unter seiner Leitung keinen „verantwortungsvollen Umgang mit Abhängigkeiten“ gegeben, so die Unterzeichner, zu denen unter anderem namhafte Schauspieler und Schauspielerinnen wie Nicholas Ofczarek, Elisabeth Orth und Corinna Kirchhoff gehören. Zur Last gelegt werden Hartmann keine Straftaten, sondern ein schlüpfrig-penetrantes Klima. Er habe sexistische Witze zum Besten gegeben und seine Machtstellung ausgenutzt, um Kolleginnen zu demütigen. Auch wenn der Brief darum bemüht ist, besonnen und unaufgeregt zu wirken, geschieht die detaillierte Wiedergabe von Hartmanns unappetitlichen „dirty talks“ auf Proben wohl nicht absichtslos. Nach der gerade abgeflauten Debatte um Hartmanns Rolle im Wiener Theaterfinanzskandal, scheint seine Kündigung nun rückwirkend zumindest aus moralischen Gründen gerechtfertigt. Dass es sich bei Hartmann offenbar nicht um einen sensiblen und disziplinierten Spielleiter handelt, ist betrüblich, enttäuschend, abstoßend. Allein auf weiter Flur wird er mit so einem Verhalten an den deutschsprachigen Bühnen allerdings nicht sein. Was von Proben an der alten Berliner Volksbühne berichtet wird, klingt nicht weniger abgeschmackt.

          Simon Strauß

          Redakteur im Feuilleton.

          Aber wohin soll eine solche moralische Aufdeckungsreise eigentlich genau gehen? Reichen jetzt üble Geschmacklosigkeiten, um die Me-Too-Lawine ins Rollen zu bringen? Konterkariert man damit nicht das ursprüngliche wichtige Anliegen, dem es vor allem um massive sexuelle Übergriffe ging? Worüber man strukturell debattieren könnte, das ist einerseits eine Quote für Frauen in künstlerischen Führungspositionen, um die für sexuellen Missbrauch offenbar anfällige männliche Macht an Theatern einzuschränken, andererseits die Frage, ob Intendanten wirklich unbedingt auch an ihren eigenen Häusern Regie führen müssen. Mit schlüpfrigen Details aus der ungewaschenen Bühnenunterwelt kann man vielleicht kurzzeitig Aufmerksamkeit erregen, die generelle Arbeitsatmosphäre produktiv und nachhaltig verbessern wird man nur durch konkrete Forderungen nach Strukturveränderung.

          So weit zu den Vorzeichen, unter denen Matthias Hartmanns Inszenierung von David Bowies Musical „Lazarus“ am vergangenen Wochenende in Düsseldorf stattfand. Zwei Monate vor seinem Tod hatte Bowie die Uraufführung seines Musicals, das er zusammen mit dem irischen Dramatiker Enda Walsh konzipierte, im Dezember 2015 noch in New York miterlebt. Jetzt konnte man auf der großen Düsseldorfer Bühne am abgesperrten und aufgerissenen Gustaf-Gründgens-Platz die deutschsprachige Erstaufführung sehen. Kurz vor Aufführungsbeginn trat Hartmann vor die Zuschauer, die Finger nervös an der Hosentasche nestelnd, sprach er ein paar Begrüßungsworte, scherzte über Presslufthammergeräusche im Hintergrund während der Proben und gab die leichte Bronchitis-Erkrankung zweier Schauspieler bekannt. Eine Sekunde lang hatte man das Gefühl, er wolle sich zu den gegen ihn erhobenen Sexismus-Vorwürfen äußern, aber dann sprang er von der Bühne und machte sie frei für Bowie.

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