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Klassik-Label Harmonia Mundi : Es geht um künstlerische Ernsthaftigkeit

  • -Aktualisiert am

Christian Girardin Bild: Hervé Hôte

Die CD hat Zukunft: Deutschland ist ein starker Markt, und künstlerisch geht vom neunzehnten Jahrhundert neue revolutionäre Kraft aus. Ein Gespräch mit Christian Girardin, dem Manager der Klassik-Plattenfirma Harmonia Mundi.

          Vor zehn Jahren, als Harmonia Mundi seinen fünfzigsten Geburtstag feierte, berichtete der 2010 verstorbene Labelgründer Bernard Coutaz, es gebe für ihn keine CD-Krise, weil an den Aufnahmen von Harmonia Mundi nach wie vor großes Interesse bestehe. Gilt das unverändert?

          Neuveröffentlichungen verkaufen wir immer noch zu etwa achtzig Prozent als CD, den Rest über Streaming und Downloads. Die CD ist also immer noch sehr wichtig. Allerdings: Die Verkaufszahlen haben sich in etwa halbiert. Die Produktionskosten sind aber gleich geblieben oder haben sich erhöht. Wir müssen uns also neue Gedanken machen über die Finanzierung von Aufnahmen.

          Wie viele Exemplare müssen Sie denn verkaufen, um die Aufnahmekosten zu erreichen?

          Bei einer Klavier-CD können viertausend Exemplare ausreichen, bei einem Projekt mit Chor und Orchester braucht es dann schon zehntausend CDs, was mit einem Künstler wie dem Dirigenten François-Xavier Roth auch zu erreichen ist. Wir arbeiten bei Ensembles aber mehr und mehr in Ko-Produktion. In Frankreich funktioniert das sehr gut, dort helfen uns Sponsoren und Stiftungen, die die Klangkörper finanziell unterstützen. In Deutschland, wo das System einer nichtstaatlichen Finanzierung weniger stark ausgeprägt ist, gestaltet sich das schwieriger.

          Nur noch halb so viele CD-Hörer: Das klingt dramatisch.

          Die Zahl der Zuhörer insgesamt hat sich aber nicht so stark verändert. Die neue Generation nutzt Streamingdienste wie Spotify, wo wir seit fünf Jahren aktiv sind, oder Apple Music. Sie suchen nicht nach speziellen Einspielungen, sondern einfach nach den „Vier Jahreszeiten“, egal mit welchen Solisten oder Dirigenten.

          Genau das war aber seit jeher der Kundenkreis von Harmonia Mundi: Menschen, die genau wissen, was sie wollen.

          Deshalb arbeiten wir daran. Wir wollen die Nutzer dazu bringen, sich mit unseren Künstlern zu beschäftigen.

          Wie wollen Sie das schaffen?

          Wir beziehen zum Beispiel unsere Künstler selbst mit ein. Jeder von ihnen pflegt seine eigene Playlist. Oft hat es auch mit Glück zu tun, wie im Falle von Paul Lewis, dessen Aufnahme der „Mondscheinsonate“ es in die vorderen Ränge der Beethoven-Playlist bei Spotify geschafft hat und die dort in zwei Jahren 35 Millionen Mal gestreamt wurde. Wir wollen nun schauen, ob man auf solche Zufälle nicht auch hinarbeiten kann.

          Vor drei Jahren wurde Harmonia Mundi vom belgischen Popmusik-Label Pias übernommen. Warum hat Harmonia Mundi, zu dessen wichtigsten Werten immer die Unabhängigkeit gehörte, der Übernahme zugestimmt?

          Es ging um Wirtschaftlichkeit. Allein zweihundertfünfzig Mitarbeiter kümmerten sich weltweit um den Vertrieb. Wir hatten eine kritische Größe erreicht und waren zu groß geworden für ein Independent-Label. Unsere Struktur passte schlecht zu den neuen ökonomischen Herausforderungen, die die Veränderungen auf dem Plattenmarkt mit sich brachten. Der Buchverlag, der ebenfalls zu Harmonia Mundi gehörte, wurde vom Musiklabel getrennt und das Label verkauft. Mit Pias teilen wir uns nun zum Beispiel den Vertrieb.

          Und wie steht es um die Unabhängigkeit Ihres Labels?

          Pias vertraut mir in allem, was das Repertoire betrifft und die Auswahl der Künstler. Sie haben mir nie reingeredet.

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