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Musikfestival Globaler Süden : Death Metal aus Simbabwe ist doch ganz normal

  • -Aktualisiert am

Poesie, Elektronik und Protest: Moor Mother beim Festivalauftritt im Kölner Stadtgarten Bild: Akademie der Künste der Welt

Europa will starke Grenzen, aber die Künste sollen möglichst kosmopolitisch sein – wie passt das zusammen? Das Festival „Digging the Global South“ in Köln lehrt, den Exotismus zu überwinden, beim Zuhören und beim Tanzen.

          Die Geschichte der kulturellen Globalisierung ist eine der kognitiven Dissonanz: Der Mensch will starke Grenzen, die ihn vom Rest der Welt abschotten, aber die Künste sollen möglichst kosmopolitisch, durchlässig, ja grenzenlos sein. Um jene Widersprüche, etwa die Sehnsucht nach neuer Musik aus nicht-europäischen Ländern und der Verschärfung von Grenzregimen und homogener kultureller Identität, ging es am vergangenen Wochenende auf dem Festival „Digging the Global South“ in Köln, das im Rahmen der „Pluriversale“ der Akademie der Künste der Welt stattfand, die sich selbstkritisch mit Theorie und Praxis kultureller Dekolonisierung widmet. Es gastierten vor allem elektronische Musiker aus der afrikanischen Diaspora oder dem Globalen Süden:. Neben dem Johannesburger Duo Faka, dem Gqom-DJ Lag aus Südafrika (Gqom ist ein neuer südafrikanischer Clubmusikstil mit gebrochenen Rhythmen) oder der Musikerin Klein aus London waren Komponisten wie Lukas Ligeti oder die Journalistin Maha El Nabawi aus Kairo eingeladen, um über die Konflikte und Chancen im Austausch zwischen afrikanischen Musiken und europäischen Öffentlichkeiten zu diskutieren.

          Zu besprechen gab es viel, obwohl die Zeiten der Weltmusik, zu denen in den neunziger Jahren beseelt vom dumpfen Bedürfnis nach „authentischen“ Kulturen geschunkelt wurde, vorbei ist. Heute ist experimentelle Clubmusik aus Angola oder Südafrika gefragt, die sich nicht um nationale Traditionen schert und zugleich nach allen Seiten offen ist.
          Der Exotismus aber, jene latent rassistische Sehnsucht nach dem Fremden ist auch heute noch nicht überwunden. Für Thomas Gläßer, der das dreitägige Event im Auftrag der „Akademie der Künste der Wel“ im Stadtgarten organisiert hat, steckt im Begriff der kulturellen Globalisierung viel Gewalt, aber auch eine Versprechung. Das Diskursprogramm war für den Musiker und freien Kurator zentral, weil Musik heute ohne Tiefe konsumiert werde. Man gehe auf ein Konzert, lese vielleicht noch den Infotext, doch der Kontext der Musiker bleibe oft außen vor.

          Botschafter des queeren Südafrika

          Der Freitagabend wirkte jedoch erstmal angenehm dekontextualisiert, als im bestuhlten Konzertsaal das queere Clubmusik-Duo Faka die Bühne betrat. Wobei es nur wenige Sekunden dauerte, bis die rund 80 Zuschauer aufsprangen, um zu tanzen. Die beiden Mittzwanziger, oberkörperfrei, in beigen Leggings und blonden Perücken rappten und tanzten mal synchron, mal gegeneinander, mal wie Popstars, mal wie Laiendarsteller, zu den basslastigen Beats des in ihrer Mitte positionierten DJs. Später erklärten sie auf dem Podium, dass sie sich selbst als Botschafter eines neuen schwarzen, queeren Südafrikas verstünden – und Vorbild für Gleichgesinnte sein wollen, die im Alltag der strukturellen Gewalt gegenüber Queeren ausgesetzt sind. Weil sie anfangs selbst keine Idole hatten, existierte ihr Projektzunächst nur in der Vorstellung.

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