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Bayreuther Entmachtung Ein Kaufmann für den Grünen Hügel

 ·  Ausgebliebene Zahlungen, Verluste, betriebswirtschaftliches Chaos: Der Verwaltungsrat der Richard-Wagner-Festspiele stellt Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier einen dritten Geschäftsführer zur Seite.

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Die Alleinherrschaft der beiden Wagner-Halbschwestern auf dem Grünen Hügel soll so schnell wie möglich beendet werden. Das hat der Verwaltungsrat der Richard-Wagner-Festspiele auf seiner jüngsten Sondersitzung einstimmig beschlossen. Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sollen sich die ihnen bislang vertraglich zugesicherte alleinige Leitung in der Zukunft mit einem dritten Geschäftsführer teilen, der noch zu finden ist. Gesucht wird ein versierter Kaufmann, der Ordnung in jenes betriebswirtschaftliche Chaos bringen soll, das den Halbschwestern in den vergangenen Jahren über den Kopf gewachsen ist.

Die Sondersitzung war einberufen worden, nachdem der Bayerische Oberste Rechnungshof schon im Oktober 2011 einen Bericht verabschiedet hatte, in dem er der Geschäftsführung eine eklatante Misswirtschaft vorrechnete. Dort las man von monatelang ausgebliebenen Zahlungen an Kranken- und Versorgungskassen für Bühnenkünstler, von Verlusten, die DVD-Produktionen und das „Public Viewing“ von Festspiel-Inszenierungen eingefahren hätten, und von der Unfähigkeit der Festspiel-GmbH, einen fehlerfreien und fristgerechten Jahresabschluss vorzulegen.

Lobenswert kooperationsbereit

Schon im Januar hatte die mäzenatische „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ den Festspielleiterinnen daraufhin behutsam eine „bessere Unterstützung und Ergänzung ihres Personals“ vorgeschlagen. Außerdem wurde öffentlich darüber nachgedacht, die für 2013 anstehenden Verhandlungen über die 2015 auslaufenden Geschäftsführerverträge schon in diesem Herbst beginnen zu lassen.

Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner haben die Nachricht ihrer Entmachtung, wie es aus dem Verwaltungsrat heißt, mit Fassung getragen. Der Verwaltungsratvorsitzende Toni Schmid lobte sogar ihre Kooperationsbereitschaft. Ob die neue Stelle ausgeschrieben wird, ist noch offen. Das genaue Prozedere haben nun die vier Gesellschafter - Bund, Land, Stadt Bayreuth und „Gesellschaft der Freunde“ - zu entscheiden. Dann erst wird man sehen, ob die öffentliche Hand bei der beschlossenen personellen „Unterstützung“ des Leitungsteams insgeheim auch auf eine künstlerische Einflussnahme spekuliert.

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Jahrgang 1962, Redakteurin im Feuilleton.

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