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Bayreuth Schlingensief streitet mit Wagner

27.07.2004 ·  Der „Parsifal“ blieb skandalfrei, nun aber schlagen in Bayreuth die Wogen hoch: Christoph Schlingensief ist mit Festspielchef Wagner aneinandergeraten. Zugleich eskaliert der Streit mit „Parsifal“-Sänger Wottrich.

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Nach der erfolgreichen „Parsifal“-Neuinszenierung von Christoph Schlingensief haben sich der Regisseur und Bayreuths Festspielchef Wolfgang Wagner heftig gestritten. Schlingensief warf Wagner wegen der Technik im Festspielhaus am Dienstag vor, von Video keine Ahnung zu haben. Der Leiter der Bayreuther Festspiele reagierte erregt. Er habe Schlingensief alle Möglichkeiten gegeben und lasse sich nicht beleidigen, sagte Wagner.

„Wir hätten 20.000 Euro gebraucht, dann hätten wir eine bessere Videotechnik anschaffen können“, sagte Schlingensief auf der Versammlung der Mäzenatengesellschaft „Freunde von Bayreuth“. Er forderte Wagner auf, das Geld zur Verfügung zu stellen. Wagner nannte die Vorwürfe „unerhört“. „Jeder darf sagen, was er will, aber es gibt Grenzen.“

Später schwächte Schlingensief seine Kritik ab. Es handle sich um ärgerliche Kleinigkeiten. Er sei sehr dankbar, daß er in Bayreuth habe arbeiten dürfen. Der Regisseur sprach sich auch für Wagners Tochter Katharina Wagner als künftige Festspielchefin aus: „Sie ist eine wunderbare Frau, superintelligent, sie wäre sicher die Richtige für Bayreuth.“

Streit mit dem Sänger eskaliert

Unterdessen eskalierte der Streit zwischen Schlingensief und dem Sänger der Titelpartie, Endrik Wottrich. Wottrich warf Schlingensief in der Bayreuther Tageszeitung „Nordbayerischer Kurier“ (Dienstag) vor, ein „Rassist“ und „Nazi“ zu sein. Zuvor hatte Schlingensief erklärt, er habe Wottrich übel genommen, daß er „ein Deutschland vertritt, das rein bleiben muß. Und daß er plötzlich nicht mehr spielen konnte, weil ein Neger auf einer Leinwand zu sehen war. Das war ein Satz, der - nicht nur mir - durchgegangen ist.“ Wottrich habe „einen Reinheitsbegriff von Deutschland, den ich nicht teilen kann“.

Wottrich nannte es im „Nordbayerischen Kurier“ „für Deutschland ausgesprochen peinlich, daß so eine Inszenierung überhaupt möglich ist“. Dies habe aber nichts mit dem Auftritt schwarzer Statisten zu tun, die er ausgesprochen nett finde. Die Bezeichnung „Neger“ lasse er sich von „so einem Hampelmann wie Herrn Schlingensief“ nicht verbieten. Es sei auffällig, daß Schlingensief Schwarze immer dann als Statisten einsetze, wenn es um Hilfsdienste gehe. Wottrich: „Den Rassisten sehe ich in ihm.“ Der Sänger bekräftigte, daß er die Rolle des Parsifal im kommenden Jahr nicht mehr übernehmen werde. Die Inszenierung sei „Dreck“ und „Müll“.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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