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„Black Swan“-Choreograph wird Ballettdirektor Hollywood im Palais Garnier

Für die meisten der 154 Mitglieder des traditionsreichsten Ballettensembles der Welt dürfte es ein Schock sein: Benjamin Millepied, Choreograph von „Black Swan“, wird Pariser Ballettdirektor

© AFP In Hollywood: Benjamin Millepied mit Natalie Portman im Februar 2012 auf dem Weg zur Oscar-Gala

Die ersten Gerüchte, Benjamin Millepied, der Choreograph von Darren Aronofskys Thriller „Black Swan“, werde noch in dieser Woche zum Ballettdirektor der Pariser Oper gekürt, verbreiteten sich über Twitter. „Einen schlechten Choreographen für die Pariser Oper“, hieß es da spöttisch, „gut, aber warum ausgerechnet Millepied? Da hätte es doch auch noch andere gegeben“. Eine Überraschung bestenfalls, für die meisten der 154 Pariser Operntänzer aber eher ein Schock dürfte dann die Bestätigung der Nachricht gewesen sein, dass der fünfunddreißig Jahre alte Millepied 2014 tatsächlich die Nachfolge von Brigitte Lefèvre antreten soll. Millepied ist zu jung, denken viele; er steht der Compagnie zu fern, er choreographiert nicht schlecht, aber der neue Balanchine ist er bestimmt nicht, kurz: Er hat eine ganz eigene, schillernde Karriere in Übersee verfolgt, die nicht auf die Leitung des traditionsreichsten und bis heute hinreißendsten Ballettensembles der Welt zuzusteuern schien.

Ganz und gar nicht, genau betrachtet: Zwar ist der Erste Solist des New York City Ballet ein bewunderter Tänzer und vielgefragter Choreograph. Seit er für „Black Swan“ die Hauptdarstellerin Natalie Portman trainierte, jeden ihrer Schritte choreographierte und mit ihr einstudierte und dazu nicht nur ihren Film-Tanzpartner spielte, sondern sich im realen Leben in sie verliebte und mit ihr verlobte, stieg sein Glamourfaktor steil an. Die tränenblinzelnde oscarprämierte Portman stammelte, mit der Trophäe in der Hand, etwas von Dank für das schönste Geschenk, das er ihr gemacht habe - damit war das gemeinsame Kind gemeint, und da waren natürlich auch die eben im Film noch als völlig „crazy“ und stets hart im Nehmen geschilderten Tänzer dieser Welt vollkommen gerührt.

portman black swan © 20th Century Fox Vergrößern Szene aus „Black Swan“

Obwohl ein Wort des Dankes eigentlich auch Portmans unerwähnt gebliebenem Tanzdouble Sarah Lane gebührt hätte, die in Wahrheit rund 95 Prozent der Tanzszenen für die Hollywood-Schauspielerin gedreht hatte, wie kurz nach den Oscars herauskam. Millepied zog mit Portman und Kind nach Los Angeles, wo er Gemüse züchtet, inzwischen das „L.A. Dance Project“ gegründet hat und gerade Regie in zwei schönen Musikclips der Band „IO Echo“ führte, die auf der unglaublich coolen Website „Nowness“ zu finden sind. Ach ja, und er ist auch das neue Gesicht einer Duft-Kampagne von Yves Saint-Laurent und Jury-Mitglied der amerikanischen TV-Show „So you think you can dance“.

Im August vergangenen Jahres feierte Millepied mit Portman an der kalifornischen Küste eine „streng vegane“ Hochzeit, wurde seither intensiv mit ihr in der Karibik fotografiert und lässt die Pressesprecher betonen, er und seine Frau verfolgten ihre Karrieren unabhängig voneinander. Das bezweifelt niemand. Aber braucht die Pariser Oper wirklich so viel Showbusiness-Affinität?

Ein Schreck für die anderen

Die Zahlen des Hauses sind auch ohne „Hollywood ante portas“ hervorragend. Die Konkurrenz, die jetzt gegenüber Millepied das Nachsehen hatte, wird in der ganzen Welt angebetet. Da war zunächst Étoile und Ballettmeister Laurent Hilaire, den Brigitte Lefèvre selbst favorisierte und zu ihrem Stellvertreter machte, um seine Position im Kampf um ihre Nachfolge zu stärken. Danach kehrte erst einmal Ruhe ein, alles schien geregelt, bis Ende des vergangenen Jahres neue Gerüchte aufflammten. Beliebter noch als Laurent Hilaire sei bei den Tänzern der zweiundvierzig Jahre alte Nicolas LeRiche, der charismatischste Étoile des Hauses, der seinen Abschied von der Bühne für 2014 plane. Von der französischen Presse als „l’égal des dieux“ beschrieben, den Göttern ebenbürtig - und zurück war er im Rennen.

Nicht zu vergessen eine seiner Lieblingspartnerinnen, die gar nicht sanfte, für Leitungsfunktionen qua Verstand und Willen brillant ausgestattete Sylvie Guillem, auch sie Étoile von Nurejews Gnaden. Nicht für ausgeschlossen hielten manche sogar William Forsythe, der oft und erfolgreich an der Pariser Oper gearbeitet hat, oder - noch wahrscheinlicher, weil jünger - den sensiblen, sympathischen Ex-Bolschoi-Balletchef und jetzigen Hauschoreographen des New Yorker „American Ballet Theatre“, Alexej Ratmansky.

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Millepied aber, wie auf der Pressekonferenz an diesem Donnerstag Mittag in Paris klar wurde, hat sowohl die Unterstützung des jetzigen und daher zu seiner Berufung legitimierten Generalintendanten Nicolas Joel, der mit ihm nur noch das letzte Jahr seiner Amtszeit teilen wird, als auch die seines Nachfolgers Stéphane Lissner. Den anderen aber wird der Schreck darüber, dass selbst Paris jetzt seine Zukunft in Hollywood sucht, noch eine Weile in den Knochen sitzen.

Quelle: F.A.Z.

 
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