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Bayreuther Visionen: Uwe Eric Laufenberg Götterspeise für alle

08.07.2008 ·  Bayreuth ist bis heute einzigartig, als eine Form gewordene Gründungsidee. Vorderste und vornehmste Aufgabe ist es, jene zehn Opern, für die dieses Institut vom Meister gegründet wurde, jedes Jahr in der bestmöglichen Qualität aufzuführen.

Von Uwe Eric Laufenberg
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Warum beschäftigen wir uns eigentlich mit Bayreuth? Warum diskutieren wir darüber, verfluchen und / oder lieben es? Weil es, bis heute einzigartig, als eine Form gewordene Gründungsidee dasteht, in der die Opernkunst intensiv und als ein Gesamtplan aller beteiligten Künste verstanden wird. Weil sich in den gezeigten Werken Historisches, Mythen und aktuelle Zeitfragen vereinen. Und weil hier ein Festspielgedanke kreiert wurde, der weltweit Hunderte Nachahmer gefunden hat.

Bayreuth ist in seiner Mischung aus Hochkunst, Familientheater und Politshow aber auch ein nicht wegzudenkender Teil der deutschen Geschichte. In seiner ungebrochenen Kontinuität steht es bis heute solitär gegen alle Umbrüche, Wechselfälle und Neubewertungen des vergangenen Jahrhunderts. Fast könnte man es ein Wunder nennen - aber eben ein Opernwunder. Und da sollten wir doch auf dem - von mir aus roten - Teppich bleiben. Vorderste und vornehmste Aufgabe ist es doch, jene zehn Opern, für die dieses Institut von dem Meister gegründet wurde, jedes Jahr während der Sommerwochen in der bestmöglichen Qualität aufzuführen. Die eigentliche, bislang als nicht machbar geltende Idee Wagners war es, alle zehn Werke in einer Saison und den Ring an vier aufeinanderfolgenden Tagen vorzustellen - gewissermaßen so viel „Götterspeise“ wie möglich für alle, wobei der sozial denkende Meister zudem ein System ausgeklügelt hatte, nach dem Freikarten an Bedürftige abgegeben werden sollten.

Allein schwer genug

Also sollte für die Zukunft verbindlich festgelegt werden, dass eine künstlerische Leitung die zehn Werke innerhalb eines Turnus von sinnvollerweise zehn Jahren neu produziert. Sollte dieses Programm erst einmal gewährleistet sein - aber erst dann -, sei ihr die Realisierung weiterer Aufgaben - wie der Aufführung von Frühwerken, verwandtem Repertoire und neuer Oper - selbst überlassen. (Allerdings: die zehn Werke allein sind schwer genug ...)

Die künstlerische Leitung sollte unbedingt, als Turnus festgelegt, nach zehn Jahren wechseln, um einer neuen Generation Gelegenheit zu bieten, diesen Gipfelwerken Gerechtigkeit zu tun. Nur auf diese Weise ließe sich die jetzt herrschende Fafner-hafte Lähmung vermeiden - jene Stagnation, bei der sich einerseits Mehltau auf die Produktionen legt, andererseits Schnellschüssen ins Gagaland keinerlei Regulativ mehr entgegengesetzt wird.

Auch für die Familie Wagner ließe sich unserer - insgesamt doch recht brauchbaren - Staatsform ein Amt entlehnen, mit dem sie ihre Position innerhalb der Festspiele wahren könnte: das des Festspiel-(Bundes-)Präsidenten, mit beschränkter Machtbefugnis, aber umso größeren Repräsentationsaufgaben. Zuvor allerdings wären alle bislang zurückgehaltenen und geheimen Tagebücher und Briefe an das Licht der Öffentlichkeit zu bringen, um - nichts spannender als das! - endlich die Lücken in dieser über hundertjährigen schicksalhaften Chronik, dieser deutschen Saga schlechthin, zu schließen.

Uwe Eric Laufenberg ist designierter Intendant der Oper Köln, die er von September 2009 an leiten wird. Er wurde 1960 in Köln geboren und arbeitete an verschiedenen großen Häusern als Schauspieler und als Regisseur. Zurzeit ist er Intendant des Hans-Otto-Theaters in Potsdam.

Quelle: F.A.Z.
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