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Bayreuth und Salzburg eröffnet : Gegen die Krankheit des Vergessens

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Der Regisseur soll Diener des Autors sei: Daniel Kehlmann in Salzburg Bild: dpa

Mit harscher Kritik hat Daniel Kehlmann in seiner Rede zur Eröffnung der 89. Salzburger Festspiele das Regietheater bedacht, das seinen Vater der Beschäftigung beraubt habe. Lückenlos knüpfen die Wagner-Urenkelinnen an das Festspiel-Konzept ihres Vaters in Bayreuth an.

          Mit einer harschen Kritik am Regietheater sind am Samstag die 89. Salzburger Festspiele in Österreich eröffnet worden. Der 34 Jahre alte Schriftsteller Daniel Kehlmann setzte sich in seiner sehr persönlichen Festrede mit seinem Vater, dem Regisseur Michael Kehlmann, auseinander und kritisierte scharf den Modernisierungszwang des heutigen Theaters.

          Kehlmann würdigte seinen Vater als großen Theatermacher, der aber in den letzten Jahrzehnten aus der Mode gekommen sei und deshalb seinen Beruf nicht mehr ausüben durfte. Grund sei dessen Einstellung gewesen, dass der Regisseur ein Diener des Autors sei. „Als mein Vater durch den Wandel der Umstände seine Arbeit nicht mehr ausüben konnte, senkte sich allmählich die Krankheit des Vergessens auf ihn herab, bis ihn ganz zuletzt die Demenz vom Bewusstsein der Enttäuschung befreite.“

          Ben Becker als Tod

          Das künstlerische Programm des weltberühmten Musik- und Theaterfestivals sollte am Abend im Großen Festspielhaus mit einer Neuinszenierung von Georg Friedrich Händels Oratorium „Theodora“ beginnen. Parallel dazu gibt es in der Salzburger Innenstadt ein Fest mit mehr als 100 Konzerten, Ausstellungen und anderen Veranstaltungen an 35 Orten.

          Dauergäste: Angela Merkel mit Ehemann Joachim Sauer

          Am Sonntag steht der Berliner Schauspieler Ben Becker zum ersten Mal als „Tod“ in Hofmannsthals „Jedermann“ auf der Freilichtbühne des Domplatzes. Die Festspiele dauern bis 30. August und bieten rund 200 Veranstaltungen aus den Bereichen Konzert, Oper, Schauspiel und Lesung.

          Bayreuth eröffnet mit einer Wiederaufnahme

          Ebenfalls am Samstag sind mit der Wiederaufnahme der Oper „Tristan und Isolde“ in Bayreuth die 98. Richard-Wagner-Festspiele eröffnet worden. Zahlreiche Schaulustige säumten die Auffahrt von Politikern, Wirtschaftsbossen und Show-Stars. An der Spitze der Schar von Ehrengästen standen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), EU-Kommissarin Androulla Vassiliou und der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias. Wenige Stunden vor der Eröffnungsvorstellung in der Inszenierung von Christoph Marthaler hatte auf einer Probebühne das Projekt „Wagner für Kinder“ mit einer Kurzfassung der Oper „Der fliegende Holländer“ Premiere.

          Bis 28. August stehen „Die Meistersinger von Nürnberg“, „Der Ring des Nibelungen“, „Parsifal“ sowie „Tristan und Isolde“ auf dem Programm. Am 9. August wird es zum zweiten Mal die Live-Übertragung einer Festivalaufführung kostenlos auf den Bayreuther Festplatz geben. Erst im kommenden Jahr werden die Festspiele wieder durch eine Neuinszenierung eröffnet: „Wagners “Lohengrin“ in der Regie von Hans
          Neuenfels.

          Wartezeit von zehn Jahren

          Die 64 und 31 Jahre alten Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner sind seit September 2008 für sieben Jahre gemeinsame Intendantinnen der Bayreuther Festspiele. Ihr Vater hatte den Weg für seine Töchter aus erster und zweiter Ehe nach 57 Jahren Festspielleitung und langem Tauziehen schließlich frei gemacht.

          Für die 1985 Plätze im Festspielhaus gab es in diesem Jahr 438.136 Kartenwünsche - das sind etwa zwei Prozent weniger als im Jahr zuvor. Nur rund 54.000 Karten stehen insgesamt bis Ende August zur Verfügung, daher liegt die Wartezeit bei fast zehn Jahren.

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