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Anekdote Taboris letzter Auftritt

 ·  Als schon alle dachten, der große Alte tue seinen letzten Schnaufer, ließ sich George Tabori noch einmal ankleiden und in den Innenhof des Berliner Ensembles bringen: Der letzte Auftritt des großen Theatermachers.

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Als es mit ihm zu Ende gehen wollte, so wird erzählt, und alle, die sein Sterbebett umstanden, schon dachten, der große Alte tue seinen letzten Schnaufer, da sollen von seinen Lippen ein paar ganz klar geröchelte Befehle gekommen sein: „Hemd!“, „Hose!“, „Jackett!“, „Schuhe!“, „Schal!“, „Stock!“. Man kleidete ihn ganz nach Wunsch an, hob ihn in den Rollstuhl, transportierte ihn vom Haus am Schiffbauerdamm, wo er wohnte, viele Treppen herunter, rollte ihn in den Hof des „Berliner Ensembles“, das um die Ecke liegt.

Die Schauspieler drängten tief bewegt aus der Kantine zu ihm hin, die Techniker schleppten sofort von der Probebühne den großen Königsfauteuil ins Freie, auf dem er immer seinen Premieren beigethront hatte. Man hob ihn auf diesen Herrschersitz, wo er nun, sonnenbeglänzt, frauenumschwärmt, umarmt, umjubelt, gefeiert, eine Stunde lang nichts weiter tat, als Hof zu halten und dabei dem Leben der anderen zuzugucken, was sowieso zeitlebens seine Lieblingsbeschäftigung war.

Zwischendurch gab er zu Protokoll, dass er im Herbst ein „bisher unbekanntes Stück von Beckett“ inszenieren werde. Wobei nicht ganz klar war, ob diese Szene nicht schon das ganze unbekannteste Beckett-Stück, nämlich das heiterste, otpimistischste, rührendste, todesverlächelndste aller Beckett-Stücke darstellte. Danach ließ er sich wieder nach Hause hieven und ins Bett legen, wo er derart die Augen schloss, dass alle dachten, das wäre jetzt nun aber wirklich das Ende. Plötzlich schlug er die Augen auf und sagte: „Und jetzt erzähle ich euch meine Kriegserlebnisse.“ Und das tat er denn auch.

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