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Bardentreffen in Nürnberg : Weltmusik im Bratwurstidyll

Mit dieser Entscheidung dürfte er auf dem Bardentreffen in guter Gesellschaft sein - denn nicht nur die vielen etablierten Musiker und Bands des Hauptprogramms wollen dort von diesem Donnerstag an bis Sonntag Gehör finden, sondern auch noch fünfhundert bis tausend Straßenmusiker. Das wird oft eng und führt auch schon mal zu Verkehrschaos, erzählt der Kulturreferent Andreas Radlmaier, während wir zusammen mit dem Festivalleiter Rainer Pirzkall die Spielorte der Altstadt inspizieren. Im Handwerkerhof gleich vor dem Bahnhof hat damals alles begonnen: Heute mutet die neu aufgebaute Bratwurst-Fachwerkidylle etwas arg touristisch an. Aber längst wäre der Handwerkerhof wohl auch ein bisschen eng für die vielbesuchten Bardenkonzerte. Die Bühne mit dem Schwerpunkt für Musiker aus der Region steht inzwischen am Lorenzer Platz, wo am kommenden Wochenende zum Beispiel der zwanzigjährige Stefan Beranek aus dem benachbarten Lauf auftritt, der auf Englisch singt („Summer Feeling“), oder die Band „The Très Biens“, die ihren Musikstil als „Pub-Rock aus Fürth“ beschreibt.

Panflöten mit Dieselgenerator

Für die leisere und lyrikbetonte Musik ist eine Stadtfest-Atmosphäre freilich auch eine Gefahr. Wenn sich alle verhalten wie beim Pub-Rock, kann ein Liedermacher schnell untergehen. Auch die Straßenmusiker kommen heute oft mit Verstärkern. „Wenn jeder seinen aufdreht, wird es schwierig“, räumt Pirzkall ein. Radlmaier erinnert sich an den Sound der Dieselgeneratoren von Panflötengruppen. Als gebürtiger Nürnberger hat er schon so manches Bardentreffen miterlebt, bevor er selbst zum Organisator wurde. Den Straßenmusik-Charme des Festivals will er trotzdem gewahrt wissen: Ziel sei es, sagt er, „die Straßenmusik vierzig Zentimeter übers Pflaster zu heben“.

Nämberch English spoken: Günter Stössel spielt bei einem frühen Bardentreffen auf dem Tiergärtnertorplatz

Als Ort für die intimeren Auftritte mit konzentrierten Zuhörern bietet sich die Ruine im Katharinenkloster an, wo sich ehedem auch schon die Meistersinger versammelten und diesmal etwa die portugiesische Sängerin Gisela João auftritt. Von dort führt uns der Weg von der Lorenzer in die Sebalder Altstadt über die Pegnitz und dabei auf die Insel Schütt. Hier wird das Nürnberger Sommergefühl seit einiger Zeit nicht durch fränkische Bierkneipen, sondern durch Caipirinha-Stände und zusammengezimmerte Lounge-Bars erzeugt, doch wenn die Barden kommen, muss diese Kulisse am sogenannten Stadtstrand weichen. Ein ziemlich besonderer Auftrittsort, den wir dann noch besuchen, ist der Kreuzigungshof im Heilig-Geist-Spital - denn dieses Gebäude ist heute ein Seniorenheim. Im Konsens mit den älteren Herrschaften werde es hier keinen Techno geben, sagt Radlmaier, eher satirische Musik. Zwischen Sandsteinbögen und Oleanderbüschen findet außerdem die Konzertgesprächsreihe „Zugabe“ statt, in der besonders Musiker aus dem Ausland berichten werden, „was sie antreibt oder warum sie Lieder schreiben“.

Ein bisschen Lokalpatriotismus darf natürlich zum vierzigsten Jubiläum des Festivals auch sein. Günter Stössel tritt dieses Jahr mit einer Hommage an den verstorbenen Nürnberger Sänger Maximilian Kerner auf, dessen größter Erfolg „Iech bin a Glubberer“ bis heute gern von Fans des 1. FC Nürnberg gesungen wird. Dazu gibt Stössel bestimmt auch Kostproben seines in der Region beliebten „Nämberch English“ („Grease inner!“, „shower mall rye doe“) - und, wer weiß, vielleicht auch noch einmal den „Globetrottel-Rag“?

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