Sie haben angekündigt, eine Partei zu gründen, um in die Berliner Politik zu gehen. Wenn wir mit der Wahlbeteiligung von 2011 rechnen, benötigen Sie ungefähr 74.000 Wähler, um ins Abgeordnetenhaus einzuziehen. Haben Sie das auch schon durchgerechnet?
Nicht im Detail. Wenn man aber mal schaut, dass wir bei über zwei Millionen Wahlberechtigten eine Wahlbeteiligung von sechzig Prozent hatten, bedeutet das, dass mehr als eine Million Menschen von ihrer Stimme, ihrem Recht und ihrer Pflicht keinen Gebrauch gemacht haben. Ich will mich nicht um dieselben Wähler streiten, die von der SPD, CDU und allen anderen genervt werden, sondern habe mir gedacht, dahin zu gehen, wo es noch viel Platz gibt.
Halten Sie es für realistisch, mit Ihrer Partei ins Parlament einzuziehen?
Absolut. Wenn ich mir selbst keine Chancen ausrechnen würde, würde ich es auch gar nicht machen.
Was zieht Sie in die Politik?
Politikinteressiert war ich schon immer. Jetzt bin ich einfach unzufrieden. Und in dieser Unzufriedenheit hat sich dann das Gefühl aufgetan, etwas verändern zu wollen.
Sie fühlen sich also von den anderen Parteien nicht richtig vertreten?
Ja. Ich habe mir neulich die Satzung der SPD aus Bad Godesberg aus den sechziger Jahren durchgelesen. Das, was da drinsteht, ist so romantisch, so heroisch geschrieben, im Prinzip kann man dahinterstehen: Alles soll cool sein, und jeder soll jeden lieben. Damit kann man leben. Aber ich sehe parteiunabhängig niemanden, der wirklich irgendwo steht. Politiker sind alle Gefangene in einem Spiel, Geiseln. Ich habe nicht das Gefühl, dass dort irgendeiner ausbricht.
Im Moment brechen ja die Piraten bundesweit aus.
Die Piraten sind für mich keine Partei.
Vor zwei Jahren haben Ihre Anwälte die Piraten abgemahnt, weil ein Mitglied des Bundesvorstandes einen Ihrer Songs ins Netz zum Download gestellt hatte.
Ich würde mich freuen, wenn ich niemanden abmahnen müsste. Aber persönlich muss ich sagen, dass es eine ganz große Frechheit ist, überhaupt darüber zu diskutieren, ob das Urheberrecht gedehnt werden darf. Das ist so, als wenn du die Straße runterläufst, und dann kommt einer, der deine Tasche nimmt, sie öffnet, „Geil, Lippenstift!“ sagt, den Lippenstift einsteckt, dir die Tasche zurückgibt und weitergeht.
Sie haben in der Vergangenheit auch gegen das Urheberrecht verstoßen und wurden verklagt.
Absolut, und dafür habe ich zu Recht die Konsequenzen getragen. Das ist Gesetz und soll auch so bleiben.
Wie würden Sie Ihre Partei definieren?
Es gibt natürlich grundlegende Dinge, die in jeder Partei die gleichen sein sollten. Aber ich werde definitiv Punkte haben, die vielen Leuten tierisch auf den Sack gehen werden.
Zum Beispiel?
Weg mit dem Euro! Ich bin Kind der Deutschen Mark und war immer stolz auf meine Deutsche Mark. Wir müssen aufpassen, dass wir uns für andere Länder nicht so sehr aufopfern.
Die Berliner Abgeordneten verdienen 3369 Euro im Monat. Ist das für Ihren Lebensstandard nicht zu wenig?
Der größte Luxus ist Freiheit. Wenn ich mir meine Freiheit ein bisschen so weiter bewahren könnte wie jetzt, dann hätte ich kein Problem damit, 3000 Euro im Monat zu verdienen. Die Interessen der Wähler zu vertreten sollte auch immer etwas Selbstloses haben, ohne Tausende Euro im Monat, ein Auto hier und da - das ist das Wulff-Prinzip.
Welcher Politiker nervt Sie am meisten?
Im Moment Philipp Rösler.
Warum?
Ich weiß nicht, ich gucke ihn an und kriege den Vollabsturz. Aber das gilt jetzt auch für den Herrn Özdemir, den Alibi-Türken, oder Claudia Roth. Warum muss Politik so hässlich machen? Auch Angela Merkel ist überhaupt nicht attraktiv. Aber ich würde mich auf jeden Fall mit ihr einlassen.
Wie jetzt?
Sexuell. Dann könnte ich sagen, ich habe mit der Bundeskanzlerin geschlafen.
Haben Sie ein politisches Vorbild?
Ich war und werde immer Gerhard-Schröder-Fan sein. Als Schröder von Merkel abgelöst wurde, da ist ein bisschen was in mir kaputtgegangen.
Welcher politische Umbruch hat Sie am meisten bewegt?
Ich habe ein Problem mit diesen sogenannten Umbrüchen. Beispiel Arabischer Frühling: Es war natürlich super interessant zu verfolgen, wie die Menschen ihre Fesseln gesprengt haben. Aber was ist danach gekommen? Es ist so, als ob dein Freund dich schlägt, du dich trennst, einen Neuen kennenlernst, der dich wieder schlägt. Statt Stefan heißt er jetzt Thomas, aber macht denselben Scheiß. Und das ist es, was gerade in Ägypten passiert.
Welche Probleme in Berlin wollen Sie mit Ihrer Partei als Erstes angehen?
Ich bin für Steuersenkungen. Ich zahle jetzt über 52 Prozent Steuern, das ist legales Schutzgeld und fuckt mich ab. Da sollte man sich auf einem gesunden Level treffen. Man muss dafür sorgen, dass Menschen zufrieden sind.
Aber wie und konkret in Berlin?
Mich stört, dass ich immer im Stau stehe. Dann die Schlaglöcher. Dann muss Berlin sauberer werden. Wir müssen die Adern unserer Stadt - die Straßen - sauber kriegen, damit das Blut in die Kapillaren kommt.
Also wollen Sie im Kleinen anfangen?
Sowieso. Ich sehe das so, wie in dem Film „Der Pate“. Der Pate geht einkaufen, dann kommt ein Nachbar zu ihm und sagt, dass ihm ein anderer sein Geld wegnimmt, der Pate kümmert sich darum. Ein anderer hat eine kaputte Treppe, der Pate ruft seinen Kumpel an, der dann die Treppe repariert, und so weiter. Das ist ein ganz naives Prinzip, aber eigentlich müsste Politik das Gleiche sein, nur auf einer viel größeren Ebene.
Wie steht Ihre Partei zur Rolle der Frau?
Ich liebe Frauen. Jede Frau soll das machen, was sie möchte. Ich verstehe nicht, warum Frauen anders behandelt werden sollten. Es gibt nicht Schöneres, als eine schöne Frau zu sehen. Alle Frauen sind gerne eingeladen, meiner Partei beizutreten. Sex sells.
Der Regierende Bürgermeister Wowereit hat versprochen, mehr bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Sehen Sie die Wohnverhältnisse in Berlin auch als Problem, das Ihre Partei angehen will?
Ich finde den Berliner Wohnungsmarkt geil.
Sie selbst sind aktuell auch in der Immobilienbranche tätig. Die Geschäfte laufen aber nicht so gut?
Doch, läuft super.
Wie wollen Sie zur Chancengleichheit der Ausländer beitragen?
Ich könnte jetzt mit Streetworkern oder Kopftuchbeauftragten kommen, aber das bringt am Ende nichts. Man musst den Ausländern einfach klarmachen, dass Integration etwas Gutes bedeutet: Wenn sie die Sprache beherrschen, die Gesetze akzeptieren, bekommen sie ja eine Gesellschaft geschenkt.
Wie wollen Sie als Politiker mit Parallelgesellschaften umgehen, damit, dass in den sogenannten Problembezirken von Berlin der Rechtsstaat nicht ohne Weiteres akzeptiert wird?
Da benötigt es eine große Portion Fingerspitzengefühl. Ich kenne das selbst: Es gibt bei uns kaum jemanden, der zur Polizei oder zum Anwalt geht. Und wenn doch, dann nur, um zu drohen, und nicht, um das Problem zu lösen.
Was also tun?
Ich finde es interessanter, die Leute wirklich zu fragen, wo ihr Problem liegt. In der Integrationskiste fehlt einfach die Bereitschaft, manche Sachen zu akzeptieren. Man wird niemals eine Hierarchie in gewissen Kreisen herausbekommen. Das ist aber nichts Schlimmes: Wenn ich jetzt ein Problem habe, weil mir irgendjemand das Auto zerkratzt hat, und ich kenne zufällig den Cousin dieses Typen, warum soll ich zur Polizei gehen? Dann rufe ich lieber diesen Cousin an und bitte ihn darum, dass der Verursacher mein Auto repariert. Das hat doch auch etwas für sich. Natürlich darf das nicht in Selbstjustiz ausarten.
Sie haben auch Ihre Probleme am Rande des Gesetzes geregelt, richtig?
Na klar, immer, und das wird sich wahrscheinlich nie ändern.
Geht das konform mit einer Karriere als Politiker?
Ich glaube, das ist kein Problem. Was habe ich schon Großartiges gemacht? Ein paarmal über Rot gefahren, paar Beleidigungen, aber daran arbeite ich jetzt mit meiner Psychologin. Okay, ich habe früher mal Drogen verkauft, damit habe ich schon lange nichts mehr zu tun.
Am Anfang Ihrer Karriere haben Sie sich mit einem der mächtigsten arabischen Familienclans in Berlin zusammengetan. Besteht diese Freundschaft noch?
Wir sind die besten Freunde. Das geht sogar über den Freundschaftsstatus hinaus. Ich habe mich nicht auf irgendwelche Leute eingelassen, sondern wir sind zu dem geworden, was wir heute sind. Es ging damals nicht um Vorteile. Über Jahre haben wir dann unsere Positionen eingenommen. Es hat sich herausgestellt, dass wir alle mit dem, was wir können und wer wir sind, sehr gut interagieren. So haben alle profitiert, und das nicht nur im finanziellen Sinne.
Diese Familie wird mit schwerster organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht.
Wahrscheinlich werden viele Leute mit vielen Sachen in Verbindung gebracht.
Es gibt aber konkrete Urteile, zum Beispiel wegen des Überfalls auf das Pokerturnier im Berliner „Hyatt“-Hotel im Jahr 2010.
Mir ist das scheißegal.
Sie loben einerseits die deutschen Gesetze, andererseits sagen Sie, dass es Ihnen egal ist, was Ihre Freunde so treiben?
Ich sehe da kein Problem. Wenn ich es ändern könnte und etwas zu sagen hätte, dann wüsste ich ganz genau, wo ich anfangen würde. Im Endeffekt bin ich aber noch nicht in einer Position, in der ich Leuten sagen kann, was falsch oder was richtig ist.
Aber wenn Sie politisch aktiv werden wollen, dann ist es doch ein Problem, wenn Sie in der Nähe zur Mafia agieren.
Was ist denn mit Berlusconi? Der ist ja nicht wegen seiner Mafiageschichten verurteilt worden, sondern weil er zu viele Mädels weggeknallt hat. Keiner macht es besser. Es gibt nur Leute, die es besser verschweigen. Wir sind, was wir sind.
Er ist doch vorbestraft
Gerrit Seifert (igerrit)
- 27.06.2012, 01:21 Uhr
Mein Gott, wohin führt das?
Nüshet Özertan (tomcat2010)
- 26.06.2012, 09:54 Uhr
Mal eins: wie soll ich wissen, was es so alles gibt
gisbert heimes (gisbert4)
- 25.06.2012, 22:06 Uhr
Jugendschutz?
Rita Winter (Rita74)
- 25.06.2012, 19:42 Uhr
Ich würde Bushidos Partei wählen!
Adel Richter (Kairi)
- 25.06.2012, 17:00 Uhr