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Bayreuther Lage Die Definition des Definitiven

25.08.2008 ·  Noch vor vier Monaten hieß es, Wolfgang Wagners Rücktritt als Leiter der Bayreuther Festspiele sei definitiv und bedingungslos erfolgt. Nachdem Bewegung ins abgekartete Spiel um seine Nachfolge gekommen ist, klingt das schon anders.

Von Julia Spinola
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Mit der Kandidatur des ehemaligen Intendanten der Salzburger Festspiele Gérard Mortier, der sich, wie am Sonntag berichtet, gemeinsam mit Nike Wagner um die zukünftige Leitung der Bayreuther Festspiele bewirbt, hat das Nachfolgeverfahren eine überraschende Wendung genommen. Bislang sah es so aus, als hätten sich die im Stiftungsrat votierenden Vertreter der öffentlichen Hand ebenso wie die mäzenatische „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ bereits auf eine Entscheidung zugunsten von Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier festgelegt.

Jetzt hat sich der Bund öffentlich dafür ausgesprochen, „nur auf der Grundlage der Konzepte“ der Kandidaten zu entscheiden. Am Ende werde sich „das überzeugendere, das bessere, das zukunftsträchtigere Konzept für die Festspiele in Bayreuth“ durchsetzen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg dem 3sat-Magazin „Kulturzeit“. „Alle anderen Überlegungen, die es auch hier und da in der Öffentlichkeit gibt, sind für die Entscheidung jedenfalls nicht relevant.“

Ein Rücktritt vom Rücktritt? Der Regierungssprecher denkt

Seitens des Vorstands der „Freunde“ war die Losung ausgegeben worden, da man Bayreuth nicht neu erfinden könne, komme es nicht auf die Konzepte, sondern auf die Personen an, die man schließlich kenne. Auf die Frage, ob man sich dem scheidenden Festspielleiter Wolfgang Wagner gegenüber nicht moralisch verpflichtet fühle und deshalb seinem Wunsch willfahren werde, seinen Töchtern die Leitung zu übertragen, antwortete Steg, für die Bundesregierung, die im Stiftungsrat mit fünf von vierundzwanzig Stimmen vertreten ist, sei lediglich die Vereinbarung maßgeblich, nach der am 1. September eine neue künstlerische Leitung bestellt werden solle auf der Grundlage eines überzeugenden Konzepts und eines Vorschlags der Familie Wagner. Diesen Vorschlag erwarte nun der Stiftungsrat.

Kryptisch setzte Steg hinzu: „Ich vermag nicht zu sagen, ob es in persönlichen Gesprächen noch andere Diskussionen gegeben hat.“ Die Frage, ob Wolfgang Wagner seinen für Ende August angekündigten Rücktritt womöglich noch einmal zurückziehen werde, beantwortete Steg ausweichend: Er gehe nicht davon aus. „Ich denke, es ist eine Entscheidung getroffen.“ Dies steht nun in eklatantem Widerspruch zu den Aussagen der Vertreterin des Bundes im Stiftungsrat, Ingeborg Berggreen-Merkel. Diese hatte im Anschluss an die letzte Sitzung vor vier Monaten mit aller Entschlossenheit betont, dass der Rücktritt definitiv und bedingungslos erfolgt sei.

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Jahrgang 1962, Redakteurin im Feuilleton.

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