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„Walküre“ in Minden : Wagner-Fans, bitte hier lang!

Wotan (Renatus Mészár) senkt seine Lieblingstochter Brünnhilde (Dara Hobbs) schweren Herzens in den Schlaf auf dem Walkürefelsen. Bild: Friedrich Luchterhandt

Wer Richard Wagner hören will, fährt nach Bayreuth. Aber nicht nach Minden. Oder? Aber ja doch, hier geschieht schließlich ein Wunder. Die „Walküre“ gab es jetzt als beglückendes, großes Kammerspiel.

          Am Anfang haben es die Regisseure leicht. Im „Rheingold“ können sie noch nicht viel falsch machen. Der erste Abend des „Ring des Nibelungen“ erzählt sich von selbst, wie im Märchen oder in einem Thriller geht es um Mord und Verrat unter Göttern, Riesen, Zwergen, in grauer Vorzeit. Es war einmal - so fängt das an.

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

          Doch treten erstmals Menschen auf, so wird die Sache kompliziert. Handwerklich heikel sei die „Walküre“, meinte Carl Dahlhaus, denn „Göttermythos und Heroendrama klaffen dramatisch auseinander“. Er wies in dem Stück erzählerische Bruchstellen nach, „blasse“, gar „misslungene“ Wort-Ton-Verhältnisse, etwa im Wotan-Monolog im zweiten Akt oder in Frickas Suada. Jedoch: Das Publikum hat sich auf Dauer nicht daran gestört. Just die „Walküre“ wurde inzwischen für unzählige Wagner-Ignoranten oder Wagner-Verächter zu einer Einstiegsdroge, sie gehört zu den meistgespielten Opern, wird, als einziges Werk der Tetralogie, auch einzeln aufgeführt; sogar im Konzertsaal kann man ihr begegnen, wenn auch in der Regel ohne das spektakuläre achtstimmige Walküren-Gejodel, nur der erste Akt, die Wälsungen-Story, wird konzertant herausgelöst.

          Die Liebesgeschichte muss scheitern

          Eine Liebesgeschichte, der das Scheitern von Anfang an einbeschrieben ist, die berührt „unsere Gefühle am tiefsten“, meint die Rechtsanwältin Jutta Winckler, Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbandes Minden. Winckler hat, man kann es nicht anders, aber auch nicht oft genug sagen, das Wagnerwunder von Minden in Gang gesetzt. Aus rein bürgerschaftlichem Engagement, ohne öffentliche Zuschüsse, hatte sie vor vierzehn Jahren das hübsche, alte, leere, nur als „Bespieltheater“ benutzte Stadttheater Minden wachgeküsst und in eine exemplarische Spielstätte für Wagner-Opern verwandelt. Auf den „Fliegenden Holländer“ (2002) folgten in unregelmäßigen Abständen, immer dann, wenn genug Geld gesammelt worden war, „Tannhäuser“, „Lohengrin“ und „Tristan“. Und mit dem „Ring“ ging das Wunder zum Jahresturnus über.

          Es sind aber nicht nur Spleen und Esprit einer Handvoll Fans, die für diese Privatinitiative einnehmen. Der Mindener „Ring“ kann es professionell bestens mit Produktionen staatlich subventionierter Apparate aufnehmen, auch solchen größeren Kalibers. Regie führt Gerd Heinz, der kürzlich in Salzburg „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ von Thomas Bernhardt herausbrachte. Der Dirigent Frank Beermann ist einer der besten Wagner-Dirigenten weit und breit. Wie Beermann, so gehört auch die Nordwestdeutsche Philharmonie, erfolgreichstes der drei NRW-Landesorchester, zur Mindener Wagnerstammbesetzung. Die Ausstattung stammt von Frank Philipp Schlößmann, bayreutherfahren wie Matthias Lippert, der sich um Licht und Video kümmert. Letzteres ist wichtig für Minden, weil das Haus für Wagner an sich zu klein ist und optisch „vergrößert“ werden muss.

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