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Bayreuth Wagner tritt als Festspielchef zurück

 ·  In einem Schreiben an den Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele hat Festspielchef Wolfgang Wagner seinen Rücktritt offiziell angekündigt. Jetzt kann die Suche nach seinem Nachfolger beginnen, die Wagner selbst verhindern wollte.

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In einem Schreiben an den Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele hat Festspielchef Wolfgang Wagner seinen Rücktritt in vier Monaten offiziell angekündigt (siehe auch: Im Wortlaut: Wolfgang Wagners Rücktrittsschreiben). Damit schafft er der Satzung der Richard Wagner Stiftung gemäß die Voraussetzung für eine Suche nach seiner Nachfolge (siehe auch: Festspielleitung in Bayreuth: Bewerber, bitte melden!).

Der Festspielchef hatte zunächst versucht, als Bedingung seines Rücktritts eine Festlegung des Stiftungsrats auf seine beiden Töchter als seine Nachfolgerinnen durchzusetzen (siehe auch: Bayreuth: Feudaler Staatsstreich). Die Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (29) sollen die Festspiele nach seinem Willen künftig in einer Doppelspitze führen (siehe auch: Wagner-Schwestern: Zu gemeinsamer Leitung in Bayreuth bereit). Der Stiftungsrat der Festspiele berät darüber an diesem Dienstagnachmittag.

Nur eine von vier Familienstimmen

Der Satzung zufolge beginnt mit der Mitteilung des Festspielleiters über die Beendigung des Vertragsverhältnisses eine Viermonatsfrist. Der Stiftungsrat müsste dann die Familie Wagner auffordern, ihr Vorschlagsrecht für die Nachfolge auszuüben. Denn das Festspielhaus, an dem die Festspielleitung hängt, ist „grundsätzlich an ein Mitglied, gegebenenfalls auch an mehrere Mitglieder der Familie Wagner“ zu vermieten.

Die Abkömmlinge Richard Wagners führen im Stiftungsrat vier Stimmen. Jeder Stamm der vier Kinder aus der Ehe von Siegfried und Winifred Wagner hat eine Stimme: Wolfgang Wagner; die Kinder seines verstorbenen Bruders Wieland Wagner, darunter Tochter Nike, die sich ebenfalls um die Nachfolge ihres Onkels bemüht (siehe auch: Bayreuth: Nike Wagner im Interview); seine Schwester Verena Lafferentz; der Erbe seiner verstorbenen Schwester Friedelind Wagner.

Wagner führt die Richard-Wagner-Festspiele seit 1951. Zunächst leitete er sie gemeinsam mit seinem Bruder Wieland. Seit dessen Tod im Jahr 1966 herrscht Wagner allein am „Grünen Hügel“.

Vom Dreigespann zum Duo

Katharina Wagner stammt aus der zweiten Ehe von Festspielchef Wagner mit seiner im Dezember 2007 gestorbenen langjährigen Mitarbeiterin Gudrun Wagner. Bereits seit ihrem Abitur arbeitete Katharina Wagner als Regie-Assistentin bei den Bayreuther Festspielen mit, unter anderem bei der „Meistersinger“-Inszenierung ihres Vaters. Sie studierte Theaterwissenschaft in Berlin und assistierte Harry Kupfer an der Lindenoper Berlin.

2002 gab sie ihr Regiedebüt in Würzburg mit der Wagner-Oper „Der fliegende Holländer“. 2004 folgte der „Lohengrin“ an der Oper Budapest. Im selben Jahr assistierte sie Christoph Schlingensief bei dessen „Parsifal“-Inszenierung in Bayreuth. Höhepunkt ihrer bisherigen Laufbahn war ihre Neuinszenierung der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ im vergangenen Jahr in Bayreuth (siehe auch: Nach dem Regelbuch des kritischen Regietheaters: Katharina Wagner inszeniert in Bayreuth „Die Meistersinger von Nürnberg“). Anfang dieses Jahres übernahm sie gemeinsam mit ihrem Vater die Geschäftsführung der neu gegründeten „Bayreuther Festspiele Medien GmbH“. Das Unternehmen soll die Vermarktung der Festspiele vorantreiben. Katharina Wagner hatte sich ursprünglich gemeinsam mit dem Dirigenten Christian Thielemann und dem Theatermanager Peter Ruzicka um die Leitung der Festspiele beworben (siehe auch:Katharina Wagner und Christian Thielemann: „Wir haben uns entschieden, gemeinsam anzutreten“ ).

Schon einmal war sie erste Wahl

Eva Wagner-Pasquier war bereits vor sieben Jahren vom Stiftungsrat als Festspielleiterin gewählt worden. Wolfgang Wagner pochte damals jedoch auf seinen lebenslangen Vertrag und verhinderte so die Machtübernahme seiner Tochter aus Wagners erster Ehe mit Ellen Drexel. Wie ihre Halbschwester Katharina kennt auch sie - zumindest aus ihrer Jugendzeit - die besonderen Arbeitsbedingungen am „Grünen Hügel“.

Nach dem Tod von Wieland Wagner galt Eva Wagner als „Mädchen für alles“ im Festspielhaus. Sie gilt als Entdeckerin des Tenors Peter Hofmann, war mitverantwortlich für die Rollenbesetzung und die Probenpläne für den „Jahrhundert-Ring“ von Patrice Chereau im Jahr 1976. Nach der Scheidung Wolfgang Wagners von seiner ersten Frau Ellen im gleichen Jahr kam es zum Bruch zwischen Vater und Tochter.

Anschließend betreute sie bei der Münchner Produktionsfirma Unitel mehr als 30 Opern- und 120 Konzertfilme. 1984 setzte sie sich unter 20 Bewerbern als Direktorin des Royal Opera House Covent Garden in London durch. 1987 wurde sie als Programmdirektorin in die Leitung der neuen Pariser Bastille-Oper berufen. In den 90er Jahren arbeitete sie unter anderem für das Teatro Real in Madrid und die New Yorker Metropolitan Opera. Seit 1987 wirkt sie als künstlerische Beraterin des Festivals von Aix-en-Provence und der Europäischen Musikakademie.

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29.04.2008, 13:31 Uhr

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Von Dirk Schümer

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